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Kunst in den Trümmern

In Zwickau feiern Street-Art-Künstler ein Festival zur Industriebrachenumgestaltung

IBUg2013_ZwickauerEisenwerk_Foto_Thomas-Dietze Größeres Bild

Das Street-Art-Festival IBUg in Zwickau ist eines der größten seiner Art, ein Experiment mit Materialien, Techniken und Genres. Organisiert wird es von zwei Leipzigern.

Die Industriebrachenumgestaltung, kurz IBUg, hat in den letzten Jahren internationale Anerkennung erworben. In diesem Jahr realisieren die Veranstalter das Urban Culture Festival in einem ehemaligen Eisenwerk in Zwickau, geladen sind knapp hundert Street-Art-Künstler.

Seit nun acht Jahren stellen Künstler der internationalen Graffiti- und Street-Art-Szene jedes Jahr innerhalb einer Kreativwoche auf einem brachliegenden Industriegelände ein buntes Gesamtkunstwerk her; hierbei beziehen sie die Geschichte, Kultur und Architektur der Fabrik mit ein.

Graffiti-Künstler Tasso ist der Initiator der IBUg: Vor acht Jahren erhielt er von der Stadt Meerane die Nutzungsgenehmigung für die dortigen IFA-Hallen. Tasso begann, neues Leben in verlassene Mauern zu bringen. Er lud Freunde ein, die mit viel Engagement bei der Gestaltung mitwirkten.

Einer von vielen ist der Leipziger Fotograf Thomas Dietze, der die letzten sieben Jahre das Non-Profit-Projekt als Veranstalter organisierte. Seit drei Jahren arbeitet er eng mit Maxi Kretzschmar zusammen. Für sie ist die IBUg »ein Zauber, eine Lobbyveranstaltung und ein Netzwerktreffen. Man begibt sich in ein Abenteuer«, sagt Kretzschmar.

In diesem Jahr brachte das Architektenteam ABOA, das bisher nur Gast auf dem Festival war, Dietze und Kretzschmar auf das ehemalige Eisenwerk in Zwickau: Dort wurden neben Werkzeugmaschinen auch Pumpen, Armaturen und Elektromotorengehäuse produziert, später verkam das 38.000 Quadratmeter große Gelände zu einer Müllhalde. Das IBUg-Team entfernte in den letzten Wochen Abfall und Gestrüpp und stellte begehbare Wege her. Fundstücke wie alte Akten, Werkbänke und Metallbuchstaben blieben, damit Künstler sie in ihre Arbeit mit einbeziehen konnten und aus dem ganzen Gelände ein Kunstwerk machen.

Seit dem 23. August arbeiten fast hundert Künstler aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Argentinien, Weißrussland und der Schweiz an dem temporären Meisterstück, das an drei Festivaltagen präsentiert wird.

Auf dem Programm stehen anekdotenreiche Vorträge und Führungen. Zudem sollen Filme für gute Laune sorgen. Eine Modenschau wird in diesem Jahr nicht mehr stattfinden, dafür aber die traditionelle IBUg-Party. Eine Besonderheit ist die Diskussion »Kunst und Kultur zur Wiederbelebung von Industriebrachen-Erfahrungen in Zwickau und Anregungen aus Europa«. Geleitet wird sie vom Mitteleuropa-Projekt SHIFT-X, das sich für die Inwertsetzung von Industriekulturen einsetzt.

Für Urban Artists ist dies eine Möglichkeit, umfangreiche Projektideen zu verwirklichen und sich internationalem Publikum zu zeigen. Zusätzlich erfreut sich die Stadt der zahlreichen Besucher: Zwickau rechnet mit 15.000 Schaulustigen.

http://www.ibug-art.de
30.08.–01.09., IBUg-Festival

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