Startseite / Filmkritik / Gruppenkuscheln im Weißen Rössl

Gruppenkuscheln im Weißen Rössl

Die Kinostarts der Woche im Überblick

computerchess Größeres Bild

Eine Gruppe nerdiger Informatiker, ein Kinderfilm, der sich was traut, ein Ex-Banker auf Offenbarungskurs, deutscher Klamauk und Horror-Streifen sowie Kinder in Kriegszeiten – die Kinostarts in aller Kürze.

Künstliche Intelligenz ist der Renner. Es wird gefachsimpelt und gerätselt, ausspioniert und gruppengekuschelt. Wir befinden uns in einem Provinzhotel in den frühen achtziger Jahren, wo gerade ein Computerschachwettbewerb stattfindet und ein paar Esoterikfreunde ihre Wiedergeburt feiern. Mit minimalem Budget, halb improvisierten Dialogen und Protagonisten aus seinem Umfeld inszeniert der US-amerikanische Independentfilmer Andrew Bujalski in »Computer Chess« das Aufeinandertreffen der Technikenthusiasten und Verschwörungstheoretiker. Mit einer angenehmen Beiläufigkeit, die auch frühere Arbeiten Bujalskis wie sein Debüt »Funny Ha Ha« (2002) auszeichnet, taucht er in die Welt der achtziger Jahre ab. Der Filmemacher lockt ohne große dramatische Wendungen und mit viel Liebe zum Detail den Zuschauer schnell auf eine falsche Fährte. Die dokumentarische Herangehensweise lässt diesen mitunter glauben, die körnige Schwarz-Weiß-Filmperle sei tatsächlich gerade erst vom Mief der Zeit befreit worden. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»Computer Chess«: ab 6./7., 9.-11., 18., 20.11. Cinémathèque in der naTo

Der zehnjährige Sascha (Marcel Hoffmann) verbringt viel Zeit mit der gleichaltrigen Elli (Frieda-Anna Lehmann). Sascha geht nicht gerne in die Schule, erst recht nicht, seitdem er eine Förderschule besuchen muss, da er immer noch nicht lesen und schreiben kann. Als er beim Klauen erwischt wird, weiß seine Mutter nicht mehr weiter. Dann wird bei Sascha ADHS diagnostiziert. Um seine Konzentrationsleistung zu erhöhen, werden ihm Medikamente verschrieben. Diese helfen ihm, verändern ihn aber auch. Bernd Sahling knüpft mit seinem neuen Film »Kopfüber« an sein Debüt »Blindgänger« an. »Kopfüber« zeigt aus einer kindlichen Perspektive den Alltag eines Jungen, der an ADHS leidet – und ist ein Film für Kinder und Erwachsene gleichermaßen!

»Kopfüber«: ab 7.11. Passage Kinos

 

Die 23-jährige Rahima (Marija Pikic) und ihr zehn Jahre jüngerer Bruder Nedim (Ismir Gagula) sind Waisen des Bosnienkriegs. Sie kämpfen sich Jahre nach dem Krieg durch den Alltag in Sarajevo, wehren sich gegen Vorurteile und fehlende Anerkennung. »Djeca – Kinder von Sarajevo« ist ein berührendes Drama über ein Geschwisterpaar, das sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden versucht, die erst wieder lernen muss, was Moral und ein respektvoller Umgang miteinander bedeutet – und steckt doch voller Hoffnung.

»Djeca – Kinder von Sarajevo«: ab 8.11., LURU-Kino in der Spinnerei

Um im Bankengeschäft in den oberen Etagen der großen Geldinstitute die Karriereleiter hochzusteigen, bedarf es klarer Regeln. Dazu gehört zum einen, dass man sich ganz in den Dienst des Unternehmens stellt. Zum anderen sollte man sich frühzeitig von seinem Privatleben verabschieden. Das erklärt Rainer Voss mit ruhiger Stimme gleich zu Beginn des Dokumentarfilms »Master Of The Universe«. Der Ex-Banker hat ganz oben mitgespielt. Im Film berichtet er von seinem eigenen Aufstieg in den achtziger Jahren und gewährt einen Insiderblick in eine Branche, die sich gern hinter Spiegelfassaden bedeckt hält. Voss als Protagonist erweist sich für den Filmemacher Marc Bauder (»Das System«, 2011) als wahrer Glücksgriff. Statt Voss in seinem Zuhause zu zeigen, lässt Bauder ihn durch ein leerstehendes Frankfurter Bankengebäude spazieren und über den Irrsinn der Finanzwelt sinnieren. Er skizziert mathematische Gleichungen an eine Glaswand, spricht über Finanztheorie und absurde Börsenspekulationen und prophezeit den totalen Kollaps. Bauders Film eröffnete die 56. Ausgabe von DOK Leipzig.

»Master Of The Universe«: ab 7.11. Passage Kinos

Zwei 13-jährige Zwillingsbrüder werden inmitten des Zweiten Weltkrieges von ihrer Mutter aufs Land zu ihrer Großmutter gebracht. Hier erleben sie häusliche Gewalt. Die beiden müssen lernen, sich den gegebenen Umständen anzupassen. Ihre autodidaktische Ausbildung sowie die zeitgleich stattfindenden Bombardierungen und die Verfolgung der Juden dokumentieren die beiden Jungen ganz sachlich in einem Heft. »Das große Heft« von Janos Szasz basiert auf dem weltweit erfolgreichen Roman »Le Grand Cahier« der ungarisch-schweizerischen Autorin Ágota Kristóf. Ein äußerst atmosphärischer Film, der zwei Jungen porträtiert, die in den Kriegswirren ihre kindliche Unschuld verlieren.

»Das große Heft«: ab 7.11. Passage Kinos

Eine visuell beeindruckende und berührende Hommage an die deutsche Tänzerin und Choreografin Tanja Liedtke. Mit gerade mal 29 Jahren wurde sie zur Leiterin der berühmten Sydney Dance Company ernannt. Doch bevor sie den Job antreten konnte, starb sie bei einem tragischen Unfall. 18 Monate nach ihrem Tod gingen einige ihrer ehemaligen Kollegen mit einer Show, basierend auf Liedtkes Arbeit, auf Welttournee. Dabei wurden sie von einem Filmteam begleitet.

»Tanja – Life In Movement«: 5.-10.11. Schaubühne Lindenfels

In der Burg Eulenstein haust das kleine Gespenst. Während des Tages lebt es zurückgezogen auf dem Dachboden, doch nachts erwacht es und zieht durch die Gänge. Eigentlich ist es sein größter Wunsch, die Welt einmal bei Tageslicht zu sehen. Doch weder es selbst noch sein einziger Freund, der Uhu Schuhu, wissen, wie sie das anstellen sollen. Bis eines Tages eine Klasse eine Nachtwanderung durch die Burg macht.

»Das kleine Gespenst«: ab 7.11. Cineplex im Alleecenter, CineStar, Passage Kinos, Regina Palast

Ein Tornado zieht vom Meer aus auf Los Angeles zu. Die Menschen an der Küste sind beunruhigt, wissen jedoch noch nicht, dass er neben einer ganzen Menge Wasser auch noch gefräßige Haie mit sich führt. Nachdem Bar-Besitzer Fin (Ian Ziering) dies bemerkt, macht er sich sofort mit seinen Freunden Baz (Jaason Simmons) und Nova (Cassie Scerbo) auf den Weg zu seiner Frau April (Tara Reid), die nach Schwierigkeiten in der Ehe allerdings einen neuen Freund hat, um sie und die gemeinsame Tochter Claudia (Aubry Peeples) zu retten. Dies gelingt dem Trio auch, jedoch fallen weiterhin Haie vom Himmel und fressen alles, was sie zu fassen bekommen. Die Gruppe schmiedet einen Plan, mit Hilfe von Dynamit und Helikoptern die Hai-Tornados zu stoppen. (Quelle: LURU-Kino)

»Sharknado«: ab 7.11. LURU-Kino in der Spinnerei

Kleinganove Zeki Müller (Elyas M’Barek) landet bei der Suche nach seiner Diebesbeute als Aushilfslehrer an einer Schule. Den Lehrerberuf führt er laut eigener Aussage nur nebenberuflich aus und das merkt man schnell. Als Neuer an der Schule bekommt er gleich die Problemklasse aufs Auge gedrückt. Mit seinen rabiaten Mitteln und ungewöhnlichen Lehrmethoden mischt er die Chaosklasse und auch die Lehrerschaft ordentlich auf. Bora Dagtekin wurde als Regisseur und Drehbuchautor durch die TV-Serie »Türkisch für Anfänger« bekannt.

»Fack ju Göhte«: ab 7.11. Cineplex im Alleecenter, Regina Palast

»Die ganze Welt ist himmelblau, wenn ich in Deine Augen schau« – für die Berlinerin Ottilie Giesecke (Diana Amft) der reinste Firlefanz. Gerade per SMS von ihrem Freund verlassen, hat sie keine Kraft mehr, dem Drängen ihres Vaters Wilhelm (Armin Rohde) zu widerstehen, ihn für einen Kurzurlaub ins Weiße Rössl an den Wolfgangsee zu begleiten …

> »Im Weißen Rössl – Wehe, du singst!«: ab 7.11. Cineplex im Alleecenter

 

Als Schriftsteller Crispian mit seiner Lebensgefährtin Erin im abgelegenen, noblen Landhaus seiner wohlhabenden Eltern eintrifft, wollen sie gemeinsam mit den drei anderen Brüdern und ihrem Anhang den 35. Hochzeitstag der Eltern feiern. Die Geschwister sind sich jedoch nicht grün und brechen rasch einen offenen Streit vom Zaun. Sie ahnen nicht, dass ihre Nachbarn bereits einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Szenario klingt vertraut? »You’re Next« ist ein Horror-Thriller, in dem sich eine Familie gegen eine Gruppe maskierter Mörder zur Wehr setzen muss.

»You’re Next«: ab 7.11. Cineplex im Alleecenter, CineStar, Regina Palast

Und Woody Allen knüpft an altbekannte Geschichten an: Unser Autor Martin Schwickert hat sich für uns »Blue Jasmine« angesehen.

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel!

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.