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Alles auf Anfang

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Was für eine tolle Kinowoche – neben Must-see-Neustarts gibt es auch fernab der frischen Kinokost allerhand in Leipzig zu sehen: Die Schaubühne Lindenfels begibt sich mit der Kino-Videoinstallation »Salute, Organon!« auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie man Kino fürs 21. Jahrhundert denken kann. Das Filmriss Filmquiz wagt ein Experiment. Die Queeren Filmtage zeigen wieder eine exquisite Auswahl queerer Filmkunst. Das U.F.O.-Kurzfilmfestival sichtet wieder unbekannte Filmobjekte verkannter Filmamateure und das Best of Five präsentiert Perlen sächsischer Festivals – für weitere Informationen einfach runterscrollen, unter den Neustarts gibt’s mehr dazu!

Baltimore ist für Matthew Porterfield (»Putty Hill«) nicht nur Heimatstadt, sondern zugleich filmisch vertrautes Milieu. Auch seinen dritten Film lässt er in den Randbezirken der Stadt spielen. Die 19-jährige Nordirin Taryn ist ohne das Wissen ihrer Eltern in die USA gereist. Seit zwei Monaten hat sie sich nicht mehr bei ihnen gemeldet und als sich ein ereignisreicher Sommer dem Ende neigt, sucht sie Unterschlupf bei ihrer Tante Kim, deren Leben auch gerade eine Wandlung durchmacht. Und wie es so typisch für die Arbeiten Porterfields ist, entfaltet sich der Realismus in seiner dritten Regiearbeit weniger in einer dokumentarisch gehaltenen Erzählweise. Porterfield greift vielmehr auf traditionelle Erzähltechniken zurück. Sein realistisches Potential entfaltet sich vor allem auf formaler Ebene: die wenigen Kamerafahrten und Schnitte, die wunderbare Musik, die stets ihren Ursprung in der Geschichte selbst findet, und die wortkargen Dialoge seiner Figuren, die von Laien dargestellt werden. Porterfield streut nur Anhaltspunkte, was seine Figuren, insbesondere Taryn umtreibt. Wie viele andere Protagonisten im neuen realistischen US-Kino oder auch schon im Aufbruchskino der siebziger Jahre streift Taryn durch die Umgebung, scheint stets in Bewegung, angetrieben von etwas, das sie ihrem Ziel aber nicht näher bringt. Nur zögerlich erkennen Porterfields Figuren, dass die Bewegung, die sie gerade vollziehen, längst nach vorn verläuft. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»I Used To Be Darker«: 16.-18., 22.1., Cineding


Es ist fast 150 Jahre her, dass in den USA die Sklaverei nach einem blutigen Bürgerkrieg abgeschafft wurde, aber immer noch gehört das Thema zu den am hartnäckigsten verdrängten Kapiteln der US-Geschichte. Mit »12 Years a Slave« legt der britische Regisseurs Steve McQueen (»Shame«) nun einen Film vor, der der Sklaverei kompromisslos ins Gesicht schaut. Erzählt wird die wahre Geschichte des Afroamerikaners Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), der die ersten 30 Jahre seines Lebens als freier Mann verbracht hat. Nach einer feuchtfröhlichen Feier wacht er angekettet in einem finsteren Verließ auf und wird als Sklave nach New Orleans verschleppt. Mit unnachgiebiger Härte inszeniert McQueen diesen freien Fall von der glücklichen bürgerlichen Existenz hin zu einem versklavten Dasein. An der Figur des berüchtigten Plantagenbesitzers Epps (Michael Fassbender) wird nicht nur die brutale Willkür, sondern auch die perfide Systematik deutlich, mit der hier die Menschenwürde und das Selbstwertgefühl gebrochen werden. Das »Gentlemen-Agreement«, mit dem das amerikanische Kino das heikle Sujet umschiffte, hat Tarantino schon mit »Django Unchained« aufgekündigt. McQueen geht noch einen Schritt weiter, indem er das Thema in Form eines klassischen Dramas direkt, schonungslos, herzzerreißend, aber ohne falsche Sentimentalitäten angeht. Die vollständige Besprechung können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»12 Years a Slave«: ab 16.1., CineStar, Schauburg

Woody Grant (Bruce Dern) ist Alkoholiker und macht sich mit seinem Sohn David von Montana nach Nebraska auf. Dort will er seinen Millionengewinn abholen. Bildschöne, schwarz-weiße Tragikomödie um eine Vater-Sohn-Geschichte, die Alexander Payne (»The Descendants«) mit zarter Komik und viel warmherziger Melancholie erzählt.

»Nebraska«: ab 16.1., Passage Kinos, ab 30.1., Kinobar Prager Frühling in OmU!

Keiner der Protagonisten in Jia Zhangkes Film ist von Grund auf böse. Ihnen fehlt schlicht und ergreifende die Perspektive. Um die Gerechtigkeit wiederherzustellen, wählen sie einen blutigen Weg. Poetisch bebildertes und ebenso erschütterndes Drama des Autorenfilmers, der ein kaleidoskopartiges Porträt der Gewalt im zeitgenössischen China zeichnet. Eine Kritik zum Film finden Sie im aktuellen kreuzer.

»A Touch of Sin«: 16., 19.-22.1., Cinémathèque in der naTo

Der aufstrebende, unerfahrene Börsenmakler Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) gründet mit Anfang 20 eine Maklerfirma, mit der er zum Multimillionär und Shootingstar der Wall Street aufsteigt. Schon bald ist er hauptsächlich unter seinem neuen Spitznamen »Wolf of Wall Street« bekannt. Doch Jordan wird übermütig und lässt sich auf illegale Geschäfte mit der New Yorker Unterwelt ein. Dies zieht schon bald die Aufmerksamkeit der Justiz auf sich. Scorseses neuestes Werk über das Leben des Börsenmaklers Jordan Belfort hat mit seinen drei Stunden Laufzeit so seine Längen, zu sehr wird die Geschichte im Laufe der 180 Minuten ausgedünnt. Und dennoch ist »The Wolf of Wall Street« eine bitterböse Komödie mit allerhand tragischem Nährboden, das Zeugnis des außergewöhnlichen Könnens Scorseses und auch Leonardo DiCaprio beweist einmal mehr, dass er sein Handwerk beherrscht und lebt hier mimisch wie körperlich alles aus. Mit großer Freude inszeniert Scorsese maßlos ausschweifend die schmutzigen Geschäfte des Börsenmaklers, der schon bald allerhand Anhänger um sich schart, die ihn feiern wie einen Messias.

»The Wolf of Wall Street«: ab 16.1., CineStar, Passage Kinos

Eigentlich war ein entspannter Urlaub am Meer geplant, doch als George, Julian, Dick, Anne und Hund Timmy auf der schönen Urlaubsinsel ankommen, wartet schon wieder ein Abenteuer auf die fünf Freunde.

»Fünf Freunde 3«: ab 16.1., CineStar, Passage Kinos

Völlig aus dem Ruder: Der ordnungsliebende Bankmitarbeiter Till Reiners (Axel Stein) ist gelangweilt. Ihm gehen sein Leben, seine kleinbürgerliche Existenz und vor allem er selbst auf die Nerven. Zudem ist die Beziehung zu seiner Ehefrau und einstmals großen Liebe Miriam (Anna Maria Mühe) in der Alltäglichkeit gefangen. Aber Till erwartet mehr von seinem Leben und eines Tages kommt es zu einer folgenschweren Begegnung. Der Möchtegern-Gangster Nappo (Moritz Bleibtreu) sucht sich ausgerechnet Tills Bankfiliale aus, um seine prekäre monetäre Lage aufzubessern. »Nicht mein Tag« ist eine Gangsterkomödie, in deren Zentrum ein Banküberfall das Leben eines Bankfuzzis vollkommen durcheinander bringt.

»Nicht mein Tag«: ab 16.1., CineStar

Filmfutter fernab der Neustarts:

Salute, Organon! Kinoinstallation:

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie man Kino fürs 21. Jahrhundert denken kann, bewegt sich die Schaubühne mit der eindrücklichen Kino-Videoinstallation »Salute, Organon!« von Carsten Ludwig und René Liebert. So abstrakt das erst einmal klingen mag, so emotional ist die Auseinandersetzung auf der Leinwand: Dort erzählen Menschen von ihren Erfahrungen mit Transplantation. Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Für und dem Wider von Organspende, einem großen ethischen Dilemma unserer Zeit.

16.-18.1., Schaubühne Lindenfels

 

Filmriss Filmquiz:

Außer Haus findet das Filmquiz im Januar statt und zwar im Studio 3 am Lisztplatz. Dort werden fünf Kandidatentische à vier Quizzer gegeneinander antreten. Karten gibt es im Vorfeld zu gewinnen. Das Ganze wird mit mehreren Kameras und kleinem Publikum gefilmt und ins Internet gestreamt. Dort wird es für alle – quasi weltweit – die Möglichkeit geben, mitzuquizzen und auch Preise zu gewinnen. Verschiedene Ticker versorgen die Heimquizzer mit Hintergrundinfos, Tipps und vielem mehr!

16.1., Studio 3

 

U.F.O. – Kurzfilmfestival:

Auf ein Neu(nt)es lautet die Devise beim diesjährigen U.F.O.-Kurzfilmfestival, das insgesamt 15 Kurzfilme verkannter Filmamateure zeigt. Jedes Jahr stellen Ehrenamtliche und Studenten das kleine Kurzfilmfest auf die Beine, das sich U.F.O., unbekannten Filmobjekten, also Amateuren der Filmbranche, zuwendet. Filme, die sonst noch nicht auf der großen Leinwand zu sehen waren, werden an diesem Abend um die Wette und die Preise flimmern.

18.1., Werk 2/Halle A

 

Und noch mal Kurze:

Ein Paar verbringt den letzten gemeinsamen Morgen im Bad, bevor die Frau das Land verlässt. Ein Hooligan lebt für seinen Verein und da bleibt kaum Platz für seine Zuneigung zu anderen Männern. Einem anderen Protagonisten ist fast jedes Mittel recht, seinen Schwarm Shane zu beeindrucken. Und die 40-jährige Muriel möchte ein Kind, doch ihre Freundin ist davon nicht gerade begeistert.

Kurzfilmprogramm: 20.1., Kinobar Prager Frühling

 

Best of Five – Perlen sächsischer Festivalkultur:

Der Filmverband Sachsen präsentiert gemeinsam mit fünf sächsischen Festivals und ausgewählten Kinos ein facettenreiches Programm mit Filmperlen sächsischer Filmkultur. Gezeigt wird in Leipzig unter anderem das slowakische Drama »Made in Ash« über den Abstieg einer jungen Fabriknäherin zur Prostituierten in der Kinobar und ein vielseitiges Kurzfilmprogramm im UT Connewitz.

22.1., UT Connewitz, 23.1., Kinobar Prager Frühling

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel!

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