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Nie wieder Schmollmund

Saalfeld und Keppler werfen hin: Der »Tatort« Leipzig wird eingestampft

Keppler und Saalfeld aka Wuttke und Thomalla Größeres Bild

»Das kannst du schon so machen«, werden die MDR-Verantwortlichen zur Idee gesagt haben, Simone Thomalla in die Rolle einer »Tatort«-Kommissarin zu stecken. Und weil eine Schauspielerdarstellerin erst so richtig neben einem echten Schauspieler zur Geltung kommt, stellte man ihr Martin Wuttke an die Seite. So schlecht funktionierte das Gespann als Ermittlerpaar, dass man gar nicht wissen will, was beim Dreh abging.

Was müssen Klaus Behrendt und Dietmar Bär gedacht haben, als das Schrapnell aka Eva Saalfeld bei ihnen zur Ermittlung auftauchte? Wuttkes ultra-miese Laune kann das Drehbuch allein nicht vorgesehen haben. Aber von Lust und Originalität waren weder Autoren noch die Regie auch nur eine von bisher 1.620 Minuten erfüllt.

Hanebüchene Dialoge, lähmende Kameraeinstellungen – mit Vorliebe die aufgespritzten Lippen der Kommissarin in der Totalen – und ein Plot zum Kübeln, das waren von Beginn an die Markenzeichen des Leipzig-Krimis. Stasi hier, Plattenbauödnis da, und natürlich muss für den kalten Gruselschauer immer mal wieder das Wort »Connewitz« fallen – das Quartier, dessen Name nicht genannt werden darf. Ja, schlimm, wie heruntergekommen es im Osten aussieht, wird die Alt-BRD gedacht haben, als die obligatorischen Aufnahmen vom Werk II eingeblendet wurden. »Todesstrafe« hieß die erste Folge von Saalfeld und Keppler und das traf es ganz gut. Unglaubliche 18 Folgen musste schon ertragen, wer nicht wegschauen wollte. Zuletzt fuhr der Tatort LE mit »Türkischer Honig« vor die Wand. »Schön ist anders« (Folge 783), das dachte sich schlussendlich auch die MDR-Spitze. Sie wollen ein neues Ermittlerteam finden und auch einen anderen Standort.

Also, nie wieder Schmollmund. Um Martin Wuttke – gut, er hat es früh vorgezogen, einfach nicht mehr mitzuspielen und gab sich olympisch: »dabei sein ist alles« – kann es einem ein bisschen leid tun, aber immerhin ist er dann öfter im Theater zu sehen; vielleicht auch im nahen Berlin, nicht nur an der Wiener Burg. Wer es als nächstes ins »Tatort«-Team Sachsen schafft und wo der ab 2016 spielen soll, wissen auch die Verantwortlichen noch nicht. Allzu viele Hoffnungen auf Besserung sollten wir uns nicht machen, wenn der MDR nun extern Angebote einholt und Produzenten zum »Ideen-Wettbewerb« (O-Ton) einlädt. Damit habe man, so die Begründung, schon beim Thüringen-»Tatort« Erfolg gehabt. Haben die die Krimikatastrophe aus Erfurt gar nicht gesehen? Da ist ja nur die Leipzig-Ausgabe schlimmer. Wahrscheinlich ist die Absetzung einfach eine Volte aus Dresden, für die man hierorts dankbar sein muss. Wolfgang Stumph hört ja jetzt auf mit seinem ZDF-Krimi, der empfiehlt sich folglich als alternder Neu-Ermittler. Stellt man dem noch Gunther Emmerlich zur Seite und Ilse Bähnert als KTQ (Kriminaltechnische Quote), dann wird’s schon passen am kürzeren Ende der Elbe. Ach so, ganz ausgestanden ist der schmollmündige Spuk aus Leipzig noch nicht. Es sollen noch zwei Folgen gedreht – und auch gezeigt werden.

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4 Kommentare

  1. Patrick Jäschke | 23. Januar 2014 | um 19:14 Uhr

    Liebes Kreuzer Team,
    leider viel zu kurz gedacht. Das durch die Ausschreibung und einer Fremdvergabe (siehe die Produktion in Erfurt durch eine Firma aus München) bei der ortsansässigen SaxoniaMedia etliche Leipziger flöten gehen habt ihr leider in eurem Beitrag vergessen zu erwähnen. Schade, da bin ich weitsichtigeres von euch gewohnt. Zugegeben und umso bedauerlicher fehlt dieser Aspekt in jeder Berichterstattung zu diesem Thema.