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Cinémathèque träumt von der Skala

Kommunales Kino will eigenes Haus in der Gottschedstraße

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Der große Wunsch und Bedarf, ein eigenes Kino aufzubauen, bestehe schon seit vielen Jahren, berichtet Angela Seidel, Geschäftsführerin der Cinémathèque Leipzig. Mit dem möglichen Auszug des Schauspiels aus der Nebenspielstätte Skala sieht der Verein nun die Möglichkeit gekommen, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Die Cinémathèque möchte in dem Gebäude in der Gottschedstraße ein Filmkunsthaus mit drei Kinosälen nebst Gastronomie einrichten.

Zudem könnte es in den darüberliegenden Stockwerken weitere Räume für Büros anderer Kulturinstitutionen und Übernachtungsmöglichkeiten für Künstler geben. »Wir wollen einen Film- und Medienstandort entwickeln, der weit über den ureigensten Zweck eines Kinos – Filme abzuspielen – hinausgeht. Er soll ebenso ein Anlaufpunkt für Film-, Medien- und Projektschaffende sein, der versucht, Aktivitäten und Partner in diesem Bereich zu bündeln und stärker zu vernetzen«, erläutert Seidel die Vision.

Bisher teilen sich die Cinémathèque Leipzig und die naTo einen Veranstaltungssaal am Südplatz. Dies sei für beide Seiten suboptimal, seitens der Cinémathèque sowohl im wirtschaftlichen als auch im inhaltlichen Sinne, erklärt die Geschäftsführerin: »Wir können hier keine wirkliche Kinoatmosphäre schaffen und haben nur begrenzten Raum, unsere inhaltlichen Intentionen zu vermitteln. Unser Entwicklungspotenzial hier vor Ort ist begrenzt.« Ein eigenes Haus in struktureller Selbstbestimmung – mit wachsender wirtschaftlicher Verantwortung und Eigenständigkeit geführt – würde der Cinémathèque erlauben, neue konzeptionelle Ansätze stringenter und sichtbarer umzusetzen, die kulturelle Bildungsarbeit stärker zu betonen, hofft Seidel.

Die Kinochefin reizt an der Skala besonders, dass das Haus durch die jahrzehntelange Theaternutzung bereits als Kulturstandort in der Innenstadt etabliert ist. Gleichzeitig gäbe es Kinokultur in der Art, wie sie die Cinémathèque repräsentierte, im Zentrum noch nicht. Ein Filmkunsthaus in der Skala könne daher einen wichtigen und neuen kulturellen Impuls im innerstädtischen Raum neben der etablierten Kultur der großen Häuser darstellen.

Seit die Idee im Januar entstand, ist Seidel auf der Suche nach Unterstützern und potenziellen Kooperationspartnern. Dabei stieß sie auf positive Resonanz in der Leipziger Kulturszene. Die Mitteldeutsche Medienförderung und das DOK-Festival befürworteten das Projekt ebenso in Unterstützerschreiben wie die Euro-Scene, die ihr Büro im Gebäude der Skala hat.

Ob das Kino jedoch zustande kommen kann, ist maßgeblich abhängig vom Schauspiel und der Stadt Leipzig als Eigentümerin. Derzeit kann das Theater die Skala wegen des schlechten baulichen Zustandes nicht für Vorstellungen verwenden, sondern nur als Probebühne. Ob und wie das Schauspiel das Gebäude in der Gottschedstraße künftig nutzen wird, hängt davon ab, ob der gewünschte Umbau der ehemaligen Diskothek Schauhaus direkt neben dem Hauptgebäude zur Zweitspielstätte finanziert werden kann. Sollte dies gelingen, könnte das Schauspiel die Skala aufgeben und verkaufen. Pressesprecher Matthias Schiffner bestätigt, dass es entsprechende Überlegungen gibt. Einen potenziellen Auszugstermin könne er jedoch nicht nennen.

Umbau soll ohne Haushaltsmittel erfolgen

Bei der Stadt gab man sich auf Nachfrage zu einem möglichen Verkauf der Skala bedeckt. Auch die Idee der Cinémathèque, dort ein Filmkunsthaus einzurichten, wollte das Kulturamt nicht kommentieren. Allerdings gab es bereits Gespräche von Seidel mit der Wirtschaftsförderung der Stadt sowie den Bürgermeistern für Kultur und Finanzen. Für den Januar ist auch ein Gesprächstermin mit Oberbürgermeister Burkhard Jung geplant.

Die Geschäftsführerin betont, dass der Verein das Projekt eigenverantwortlich verwalten und finanzieren will: »Wir wollen das Projekt ohne zusätzliche Haushaltsmittel im investiven Bereich stemmen. Um das wirtschaftlich belastbar darstellen zu können, brauchen wir allerdings Zahlen, was das Gebäude kostet und ob wir einen städtischen Willen erreichen können, das Haus nicht an den Meistbietenden zu verkaufen, sondern die kulturelle Idee aufzunehmen.«

Einen solventen Unterstützer hat die Kinochefin bereits gefunden. Der Vorsitzende der Bürgerstiftung Leipzig Georg Girardet lobt das Vorhaben: »Es ist sehr reizvoll, weil es der Cinémathèque, einer verdienstvollen Einrichtung, neue Perspektiven eröffnet.« Zur Finanzierung kann sich Girardet ein Modell vorstellen, das die Bürgerstiftung derzeit beim Bau eines Kindergartens in der Gustav-Freytag-Straße praktiziert. Die Stiftung zahlt dabei die Baukosten komplett aus eigener Tasche und schließt dann einen Erbpachtvertrag mit der Stadt, die auf das eingesetzte Kapital Zinsen zahlt. Allerdings legt der langjährige Kulturbürgermeister Wert darauf, dass es noch keine Entscheidung der Bürgerstiftung dazu gäbe, sondern es sich erst um Sondierungen des Vorsitzenden handeln würde.

Seidel betont derweil die Einmaligkeit der Chance für die Cinémathèque: »Es gibt keinen Plan B. Für die Vernetzung und unsere Partner, wie das DOK Leipzig und die Euro-Scene, ist es wichtig, dass der Standort zentral ist.« Die Kinochefin knüpft an den möglichen Umzug in die Skala zudem die Hoffnung, durch eine größere Strahlkraft auch Finanzierungsquellen außerhalb Leipzigs erschließen zu können: »Dies ist derzeit nicht möglich.«

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