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Der Letzte macht das Licht an

Das altmodische Science-Fiction-Adventure »Primordia« lässt sich von der Apokalypse das Lachen nicht verbieten

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Die Menschheit hat sich selbst vom Antlitz der Erde gefegt. Die Roboter lassen sich davon nicht beeindrucken: »Primordia«, ein unwahrscheinlicher Buddymovie vom Ende der Welt, kommt jetzt auf dem PC an. Die futuristische Geschichte in Retrografik richtet sich an Menschen, die sich noch an Computerspiele des zwanzigsten Jahrhunderts erinnern.

Adventures sind der Sitzenbleiber unter den Spielgenres. In den Neunziger Jahren waren sie ganz groß. Heute sind sie ein Nischenvergnügen, aber es gibt sie noch. Und sie spielen sich im Wesentlichen noch genau so, wie damals. Da ist es nur konsequent, dass »Primordia« alle technischen Fortschritte der letzten zwanzig Jahre ignoriert. Die englisch gesprochenen Dialoge mögen scharfsinnig sein, aber die Panoramen der Zukunft ruckeln grobkörnig vorbei. Immerhin: Es läuft garantiert auf jedem PC.

Und in welchem anderen Genre könnte man so eine interaktive Geschichte erzählen? Der fromme Roboter Horatio sitzt in einer gestrandeten Schiffsruine und baut sie unermüdlich wieder auf. So gebietet es der Humanismus, eine Religion, nach der alle Roboter von einem mythischen Überwesen geschaffen wurden: dem Menschen.

Eines Tages schneidet sich ein Kleiderschrank mit Klauen und Laseraugen durch die Schiffswand und klaut den Energiekern, an dem Horatio täglich tankt. Ersatz muss her, aber in der Wüste findet man so schnell keine Steckdose. Durch sein Teleskop kann Horatio die Stadt Metropol erspähen, die Energie für alle verspricht. Aber er will nicht dorthin, ganz im Gegensatz zu seinem selbstgebastelten Sidekick Crispin. Der fliegende Kopf sorgt nicht nur für Hohn und Spott, er gibt auch die nötigen Tipps, wenn Horatio wieder stecken bleibt. So sind Adventures nun mal — kommt man nicht darauf, die Bombe in die klebrige Pfütze zu tunken, kann ein ganzer Abend fruchtlos vorüberziehen.

Gut, dass Crispin weiterhilft. Und gut, dass die Rätsel meist genaue Beobachtung statt aberwitziger Geistesblitze fordern. So steht die Odyssee des ungleichen Duos auf der Suche nach ein bisschen mehr Strom im Vordergrund, und nicht die kleinen Hürden auf dem Weg. Doppelbödig ist jeder Schritt, den Horatio ins Unbekannte tut. Wenn Menschen dieses Adventure spielen, dann suchen sie zwangsläufig nach den Spuren der Katastrophe. Warum stehen schwere Geschütze in der Wüste herum? Wer hat hier Krieg mit wem geführt? Horatio hat andere Fragen. Aber jede seiner Entdeckungen legt neue Schichten einer traurigen Wahrheit frei. Mit jeder erfolgreichen Bastelarbeit entwickelt sich in »Pimordia« eine langsame, aber fesselnde Geschichte. Kein Blockbuster, aber ein schöner Schmöker für dunkle Winterabende.

Primordia
Plattform: PC, Entwickler: Wormwood, Anbieter: Wadjet Eye Games, USK: keine, Preis: 10 Euro auf Steam, 10 Dollar auf GOG.com und http://www.wadjeteyegames.com

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