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Katzenmord, Gummisex und Alltagskreis

Vielfältiges und Hochwertiges beim U.F.O.-Kurzfilmfestival

Foto: Thomas Lehmann Größeres Bild

Das U.F.O.-Kurzfilmfestival brachte 15 hochkarätige Streifen auf die Leinwand. Nur drei konnten vom Publikum zu Gewinnern gewählt werden, nicht alle Besucher konnte die Halle A fassen.

Manchmal sind Fragen der Ästhetik schnell geklärt: »Je schlechter die Qualität des Filmmaterials, desto mehr Körnung. Da wir kaum Geld hatten, hat der Film viel Korn.« So lapidar kann es klingen, wenn ein Regisseur seine Arbeit erklärt. Fast schon entzaubert sinniert der Zuhörer noch einmal über den gerade gesehenen, sympathisch unterbelichteten schwarz-weißen 16mm-Streifen »Kümmern« und die Worte von Tim Ungermann nach. Bei »Kümmern« handelt es sich um eines von 15 unbekannten filmischen Objekten (U.F.O.), die beim gleichnamigen Festival im Werk II über die Leinwand flimmerten. Für die diesjährige neunte Auflage wurden 63 Kurzfilme von maximal 15 Minuten Länge eingesandt. Die Halle A des Werk II war voll, während draußen eine lange Schlange auf ein Wunder an der Abendkasse wartete, das ihnen den Einlass ermöglicht hätte.

Im Anschluss an die Filmvorführungen folgte die Wahl – jeder Besucher durfte die Plätze eins, zwei und drei verteilen – und die war tatsächlich und ohne Phrasendrescherei mit der sprichwörtlichen Qual verbunden. Im Gegensatz zur durch viele Festivals, Compilations und Anthologien genährten Erwartung nämlich, dass von 15 Filmen jeweils ungefähr zwei toll und grottig ausfallen und der mediokre Rest nicht im Gedächtnis haften bleiben würde, hat die U.F.O.-Jury ganze Arbeit geleistet: Das Programm ist so vielfältig wie qualitativ hochwertig. Ob weichgezeichnete Vorabendserienästhetik im logischerweise mörderisch-trügerischen Kleingartenidyll (»Schmidts Katze«), schwarz-weißer, minimalistischer (»Nachschlag«) oder bunt-futuristischer Zeichentrick nahe an der Halluzination (»Sorrow«) oder Spielfilm (»Wächter«), ob mit Dialogen oder nur mit zarten Klängen unterlegt, das Format ist geeignet, schnell in Bann zu ziehen.

Die Zeit des Wartens auf das Ergebnis der Publikumsabstimmung überbrückt Moderator Lars Tunçay durch Gespräche mit den anwesenden Filmschaffenden. Neben den eingangs erwähnten Budgetfragen und ihren handwerklichen Auswirkungen erfährt man so unfreiwillig etwas über die sexuellen Vorlieben des Protagonisten von »Liebe, Tod, Abendbrot«, einem morbiden Streifen, für den eigens BSDM-Berater angeheuert wurden und bei dem es nicht jeder Besucher wagte, auf die Leinwand zu schauen. Wenn auch die Lacher und unerwarteten Wendungen beim Publikum die lautesten Reaktionen hervorriefen, offenbart das Ergebnis der Auszählung durchaus Sinn für leise oder ernste Themen. Den dritten Preis erhielt »Gummi«, die Adaption einer typischen Fernsehfilm-Sexszene im Ehebett, voll mit Klischees à la Stellungswechsel und laszivem Mähneschwenken, vorgeführt von Gummipuppen. Der zweite Preis ging an »Reverie«, einen surrealen Trip um den amerikanischen (Alp-)Traum im Comic-Stil der Nachkriegsjahre von Valentin Gagarin. Den ersten Platz schließlich belegte »Null« im Circlescope von David Gesslbauer, ein Format, das das audiovisuelle Experiment um den Alltag und die Flucht davor dem Kreis unterordnet. Bleibt die Frage, in welche Räumlichkeit das Festival im nächsten Jahr ausweichen will.

( NULL ) Teaser from David Gesslbauer on Vimeo.

http://www.ufo-leipzig.de

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