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Für die Gebeutelten

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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Passend zum Wetter werden in Leipzig fleißig die Leinwände bespielt und in dieser Woche gibt es neben eher unspannenden Remakes den neuen Film der Coen-Brüder, eine unterhaltsame Coming-of-Age-Geschichte, die die ganze Pracht pubertärer Unbeholfenheit vor dem Zuschauer ausbreitet und ein weiteres Mal ist die Venezianische Lagune Protagonist in einem Film.

Llewyn Davis (Oscar Isaac) ist ein begnadeter Folk-Troubadour, dessen Talente von der Musikindustrie vollkommen ignoriert werden. Eine Wohnung kann er sich nicht leisten und im zwischenmenschlichen Umgang zeigt der Künstler wenig Geschick. Keiner kümmert sich im Kino so gut um die Verlierer dieser Welt wie die Coen-Brüder. »Inside Llewyn Davis« reiht sich ein in diese Parteinahme für die Gebeutelten. Im Gegensatz zu den Vorläuferwerken paart sich hier aber der ironische Blick auf das menschliche Fehlverhalten und die wirren Wege des Schicksals mit einem Bekenntnis zu echter Melancholie. Das winterliche New York, das nur mit ein paar Haifischflossen-Autos in den frühen Sechzigern verankert wird, ist ein unwirtlicher Ort. Allenfalls in den verrauchten Gewölben des Gaslight Cafés kommt ein wenig Wärme auf, wenn die Musiker ihr Herz in die Interpretation traditioneller Folk-Songs legen. Einmal spielt Llewyn bei einem bekannten Musikproduzenten vor. Während er sich die Seele aus dem Leib singt, schaut der Mann ihm ungerührt zu. Eine herzzerreißende Szene, in der künstlerische Ambition und kommerzielles Kalkül brutal aufeinanderknallen. In »Inside Llewyn Davis« blicken die Coens dennoch nicht mit mitleidigem Blick auf ihren Antihelden. Im Gegenteil. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen. In der Kinobar Prager Frühling gibt es ab dem 26. Dezember auch die Möglichkeit, den Film im Original zu sehen!

»Inside Llewyn Davis«: ab 5.12., Passage Kinos, ab 26.12. (OmU), Kinobar Prager Frühling, ab 2.1., Schauburg

Shun Li (Zhao Thao) arbeitet in einem kleinen Café in Venedig. Doch wegen ihres schlechten Italienisch und ihrer Unerfahrenheit als Kellnerin erntet sie argwöhnische Blicke der Kunden. Einzig der Dichter Bepi (Rade Serbedzija), der selbst Migrant ist, zeigt Verständnis für die Frau. »Venezianische Freundschaft« ist ein bildschönes, intimes Drama über eine ungewöhnliche wie anrührende Freundschaft und ein kurzes Glück.

»Venezianische Freundschaft«, ab 5.12., Schaubühne Lindenfels

»Wer ist denn das in der Pracht seiner pubertären Unbeholfenheit?«, begrüßt eine gute Freundin der Familie den 14-jährigen Duncan (Liam James). Zusammen mit seiner Mutter Pam (Toni Colette), deren neuen Freund Trent (Steve Carrell) und dessen Tochter verbringt Duncan die Ferien in einem Strandhaus am Meer. Duncan soll sich mit Trent anfreunden. Doch der Zufluchtsort am Strand entpuppt sich nach und nach als Spielwiese für die Erwachsenen. Trent hat lediglich ein Arsenal an Demütigungen für Duncan übrig, die vor allem Pam eher unbeholfen weglächelt. Das Drehbuch zu »The Descendants« brachte Nat Faxon und Jim Rash 2012 einen Oscar ein. Nun kehren sie mit »Ganz weit hinten« nicht nur als Drehbuchautoren zurück, sondern führen auch Regie. Ihr tragikomischer Independentfilm über einen etwas tollpatschigen Jugendlichen, der im wahrsten Sinne des Titels immer ganz weit hinten ist, entpuppt sich als unterhaltsames Feelgood-Movie, das trotz der kalten Jahreszeit die Sommerlaune in spürbare Nähe rücken lässt. Natürlich ist das Szenario denkbar einfach gehalten: ein eingeschüchterter Teenager, der nicht mit seinen Eltern klarkommt und in einer neu gefundenen Parallelwelt zu Selbstbewusstsein findet. Es ist der coole Bademeister Owen (Sam Rockwell), der wie ein verspieltes Kind übers Vergnügungsgelände hopst und Duncan aus seinem dämmerhaften Außenseiterdelirium wachrüttelt. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»Ganz weit hinten«: ab 5.12., Passage Kinos

238 junge Frauen folgen 1949 dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes in einer norddeutschen Zeitung. Gesucht werden Landarbeiterinnen aus Deutschland – und zukünftige Ehefrauen für die alleinstehenden Bauern. Mit einem Frachtkutter geht es nach Island. Die Gründe für die Ausreise sind ganz unterschiedlicher Natur. Bei fast allen ist es die Perspektivlosigkeit im Nachkriegsdeutschland. Bei einer Reise auf die Vulkaninsel lernt Filmemacherin Heike Fink durch Zufall Anita kennen. Die über 80-Jährige war knapp 20, als sie Deutschland verließ. Heute klammert sie sich, wenn sie ihre Heimat vermisst, an eine Mecki-Figur. Anita ist eine von sechs Frauen, deren Schicksal Fink in ihrem Debütfilm behutsam entfaltet. 60 Jahre nach der Ausreise ziehen die Frauen in persönlichen Gesprächen Bilanz und berichten sehr emotional von einem Auswanderstrom, der nur wenigen bekannt sein dürfte. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»Eisheimat«: 6., 8., 11.12., Kinobar Prager Frühling

Die Mittvierzigerin Abby (Robin Weigert) lebt in einer Vorort-Idylle mit ihrer Frau und zwei Kindern und führt ein Leben zwischen Haushalt, Paarbeziehung und Mutterrolle. Als sie beim Spielen mit ihren Kindern von einem Baseball am Kopf getroffen wird, kommt sie mit einer leichten Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Der Unfall rüttelt Abby auf und sie gesteht sich ein, wie unzufrieden sie mit ihrem bisherigen Alltag ist. Sie beschließt, ihrem Leben eine andere Richtung zu geben: Sie kümmert sich weniger um die Familie und beginnt, als lesbische Prostituierte zu arbeiten. Mit dem Ziel, ihre beiden Leben strikt zu trennen, erschafft sie eine zweite Identität unter dem Namen Eleanor. Als sie eines Tages mit einer Nachbarin aus ihrem Vorort als Kundin konfrontiert wird, nimmt das Schicksal seinen Lauf. (Quelle: Kinobar Prager Frühling)

»Concussion«: 5./6., 8.12., Kinobar Prager Frühling

Eigentlich sind es nur »45 Minuten bis Ramallah«, aber als Rafiq und Jamal dort ankommen, haben sie eine mehrtägige Odyssee hinter sich. Denn die beiden Brüder stehen als arabische Israelis zwischen allen Stühlen in einer Region, wo viele Israelis in Palästinensern Terroristen vermuten und Palästinenser oft israelische Bürger als Unterdrücker wahrnehmen. Die Brüder geraten mitten hinein in diese Zuschreibungsfront. Alle Seiten bekommen in diesem von Absurditäten gespickten Durcheinander ihr Fett weg. Der Film spult sich durchaus unterhaltsam und witzig ab. Dauerhaft Eindruck macht das harmlose, mit ein bisschen Sexappeal aufgepeppte Komödchen nicht. Aber es muss ja nicht immer Tiefgang sein. Wenigstens fällt der Streifen schräger aus als die Durchschnitts-Rom-Com und das macht ihn popcorntauglich. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»45 Minuten bis Ramallah«: ab 5.12., Schauburg

Es läuft nicht gut für Clemens Trunschka (Ulrich Tukur). Der beste Freund des Headhunters ist der Alkohol. Nur mühsam schafft es Trunschka, sein Leben am Laufen zu halten. Doch seine Ehe droht an der Sucht genauso zu zerbrechen wie er selbst. Als er von einem großen deutschen Automobilkonzern den Auftrag erhält, den amerikanischen CEO von Houston Petrol, Steve Ringer, als neuen Vorstandsvorsitzenden anzuwerben, sieht Trunschka die Gelegenheit, sein Leben wieder in die richtige Bahn zu lenken. »Houston« von Bastian Günther feierte beim diesjährigen Sundance Film Festival in der Sektion World Dramatic Competition seine Weltpremiere. Ulrich Tukur (»Das weiße Band«) und Garret Dillahunt (»No Country For Old Men«) sind in den Hauptrollen zu sehen.

»Houston«: ab 5.12., Schauburg

Und ein überflüssiges Remake: Carrie White (Chloe Moretz) ist ein schüchternes Mädchen, das auf der Highschool keine Freunde hat, sondern von ihrem Mitschülern eher gemobbt wird, da sie irgendwie anders ist. Carrie lebt mit ihrer Mutter Margret (Julianne Moore) zusammen, die ihre Tochter strenggläubig erzieht. Das Mädchen stellt fest, dass es telekinetische Fähigkeiten besitzt: Sie kann Gegenstände durch bloße Gedankenkraft bewegen.

»Carrie«: ab 5.12., Cineplex im Alleecenter, CineStar, Regina Palast

Und gleich noch ein irgendwie auch überflüssiges Remake: Als Lieferant der Metzgerei seiner Familie scheint David Wozniak (Vince Vaughn) die ewige Mittelmäßigkeit seines Daseins völlig zu reichen. David hat ein gutes Herz und ist bei allen beliebt. Als er herausfindet, dass er der biologische Vater von 533 Kindern ist und dass 142 davon eine Klage anstreben, um seine Identität zu erfahren, ändert sich alles.

»Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft«: ab 5.12., Cineplex im Alleecenter, CineStar

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel!

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