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»Liebe und Terror«

Dorian Wood über Wut, Poltergeist und Tanzen an der Stange

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Bei Dorian Wood kann man getrost von einem Ausnahmekünstler reden. Der schwergewichtige Exzentriker hat für sein letztes Album »Rattle, rattle« nicht nur 60 Gastmusiker und einen 45-köpfigen Chor, der sich The Difficult Women nennt, versammelt. Auch seine Auftritte gleichen vor allem theatralischen Performances. Im Kurz-Interview erklärt der Costa Ricaner, was man heute Abend im UT Connewitz erwarten kann.

Als Dorian Wood vor drei Jahren eine Installation der Künstlerin Marina Abramović besuchte, erfuhr er, dass sie deswegen zensiert wurde, weil sie zu viele nackte Männer zeigte. Nur nackte Frauen seien okay, gab das L.A. Museum of Contemporary Art als Begründung an, entkleidete männliche Körper würden dagegen die konservativen Geschäftsmänner abschrecken. Seine Antwort darauf gab Wood mit dem Song »La Cara Infinita«, der im letzten Jahr erschien. Im Video dazu zelebrieren nackte Menschen einen brutalen, apokalyptischen Tanz, bei dem die Männer den beschämten, erniedrigten Part übernehmen, die Frauen den ruhigen, beobachtenden. Dazu singt Wood mit Partnerin Eddika Organista von der spanischen Mythologie inspirierte Melodien.

kreuzer: Sie sagen selbst, Sie wären ein »angry gay«. Was macht Sie so wütend?

DORIAN WOOD: Mich machen Menschen wütend, die denken, sie wüssten alle Antworten im Leben. Für mich ist das eine Mischung aus Ignoranz und Faschismus. Ich bin keine schlaue Person, aber schlau genug, um zu wissen, dass ich nicht alles weiß.

kreuzer: Zum Beispiel finden Sie die Homo-Ehe zwar sinnvoll, aber sehen andere entscheidendere Schritte zur Gleichberechtigung. Welche sind das?

WOOD: Ich kann nur sagen, dass der Kampf für das gleiche Eherecht nicht der einzige Kampf für allgemeine Gleichberechtigung ist. Am Ende ist Gleichberechtigung fast sinnlos. Denn die Menschen werden immer genau das wollen, was für sie selbst am besten ist, und das bringt Gleichberechtigung nicht unbedingt voran.

kreuzer: Ihre Musik klingt wie eine Mischung Piano-Balladen, orchestralen Hymnen und Cabaret. Was sind Ihre musikalischen Einflüsse oder Lieblingsbands?

WOOD: Mein Großvater, Nina Simone, Scott Walker und der Film »Poltergeist«.

kreuzer: Ihr Großvater?

WOOD: Ja, ich begann schon sehr früh mit dem Musikmachen. Mein Großvater, Calasanz Alvarez, brachte mir Klavierspielen bei. Er ist ein begnadeter Pianist aus Nicaragua. Er spielt heute immer noch großartig und bleibt wohl mein größter musikalischer Einfluss.

kreuzer: Was können wir von dem Konzert heute Abend erwarten?

WOOD: Eine Menge Liebe und Terror. Ich war 2010 schon mal in Berlin. Da zog ich meine Klamotten aus und tanzte an einer Stange. Das war ein sehr süßer Moment in meinem Leben. Ich hoffe, dass ich auf dieser Tour ähnliche Gefühle haben werde.

Dorian Wood: 7.2., 21 Uhr, UT Connewitz

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