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Die Besten der Besten

Der kreuzer-Jahresrückblick

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Aus und vorbei. 2012 ist Geschichte. Hier noch ein letzter Blick zurück. Die kreuzer-Redakteure kürten ihre Höhepunkte: die besten Filme, Platten, Konzerte, Theaterstücke, Kunstevents, Bücher, Gastro-Adressen und Spiele. Selektiv und subjektiv natürlich. Und in Top-5-Form.

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Die besten Filme

1. »Anna Karenina«

Hinreißende Liebesgeschichte im Kostümfilmformat: berauschend inszeniert und mit einem großartigen Ensemble.

2. »Barbara«

Christian Petzold war noch nie so bunt: Statt in graue Tristesse taucht der deutsche Filmemacher seine hoffnungsvolle Geschichte über eine Ärztin in der DDR in sommerwarme Farbtöne.

3. »Tomboy«

Einen Sommer voller Freiheit erlebt die zehnjährige Laure: bezaubernder Film über das kindliche Spiel mit Geschlechteridentitäten.

4. »Moonrise Kingdom«

Ein quietschgelbes Filmvergnügen über zwei liebeskranke Pfadfinder und mit der witzigsten Campingszene des Jahres!

5. »Das Leben gehört uns«

Der wohl beste Genre-Mix in diesem Jahr gelingt Valérie Donzelli mit ihrem Film über ein junges Elternpaar und ihren krebskranken kleinen Jungen, der tragische Romanze, Wohlfühlkomödie und modernes Doku-Drama miteinander vereint und sich bewusst von üblichen Krankenhausfilmen abgrenzt.

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Die besten Film-Debüts

1. »Bombay Beach« von Alma Ha’rel

Collagenartig verwebt Alma Ha’rel die Geschichten ihrer drei Protagonisten, die aus dem Off über ihr Leben in der sonnentrunkenen Wüste Amerikas monologisieren und zur Musik von Beirut und Bob Dylan tanzen – und bricht mutig mit klassischen dokumentarischen Erzählmustern. Großartig!

2. »Martha Marcy May Marlene« von Sean Durkin

Sean Durkin erzählt konsequent aus der Perspektive einer jungen Sektenaussteigerin auf der Flucht, so dass bald auch der Zuschauer ihre Paranoia übernimmt. Ästhetisch eindrucksvoll inszeniert!

3. »17 Mädchen« von Muriel und Delphine Coulin

Was für ein kluger Film, der nicht nur vom Erwachsenwerden, sondern auch von der Sehnsucht nach Freiheit erzählt – mit all ihren Konsequenzen.

4. »Medianeras« von Gustav Taretto

Eine Großstadt, zwei einsame Menschen und zahlreiche verpasste Möglichkeiten, sich endlich kennenzulernen. »True love will find you in the end!«

5.Leider ohne Leipzig-Start blieb »Der Fluss war einst ein Mensch« von Jan Zabeil, deswegen wandert Benh Zeitlins »Beasts Of The Southern Wild« als wohl fantastischstes Regiedebüt in diesem Jahr in unsere Debüt-Top 5.

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Die besten Alben

1. Two Gallants – The Bloom and the Blight

Nach fünf Jahren dieses Jahr endlich wieder ein Album: Zwei Jungs mit Gitarre und Schlagzeug schaffen es, dass man den ganzen Tag weinen könnte und sich dabei unglaublich gut fühlt. Persönlichstes Highlight, weil immer und jeden Tag gehört.

2. Die Heiterkeit – Herz aus Gold

Alles ist so neu und aufregend: die beste Mädchenband, das beste Debüt, die tiefste Stimme seit Nico. Lieder für alle, die gelangweilt sind und gerne Bier trinken.

 3. Amanda Palmer – Theatre Is Evil

Wo doch alle Crowdfunding machen: Die Sängerin der Dresden Dolls hat von ihren Fans über eine Million erhalten, um ein neues Album zu machen. Hier ist es und jeder Cent hat sich gelohnt.

4. The Chromatics – Kill For Love

Schon allein wegen der Coverversion von Into The Black. Ansonsten bestes Album zum Autofahren, dem Film »Drive« sei Dank.

 5. Brockdorff Klang Labor – Die Fälschung der Welt

Das lang erwartete zweite Album der Electropopper. Das Warten hat sich gelohnt. Bestes Leipziger Album.

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Die besten Konzerte

1. Constellation Records (UT Connewitz)

Selten gibt es wohl so viel Zuneigung zwischen Veranstalter, Künstler, Location: Das kanadische Label feiert seinen Geburtstag bei den Freunden im UT. Tolle kurze Gigs grandioser und ganz unterschiedlicher Bands. Entspanntestes, freundlichstes und künstlerisch hochwertigstes Festival dieses Jahr samt eigener Buchveröffentlichung.

2. Get Well Soon (Werk 2)

Schon der erste Ton von Konstantin Gropper und man ist ergriffen. Kann nur staunen und tatsächlich einen Schauer kriegen. Dunkel, pompös, schön. Und »Roland I Feel you« auch einer der Songs des Jahres!

3. Bonaparte (Werk 2)

Manchmal muss es etwas mehr sein: Das Konzert der Berliner ist ein riesiges Spektakel, Performance, Kostüme und zwischendrin jede Menge Rock’n'Roll. Was manchmal wie einfaches Partygedröhne klingt, ist tief im Inneren Gesellschaftskritik. Mehr davon!

4. Die Türen (Ilses Erika)

Nächtliche Konzerte in der Ilse haben immer etwas Familiäres. Bei den Türen singt und springt Sänger Maurice Summen, dass es eine Freude ist. Bestes gemeinsames Schwitzen!

5. Refused (Highfield)

40 Grad im Schatten, um einen rum nur Idioten, das Bier viel zu teuer. Das Highfield nervt. Aber da sind auch Refused. Die Reunion (und Wieder-Auflösung) des Jahres! Sänger Dennis Lyxzén ist und bleibt der Hotteste on earth und singt hier ein Loblied aufs Conne Island. Bei der nächsten Reunion dann da wieder!

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Die besten Theateraufführungen

1. »Krieg und Frieden«

Opulente Bilder, seherischer Blindflug: Sebastian Hartmann at his best (Centraltheater).

2. »Adolf Südknecht. The improvised Alternate-History-Show«

Idee: hot, Umsetzung: top. Solch entflammbares Lokalkolorit gibt es selten (Horns Erben).

3. »Tanzt die Männerschwimmhalle!«

Das hochpoetische Treiben im ausgetrockneten Stadtbad lässt die Augen feucht werden (Irina Pauls).

4. »Human Being Parzival«

Weg von urdeutscher Scholle, auch Heroen fangen klein an (R: Jürgen Zielinski, TdJW).

5. »Preparadise sorry now«

Eine einzige Kirche des Schmerzes (R: Wolfgang Maria Bauer, Skala).

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Die besten Bücher

1. Ernst Augustin: »Robinsons blaues Haus«

Witzig, elegant, fantastisch: So hätte der große W. G. Sebald geschrieben, wenn er besser drauf gewesen wäre. (Roman. C. H. Beck. 319 S., 19,95 €)

2. F.R. Fries: »Der Weg nach Oobliadooh«

Der bedeutendste Roman der DDR-Literatur – geschrieben von einem Stasi-Spitzel (Roman. Die Andere Bibliothek. 350 S., 34 €)

3. Hilary Mantel: »Bring Up the Bodies«

Wer die TV-Serie »The Tudors« liebt, wird diesen Thomas-Cromwell-Roman verschlingen! (Roman. Fourth Estate. 412 S., 19,95 €)

4. Heinz Schilling: »Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs«

Die derzeit beste Luther-Biografie, auch für Atheisten geeignet (C.H. Beck. 714 S., 29,95 €)

5. Jacques Yonnet: »Rue des Maléfices – Straße der Verwünschungen: Die geheime Chronik einer Stadt«

Der ultimative Paris-Roman (Roman. Matthes & Seitz. 352 S., 34,90 €)

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Die besten Kinder- und Jugendbücher

1. »Der Kleine und das Biest«

Das beste Buch des Jahres ist dieses Bilderbuch, das mit einfühlsamen und witzigen Zeichnungen und wenig Worten zeigt: Mütter sind zuweilen Monster  – hässlich, schlecht gelaunt und eigenartig! Und die großartige Botschaft: Kinder wissen das und sie können damit umgehen. Also Mütter, mehr Mut zum eigenen Biest! (M. Sauermann/U. Heidschötter: Der Kleine und das Biest. Klettkinderbuchverlag. Leipzig 2012)

2. Benjamin Lacombe »Das Elfen-Bestimmungsbuch«

Auch wer mit dem momentanen Elfen- und Feenhype nicht allzuviel anfangen kann, wird spätestens bei diesem Buch schwach: von den fantastischen Illustrationen dieses großartigen Werkes wird man auf der Stelle verschluckt, um sich dann in einer zauberhaften Pflanzen- und Elfenwelt wiederzufinden. (B. Lacombe: Das Elfen-Bestimmungsbuch. Jacoby & Stuart 2012)

3. Wolfgang Herrndorf »Tschick«

Ein Jugendbuch, das auch Erwachsene lieben müssen: ein Buch, das man nach dem Lesen der ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legt. Ein spannender Roadmovie, der seine Leser in Dreizehnjährige verwandelt und durch sommerliche, ostdeutsche Landschaften jagt. Inklusive Grundkurs in Jugendsprache. Da ziehts einem echt den Stecker! (W. Herrndorf: Tschick. Rowohlt, Berlin 2012)

4. John Green »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«

Spätestens seit diesem Buch lese ich wieder Jugendbücher, weil dieses geschafft hat, was andereJugendbücher oft nicht schaffen: auch erwachsene Leser identifizieren sich sofort mit der 16-jährigen, krebskranken Protagonistin, die gerade dabei ist, die Liebe und das Leben zu entdecken. Und nochmal für alle: Es ist KEIN Krebsbuch. (J. Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Carl Hanser Verlag 2012)

5. Birte Müller »Planet Willi«

Eines der schönsten und lustigsten Bücher über das Anderssein. Dieses Buch erklärt wie kein anderes, was es für Eltern, Geschwister und Freunde bedeutet, ein Kind mit Down-Syndrom zu lieben. (B. Müller: Planet Willi. Klettkinderbuchverlag, Leipzig 2012)

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Die besten Kunstereignisse in Leipzig

1. Das F-STOP

Der mutige Versuch, das Fotografiefestival unter dem Titel »The History of Now« wiederzubeleben. Heraus kam über eine Woche Festivalstimmung auf dem Spinnereigelände inkl. Satelliten und Komplizen, ein anspruchsvolles Symposium und ein bleibender Katalog – wir sagen: Danke dafür und weiter so!

2. CAGE 100: Opening Spaces for Action

Ein ganzes Jahr lang widmete sich die Kulturszene anlässlich seines 100. Geburtstages John Cage – die Galerie für Zeitgenössiche Kunst ging einen Schritt weiter und setzte sich künstlerisch mit dem Phänomen Cage auseinander.

3. Natur 3D

Studierende und Meisterschüler aus der Fachklasse für Bildende Kunst von Professorin Astrid Klein von der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig hinterfragten die museale Repräsentation von Natur anhand von ausgewählten Gemälden und Präparaten aus dem Museum der bildenden Künste Leipzig und dem Naturkundemuseum – dessen Dauerausstellung wieder teilweise zugänglich ist!

4. Performancezeit in der ASPN

Unter dem Titel »rotation/play – Versuchsanordnung nicht bestimmungsgemäßer Galerienutzung« verzichtete Arne Linde für einen Monat auf Bilder an den Galeriewänden der ASPN und setzte mit Till Gathmann, Thomas Janitzky oder auch dem Duo Mark Hamilton & Alexander Hempel Highlights im Leipziger Kunstfrühling.

5. Designers’ Open/Grassimesse

Alle Jahre wieder schön: Eine Herbstrunde vorbei an hochwertigem Kunsthandwerk über Kleinstserien bis hin zum Industriedesign – die »Designers’ Open« und die »Grassimesse« machten Leipzig im Oktober für ein Wochenende zum Designzentrum Mitteldeutschlands.

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Die gastronomischen Highlights

Restaurant des Jahres: Münsters Restaurant

In diesem gastlichen Haus in Gohlis muss man seinen Tisch möglichst schon Wochen im Vorausvorbestellen. Und dann lohnt sich das sogar. Wo gibts das sonst noch in Leipzig? (Platnerstr. 11-13, 04155 Leipzig, Tel. 590 63 09)

Bar des Jahres: Barcelona

Kulinarisch-geistige Oase auf der Gottschedstraße, mit Herzblut geführt und immer für eine Überraschung gut.

Gottschedstr. 12, 04109 Leipzig, Tel. 212 61 28

Schließung des Jahres: Niemanns Tresor am Thomaskirchhof

Die Gerüchteküche kochte seit Jahren. Peter Niemann hatte sich Großes vorgenommen, die Erwartungen hoch gehängt. Viel Glück beim Neustart!

Ausflugstipp des Jahres: Restaurant Immergrün in Halle/Saale

Simona Buchholz’ und Sebastian Mohrs Refugium inmitten der Kneipenszene von Halle begeistert mit kreativer Bodenständigkeit. Selbst ohne größeres Programm lohnt der Weg zu dieser ambitionierten Adresse.

Kleine Klausstr. 2, 06108 Halle/Saale, www.restaurant-immergruen.de

Löffelprobe des Jahres: Eierschecke von Bäcker Göbecke

Nur wenigen Bäckern gelingt dieser Blechkuchen aus Quark, Hefe- und Eierteig wirklich gut. Hier ist er tadellos, schön frisch mit einem Hauch Vanille und nicht zu süß.

Hans-Poeche-Str. 13, 04103 Leipzig, www.baeckerei-goebecke.de

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Die besten Spiele

Trials Evolution

Da bleibt kein Knochen ungebrochen: Dieser Gummitwist mit Motorrädern ist für einige der beste XBLA-Download aller Zeiten.

The Walking Dead

Es geht ums Überleben und darum, die richtige Wahl zu treffen.

Analogue: A Hate Story

Die beste Science-Fiction-Geschichte des Jahres.

XCOM: Enemy Unknown

Wer je Actionfiguren aus billigem Plastik geliebt hat, Tabletops in Hobbykellern spielte oder sich fragt, was aus rundenbasierten Taktikspielen geworden ist, der sollte das hier ausprobieren.

FTL

Volle Energie auf die Waffen, im Maschinenraum bricht Feuer aus: große Gefühle für kleine Nerds.

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Dein Kommentar

2 Kommentare

  1. Onlineredaktion | 4. Januar 2013 | um 21:30 Uhr

    Oh, tut uns leid. Danke für den Hinweis. Wir haben es direkt mal verbessert.