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Kurze Eskapaden

Statt Muffellaune ab ins Kino: Am kürzesten Tag des Jahres Kurzfilme gucken

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Wie man es auch dreht und wendet, schön ist es wahrlich nicht: Gerade einmal achteinhalb Stunden passen am 21. Dezember zwischen Sonnenauf- und -untergang. Mehr Zeit bleibt nicht.

Dann hat sich die Erdkugel schon weitergedreht und wir hocken wieder im Dunkeln. Das war wohl Anlass genug für die Franzosen, dem kürzesten Tag des Jahres das sogenannte Stiefkind der Filmindustrie an die Seite zu stellen: den Kurzfilm. Gleich und gleich gesellt sich eben gern. Seit 2011 steht der 21. Dezember im Zeichen des kleinsten aller Genres. Im vergangenen Jahr tat es die AG Kurzfilm in Dresden dem französischen Vorbild gleich und rief auch hierzulande den Kurzfilmtag »Der kürzeste Tag« ins Leben. Mit über 150 Veranstaltungen gab es so viel positive Resonanz, dass das knackige Format auch heuer 24 Stunden lang Leinwände und Mattscheiben bestimmt. Österreich, Spanien, Finnland oder auch Kanada ziehen mittlerweile nach.

In Leipzig sind die Cammerspiele, die Kinobar Prager Frühling und das UT Connewitz dem Aufruf gefolgt und zeigen die ganze Spannbreite der Kurzen. In dem quietschbunten Animationsfilmchen »Flamenco Pride« verliebt sich der einzige heterosexuelle Flamingo eines schwulen Flamingo-Schwarms ausgerechnet in eine vorbeifliegende Störchin, während der 16-jährige Tino in »Treffit« schmerzlich feststellen muss, dass der Familienkater wesentlich routinierter mit dem anderen Geschlecht umgeht als er selbst. Die beiden Filme laufen im UT in der Reihe »This Is Not A Funny Program«, die die Lachmuskeln der Zuschauer mit skurrilen und schrägen Kurzgeschichten herausfordern möchte. Während sich die Cammerspiele dem lokalen Kurzfilmstreifen verschrieben haben und eine Auswahl aus zehn Jahren »kurzsuechtig« zeigen, läuft in der Kinobar ein Best-of des Berliner Kurzfilmfestivals Interfilm. Ein wenig Sarkasmus oder auch der Hang zur Melancholie sind hier gefragt: In »Choir Tour« bleibt die Leiterin eines weltberühmten Jungenchors nicht ohne Folgen im Fahrstuhl stecken. Anschließend rutscht das Leben des kleinen Hazel in dem gleichnamigen Streifen ab ins Chaos. Seine Vorliebe für schräge Outfits und Jungen findet keinerlei Anerkennung bei der depressiven Mutter und die engagierte Kinderpsychiaterin weckt nicht nur bei Hazel Zweifel.

Je nach Laune angesichts der nicht enden wollenden Dunkelheit an diesem Tag hat der Zuschauer die Möglichkeit, sich am Leid der anderen zu ergötzen, mit ihnen über die Schieflagen des Lebens zu lachen oder sich einfach nur unterhalten zu lassen. Und mal ehrlich: Wenn man im Kino sitzt, ist es schlicht und ergreifend egal, wie lange da draußen das Tageslicht verweilt.

> Kurzfilmtag: 21.12., Cammerspiele (»Kurzes am Kreuz«), Kinobar Prager Frühling (»Golden Shorts«), UT Connewitz (»This Is Not A Funny Program«)

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