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Musik für’n Arsch

Metal fires back: Über höllisches Hinternschaukeln und Workout für den Allerwertesten

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Welch’ Lied er beim Pinseln pfiff, ist nicht überliefert. Hieronymus Boschs Faible für dämonische Motive ist jedenfalls nicht übersehbar. Er nahm einen guten Teil des Surrealismus wie der Wimmelbilder vorweg und hätte ein prima Metal-Platten-Cover-Zeichner werden können.

Sein Werk bleibt verrätselt, aber Bosch scheint doch schon eine Ahnung von Metal gehabt zu haben. Schaut mensch sich den Part »Die Hölle« in seinem »Garten der Lüste« an, ist da alles zu finden, was richtiger Metal so braucht. Da gibt’s ordentlich Saiteninstrumente – Leier, Drehleier und Mandoline –, Drums werden durch eine pralle Pauke angedeutet. Ein schief grinsender Frosch reißt sein Breitmaul auf und setzt zum Howling an – das könnte auch an der Froschkotze-Bar auf dem In Flammen spielen. Also: alles da. Und eine Tröte am Rand der Kapelle deutet die Verwerfungen im Metal an, wie sie Korpiklaani vorheulen. Hier halten sich die Menschen die Ohren zu, während alle um den Grunzfrosch-Sänger Gruppierten mitgrölen. Ein Gewitzter streckt diesem seinen Hintern entgegen, auf dem Noten prangen. Warum es Jahrhunderte brauchte, bis man diesen Notenarsch mal in Musik umsetzte, bleibt ein weiteres Geheimnis des Malers, der Alpträume in Öl kippte. Hier ist der 600 Jahre alte Arschsong aus der Hölle zu hören. Mehr Nightmares on Canvas gibt’s ab 12. März zu sehen: Die Galerie Sans Voix stellt H.R. Giger aus.

Laut einer aktuellen Studie irgendwelcher Wissenschaftler haben andere herausgefunden, dass Headbanging einen schönen Hintern macht. Dreizehnmal mehr Po-Potenzial setzt das Metal-Workout frei als Pop-Zuckungen und Elektro-Tango. Um sich der perfekten Bikini-Figur für den nahenden Sommer – wenn jetzt schon der Lenz lockt – anzunähern, braucht man für Freitag und Samstag nicht lange suchen. Kurz bevor Stahlin im fünften Jahr mit dem Vorschlaghammer schwingend zum »Stahlfest« ruft, muss noch feste der »Thrashflegel«-Burtstag gefeiert werden. Der Flegel begeht im 4Rooms sein Einjähriges mit Eliminator (NRW), Space Chaser (Börlin) und Full Assault (Schwerin) als Thrashpaket. Wenn das kein Grund ist, Steiß- und Tanzbein zu schwingen.

Das »Stahlfest« ist mittlerweile zu einer Brustwehr der hiesigen Szene avanciert, das die Dumping-Attacken manch zusammen gewürfelter Metal-Nächte erfolgreich abwehrt. Aus einer Schnapsidee heraus ist das Fest entstanden, und nun soweit gewachsen, dass es seit vergangenem Jahr die MB füllt. Weil er darum weiß, wie wichtig die richtige Legierung für Festigkeit, Hörgenuss und Beständigkeit eines Stahl(-festes) ist, bringt der Herr Vollbartträger den Abend in einer abgefeimten Mischung zum Schmelzen. Aus Hamburg reisen die Headliner von Negator an und haben hoch beschleunigten eher biomechanischen, denn kalt glänzenden Black-Metal im Gepäck. Brutalen und oldenburg-obszönen Death Metal pressen Obscenity in die Menge, während Into Darkness (Heidelberg) eine mit vielen Einflüssen gespickte Todeskugel schleudern und Sektor (Landshut) ihre Wall of Death hübsch schwarz anmalen. Big, Black, Blankstahl: Damit es nicht beim jährlichen Einzelfall bleibt, geben sich Stahlin und seine Unterstützer fortan noch umtriebiger. Mit Faustkeil Events ist ein neues Veranstalterbollwerk der Szene aufgepflanzt worden – auf dass diese ordentlich bearbeitet wird. In den kommenden Monaten werden so unter anderem Merrimack (Frankreich) luziferische Lyreleien vortragen. Groovigen Oldschool zwischen Black Sabbath und Hippyrock brechen Blues Pills (Schweden) vom Zaun. Kein Fleisch verschwenden werden Antropofagus (Genua) – ganz im Sinne Stahlins. Immerhin ist er Veganer.

»Thrashflegel«, 28.2., 20 Uhr, 4Rooms
»Stahlfest V«, 1.3., 19 Uhr, MB

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