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Speed on Snow

Jean-Marc Rochette stellt seinen »Schneekreuzer« in Leipzig vor

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Die beklemmend-fantastische Graphic Novel »Schneekreuzer« entführt in eine Zukunft voll tödlichen Eises. Zeichner Jean-Marc Rochette lädt in die Deutsche Bücherei zur Plauder- und Signierstunde.

Der vor allem als Hort schöner Kinderliteratur bekannte Verlag Jacoby & Stuart scheint sich auf die Apokalypse eingeschossen zu haben. Nachdem erst im letzten Jahr mit »Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren« ein unglaublich schönes Buch mit fantastischen Zeichnungen erschienen ist, fährt mit »Schneekreuzer« ein weiteres schweres Geschütz auf. Allein des Namens wegen kamen wir nicht an dem bretterdicken Album vorbei. Aber auch aus inhaltlichen Gründen lohnt der Blick ins Buch, narrativ wie ästhetisch weiß der »Schneekreuzer« zu überzeugen, der nun endlich als Dreiteiler in einem Band auch auf Deutsch vorliegt.

Wir befinden uns in einer Zukunft nach der Klimakatastrophe. Eine neue Eiszeit ist angebrochen, die Welt ist zur Eiswüste geworden. Das weiße Sterben lauert überall. »Schneefuchs müsste man sein«, denkt sich so mancher im ewigen Frost Eingeschlossene, bevor ihn Kältetod und Schockstarre ereilen. Wer Glück hat, findet Zuflucht im Schneekreuzer: ein endlos langer Eisenbahnzug, in dem man immerhin vor der lebensfeindlichen Natur geschützt ist. Allerdings erweist sich die menschliche Umwelt auch nicht gerade als Paradies und Friedensgarten. Der niemals anhaltende Zug ist ein mobiles Gefängnis und der Leser wird mitten hineingezogen ins klaustrophobische Schienenstück. Beklemmend eng fühlt sich hier das Leben zwischen den Panelen an und drückend dicht liest sich die Story.

Denn es ist eine Klassengesellschaft auf Rädern, in die sich die Überlebenden der Menschheit geflüchtet haben. Was früher ganz unten war, ist jetzt ganz hinten. Abgeriegelt und eingepfercht am Zugende, proben die Elenden den Aufstand. In diesen revolutionären Wirren trifft der normale, arme Passagier Proloff auf die Umstürzlerin Adeline Bellau – der Kampf für eine gerechtere Gesellschaft verbindet sich mit einer Liebesgeschichte. Das könnte man kitschig nennen, wenn es nicht so gut erzählt wäre – frei nach Marx: Die Lokomotive ist eine Revolution in dieser Geschichte.

»Schneekreuzer«-Zeichner Jean-Marc Rochette wird am 21. Oktober in Leipzig den Comic-Meilenstein (der erste Band erschien immerhin 1984) vorstellen – bei freiem Eintritt. Die Deutsche Nationalbibliothek bittet zum Autorengespräch über »Comics und Graphic Novels als Darstellungsformen menschlicher Zukunft«. Der Kunsthistoriker und Comicexperte Jens Meinrenken moderiert den Abend. Eine Signierstunde wird sich gewiss anschließen.

Jacques Lob, Jean-Marc Rochette, Benjamin Legrand: Schneekreuzer,
Aus dem Französischen von Edmund Jacoby, Berlin: Stuart & Jacoby, 255 S., 29 €.
Autorengespräch 21.10., 20 Uhr, Deutsche Nationalbibliothek,
http://www.dnb.de/DE/Home/home_node.html

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