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Und ab auf die Goldene Meile

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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Fünf Freunde lassen es nach 20 Jahren noch mal richtig krachen. Dass sich Berlin-Neukölln als Filmkulisse eignet, zeigen gleich zwei Filme, die ihre Geschichten dort angesiedelt haben. Florian David Fitz hat Vatersorgen. Eine Métrostation zieht die Zuschauer in ihren Bann und Robin Wright wird niemals alt.

Im britischen Vorort Newton Haven feiern fünf Teenager ihren Schulabschluss. Ihr Ziel ist es, in jeder Kneipe des kleinen Vorortes einzukehren und somit die sogenannte »Goldene Meile« zu erklimmen. Doch ihr Vorhaben scheitert kurz vor dem Ziel und »The World’s End« bleibt unbesucht. 20 Jahre später versucht Gary King (Simon Pegg), der Einzige der fünf, der es nicht zu irgendwas gebracht hat, die Freunde von einst zurückzulotsen, um die Sauftour zu Ende zu bringen. Gemeinsam mit Andy (Nick Frost), Steven (Paddy Considine), Oliver (Martin Freeman) und Peter (Eddie Marsan) bricht Gary erneut auf, um die zwölf Kneipen des beschaulichen Newton Haven unsicher zu machen. Unterwegs treffen sie auf Sam (Rosamund Pike), in die nicht nur Gary, sondern auch Steven heimlich verliebt ist. Auseinandersetzungen sind vorprogrammiert. Edgar Wright erzählt in »The World’s End« von Freundschaft, Humor, exzessiven Zechtouren, fragwürdiger Lebensführung, handgreiflichen Auseinandersetzungen und explosiven Überraschungen und vollendet damit seine Cornetto-Trilogie.

»The World’s End«: ab 12.9., CineStar, Regina Palast

Gemeinsam mit seiner Freundin, der Schauspielerin Eva Truffaut, schaut sich der Filmemacher Vincent Dieutre Filmmaterial an, das er aus dem Fenster der Wohnung seines mittlerweile Ex-Geliebten Simon aufgenommen hat: Straßenszenen in der Nähe der Métrostation Jaurès in Paris. Die Monate ziehen vorüber – und mit konzentrierter Ruhe kommentieren Truffaut und Dieutre die Aufnahmen. »Jaurès« ist ein intensives Doku-Drama-Erlebnis.

»Jaurès«: 12., 14./15., 19.–21., 24.9., Schaubühne Lindenfels

Daniel (Frederick Lau) arbeitet als verdeckter Ermittler für den Verfassungsschutz und muss nach einem missglückten Einsatz gegen Rechtsterroristen untertauchen. Er bittet darum, als Ermittler aussteigen zu dürfen. Zu seiner Sicherheit wird er in einer völlig heruntergekommenen Wohnung in Berlin-Neukölln untergebracht. Die fremde Wohnung kommt Daniel allerdings gerade recht. »Ummah – Unter Freunden« sieht sich wie eine Milieustudie an, die nicht nur mit Witz das arabisch-islamische Leben in Berlin-Neukölln in Szene setzt und vom Wunsch erzählt, eine dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen.

»Ummah – Unter Freunden«: ab 12.9., Schauburg

Ihre Tage in Hollywood scheinen gezählt. Doch dann macht ein Filmstudio Robin Wright ein verführerisches Angebot. Es will die Rechte an ihrer Person – also ihr Filmstar-Image – für 20 Jahre kaufen. Das heißt: sie scannen und ihr digitales Abbild für alle denkbaren Rollen besetzen, ohne Beschränkungen und ohne Wrights Mitspracherecht. Im Gegenzug erhält sie nicht nur viel Geld, sondern auch das Versprechen, dass ihr digitales Ich immer jung bleibt. Allerdings darf Wright niemals mehr die Bühne oder ein Filmset betreten. Ari Folman (»Waltz With Bashir«, 2008) erzählt in einer Mischung aus Animations- und Realfilm das Drama einer alternden Schauspielerin, deren Stern am Hollywoodhimmel verblasst.

»The Congress«: ab 12.9., Passage Kinos

Und gleich noch einmal Neukölln, dieses Mal als Schauplatz eines modernen Film Noir. Der Berliner Stadtteil wird in der ganz nahen Zukunft gezeigt, einer Zeit, in der das Gesundheitssystem längst zusammengebrochen ist. Ein Mann arbeitet im Untergrund und ohne Lizenz als Arzt. Er behandelt die Leute auf den Straßen und Hinterhöfen, seine Medikamente stiehlt er in Apotheken. In die Rolle eines Outlaws gezwungen, muss er sich mit der Frage konfrontieren, ob er überhaupt ein Arzt ist.

»Dr. Ketel«: 12./13., 17., 19.–21.9., Schaubühne Lindenfels

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen und deshalb beschränkt Conrad (Florian David Fitz) die Besuche bei seinen Eltern auf ein absolutes Minimum. Sein Vater Carl (Henry Hübchen) ist ein mürrischer alter Knochen, der kein gutes Haar an seinem Sohn oder dessen Frau Tamara (Thekla Reuten) lässt, während Enkel Jonas (Marius Haas) die Besuche ganz pragmatisch sieht: Seine gute Laune lässt er sich von Papa bezahlen. Beim diesjährigen Geburtstagstreffen überrascht Mutter Helene (Leslie Malton) allerdings mit Neuigkeiten. Sie hat Carl nach 40 Jahren Ehe verlassen und bittet Conrad um einen Gefallen: einen Botengang ins Elternhaus – mit ungeahnten Folgen. Denn dort versinkt Carl nicht nur in leeren Bierdosen, sondern auch in jeder Menge Selbstmitleid. Als Carl dann noch in den leeren Pool stürzt und sich dabei verletzt, müssen Conrad und Jonas notgedrungen in Conrads altem Jugendzimmer campieren. Drei Generationen unter einem Dach: Alptraum oder die Chance für einen Neuanfang? (TEXT: Constantin Film)

»Da geht noch was«: ab 12.9., CineStar, Passage Kinos

Bereits in »Die Nordsee von oben« wurde ein besonderes Stück Natur aus der Vogelperspektive betrachtet, nun haben sich die Macher die Alpen vorgenommen und präsentieren einen Dokumentarfilm über die Schönheit dieses Gebirges.

»Die Alpen – Unsere Berge von oben«: ab 12.9., Passage Kinos

Ex-CIA-Agent Frank Moses (Bruce Willis) ist in Rente gegangen. Bei seinem letzten Einsatz ist sein ehemaliger Kollege und Freund Marvin Boggs (John Malkovich) angeblich ums Leben gekommen. Als sich Frank gerade auf der Beerdigung befindet, wird er von Männern des FBI festgenommen und zu seiner Beteiligung an einer Mission befragt. Dabei geht es um eine Nuklearwaffe, die 25 Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Da taucht Franks tot geglaubter Ex-Kollege Marvin auf.

»R.E.D. 2«: ab 12.9., Cineplex im Alleecenter, CineStar, Regina Palast

Kleists Novelle »Michael Kohlhaas« ist mit Sicherheit nicht die attraktivste Lektüre. Nun hat sich Arnaud des Pallières des Stoffes filmisch angenommen und die Geschichte über Unrecht, Rache und Gerechtigkeit von der ostdeutschen Provinz nach Südfrankreich verlegt. Mit einem überzeugenden Mads Mikkelsen findet auch unser Autor Martin Schwickert, der sich für den kreuzer »Michael Kohlhaas« angesehen hat.

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel!

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