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Startbier, Bühnen-Flummi und Desaster

Die Metalheadz riefen zur Heavy-Metal-Klassenfahrt

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An Klassenfahrten habe ich nicht unbedingt die besten Erinnerungen. Heimliches Alkoholtrinken, kurze Raucherpausen auf hässlichen Parkplätzen, nerviges Aufpasspersonal – irgendwelche mitgeschleppten Eltern, die sich als Lehrer aufspielten. Warum also soll man sich noch einmal auf so ein Klassenfahrtsding begeben? Aber immerhin ist es ein Heavy-Metal-Ausflug mit halbwegs erwachsenen Teilnehmern. Und eine Leipziger Band gilt es auch noch zu unterstützen.

Die wahren Zerstörer auf dem Party.San-Open-Air sind nicht die musikalischen Acts, es ist der Brutz & Brakel-Stand. Immer, wenn jemand meinte, er ginge mal kurz einen Cocktail dort schlürfen, konnte man sicher sein: Er kommt nicht so schnell wieder und wird völlig hinüber sein. In Berlin ansässig, veranstalteten die Giftmischer des Hochprozentigen vergangenes Wochenende ihr viertes Stromgitarrenfest. Weil mit Human Prey dort ein Brutal-Death-Bolzen auftreten sollte, riefen die Metalheadz zur Heavy-Metal-Klassenfahrt.

Am Samstag ging’s kurz vor drei mit einem Startbier los. Busfahrer Dirk mühte sich, die knapp fünfzigköpfige Bande rasch nach Berlin-Weißensee zu bugsieren. Zwei Zwischenstopps – danke an den rumänischen LKW-Fahrer fürs Gruppenfoto! – einer Bingo- und zahllosen Pfeffi-Runden später trafen wir viel zu früh im Jugendtreff Hof23 ein und trafen auf eine Dresdner Gesandtschaft. Das Vorglühen zog sich also bei absolut guter Stimmung hin, bei den ersten beiden Bands waren wir ohnehin noch unter uns. Das tat dem Auftakt keinen Abbruch. Nachdem die Band mit dem schönen Namen Genital Putrefaction den Opener machte, legten schon Human Prey los. Unter den Gästen gab’s nun kein Halten mehr, der noch reichliche Platz im Club wurde fürs Bad in Bier und Schweiß genutzt. Haare flogen, der Saal wurde zur Hüpfburg, Human Prey drehten massiv und wussten auch diese Bühne zu rocken. Auch Spiderman, das fast obligatorische Maskottchen der Leipziger, gab den Bühnen-Flummi. Kurzum: eine gelungene Prügelorgie, die zur anhaltenden Hochstimmung antrieb.

Allmählich füllte sich der Saal komplett und der Abend gedieh zum rauschhaften Fest, an dem kein Anwesender – sei es musikalisch oder alkoholisch bedingt – mehr still oder nur gerade stand. Durchs Desaster dirigierten unter anderem die Rock’n’Roll-Overkiller von Malignant Tumor und die Scharfrichter vom Grand Supreme Blood Court. Unter Pussy Mouskouris ekstatischem After-Show-Coverflow ging der Abend vollends im kollektiven Überschwang unter. Nach kurzer Bussuche trat die Gruppe die Rücktour an, auf der zum Glück immerhin Busfahrer Dirk wach blieb. Gegen sieben Uhr morgens wurden die letzten am Kreuz rausgelassen, irgendwie glücklich und sagenhaft geschafft – oder andersherum. Es heißt, noch immer werde eine Jacke vermisst. Klassenfahrt eben.

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