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Editorial 12/2013

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Dezember-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe erklärt, was es in diesem Heft zu lesen gibt.

Alle hassen Weihnachten. Aber man kommt ja nicht drum herum. Natürlich kann man einfach zu Hause bleiben, einen Ganzkörperpantoffel (mit Lammfell) anziehen und nie mehr ans Telefon gehen. Aber – so schallt es aus dem Büro der kreuzer-Produktionsleitung – einfach zu Hause zu bleiben sei NIE eine Alternative. Nun gut. Also legen wir los und tun unser adventliches Werk: Dass so ein Weihnachtsmarkt eine Menge Geld einbringt, dass sich dort irgendjemand eine goldene Nase verdienen muss, erschließt sich spätestens beim Blick in die leere Geldbörse nach dem Besuch des dampfenden Budenzaubers. Dass es jedoch in einer Stadt wie Leipzig bis zu 75 Millionen Euro Umsatz sein können, überrascht dann doch. Vor allem, wenn man diese Summe auf die etwa 250 Buden umrechnet: 300.000 Euro Umsatz pro Stand. Zugegeben, diese Rechnung ist gewagt, doch sechsstellige Umsätze pro Marktstand sind durchaus realistisch. Der Adventstrubel bringt also eine Menge schnell verdientes Geld, besonders einträglich sind Glühweinbuden. Es ist kein Geheimnis, dass wer so einen Stand ergattert, den Rest des Jahres nicht mehr viel arbeiten muss. Andererseits gilt für die Verkäuferinnen und Verkäufer in den Buden: Frieren für sechs Euro in der Stunde. Im Grunde sollte das Marktamt der Stadt Leipzig die Kontrolle über das einträgliche Geschäft haben, doch es arbeitet mit verschiedenen Firmen und Veranstaltern zusammen, die weite Teile des Marktes selbst organisieren. Der größte dieser Partner ist das weltweit agierende Unternehmen Käthe Wohlfahrt, das sich auf Weihnachtskitsch spezialisiert hat und das gesamte Budenkarree auf dem Marktplatz kontrolliert. Kreuzer-Autor Tobias Ossyra hat sich das Geschäft mit dem Weihnachtsmarkt einmal angeschaut.

Als in Gohlis Schweineköpfe auf Pfähle gespießt wurden, war der Dezember-kreuzer fast fertig. Im Ressort Politik planten wir einen Schwerpunkt zum Moscheebau in der Georg-Schumann-Straße und interviewten den Islam- und Medienexperten Kai Hafez von der Universität Erfurt. Dieser forderte mehr Engagement von einer Gruppe, die er »liberales Bürgertum« nennt. Doch gibt es das überhaupt in Leipzig? Auffällig sind in letzter Zeit vor allem zwei Dinge: Wenn in Leipzig demonstriert wird, dann geht es gegen Flüchtlinge, Asylsuchende oder Muslime, also gegen das vermeintlich »Fremde«. Zwar folgen die üblichen Distanzierungen verschiedener Politiker (im Fall der CDU enthalten diese immer ein »Aber«). Doch, Punkt zwei: Die entsprechenden Gegendemos sind zum überwiegenden Teil von jungen Menschen besucht. Wo ist also dieses »Bürgertum«, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen gegen Fremdenhass? Während der Demonstration gegen eine Unterkunft für Asylsuchende in Schönefeld stand es eher auf der Seite der NPD – mit dem hirnrissigen Argument, das Flüchtlingsheim würde die Schüler einer nahegelegenen Grundschule beim Lernen stören. Und als – Szenenwechsel – unsere Reporterin Jennifer Stange sich am Tag des Schweinekopf-Anschlags in Gohlis auf den Straßen rund um den Tatort umhörte, wurde sie mit Äußerungen konfrontiert, die von unverhohlener Zustimmung für die Täter bis zu Relativierungen reichten: Der Anschlag sei ja nur ein »Dummjungenstreich«. Jennifer Stanges Bericht ist hier nachzulesen. Fest steht nach diesem November, dass es auch in der sogenannten Mitte der Leipziger Gesellschaft offenbar massive Probleme mit Fremdenhass gibt.

Ja, es ist schon zum Heulen. Aber damit die Winterdepression Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht allzu arg plagt, haben wir auch ein paar unterhaltsame Themen eingebaut in dieses Jahresendheft: das Interview mit Sportreporter Guido Schäfer zum Beispiel, der sich gerne als prolliger Lude im Lodenmantel inszeniert und eine irre Story nach der anderen aus der Hüfte schießt. Außerdem begeistert sich kreuzer-Redakteurin Miriam Schulze für ein ganz besonderes Theaterstück, in dem es um lustige Monster, das Streiten und Arne am Keyboard geht. Tobias Prüwer wiederum gibt im Absacker unserer Titelgeschichte den ultimativen Weihnachtsgeschenktipp für Kinder: eine Leberwurst.

Wohl bekomms!

ANDREAS RAABE

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