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Editorial 03/2014

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der März-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Das Studium als Zeit der intellektuellen Freiheit und des Sich-Ausprobierens – eine schöne Vorstellung, doch leider eine längst veraltete. Auch dank der 1999 verabschiedeten Bologna-Reform sind die Hörsäle heute voller denn je, die Studierenden werden von viel zu wenigen Lehrenden betreut und nur 40 Prozent von ihnen schaffen es, in der knapp bemessenen Regelstudienzeit ihren Abschluss zu machen. Warum diese Hochschulreform auch gesamtgesellschaftlich in die Irre führt, schreibt unser Autor Tobias Prüwer. Die Uni Leipzig hat darüber hinaus mit weiteren Widrigkeiten zu kämpfen. Die sächsische Landesregierung verordnete ihr in einem Beschluss von 2010, innerhalb von zehn Jahren insgesamt 240 Stellen zu streichen – bei steigenden Studierendenzahlen. Zurzeit stehen Kürzungen in den Fächern Pharmazie, Klassische Archäologie und Theaterwissenschaft an. Sarah Ulrich berichtet darüber, warum – abgesehen von kleineren, kreativen Aktionen – bisher noch kein massenhafter Protest von Studierenden auf den Straßen der Stadt erfolgte.

Ein interessantes Detail zum Kommunikationsverhalten der sächsischen Regierung gibt es noch zu erzählen: Zur Berichterstattung über die Kürzungen an der Universität Leipzig baten wir die sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer um ein Interview. Dies lehnte deren Presseabteilung ab, für ein persönliches Gespräch sei im vorgegebenen Zeitraum (eine Woche) keine Zeit, wir könnten aber, so schrieb man, Fragen per Mail schicken, die dann per Mail beantwortet werden. Dies kam für uns nicht in Frage, da nur in einem persönlichen Gespräch effektiv nachgefragt und gegebene Antworten hinterfragt werden können. Ein Mail-Interview zu einer derart wichtigen, komplexen und brisanten Angelegenheit ist – unserer Meinung nach – sinnlos. Zur Information sandten wir aber doch ein paar Fragen, die auch prompt beantwortet wurden. Einige Tage später erschien in der LVZ ein ausführliches Interview mit Frau von Schorlemer, das in den Antworten Textbausteine enthielt, die – auf Punkt und Komma genau – denen glichen, die das Ministerium uns zuvor schickte. Warum Frau von Schorlemer sich offenbar keinem persönlichen Gespräch mit Journalisten stellen wollte oder konnte, bleibt ihr Geheimnis.

Blut für Bares – darum dreht sich eine unserer Magazingeschichten in diesem Heft. Darin geht es um Menschen, die auf das Entgelt für Spenden von Blut-Plasma angewiesen sind. Die Wörter »Aderlass« und »böses Blut« dürften den Kulturschaffenden dieser Stadt bekannt vorkommen. Doch nicht nur fehlendes Geld, auch Beschlussunwilligkeit und eine unprofessionelle Personalpolitik machen den Kulturbetrieben zu schaffen. Mit dem Schwerpunkt Kulturpolitik setzen wir in diesem Heft unsere Reihe »Boomdown Leipzsch« fort.

Die Wahl zum kreuzer-Cover des Jahres 2013 gewann – wer hätte das gedacht – der Titel aus dem Januar zur anstehenden Wahl des Oberbürgermeisters. Angesichts der Übermacht des Lagers von Burkhard Jung und der nun schon mehr als zwanzig Jahre währenden Vorherrschaft der Leipziger SPD im Rathaus entschieden wir uns für eine satirische Umsetzung des Themas, der sehr viel Zuspruch, aber auch kontroverse Diskussionen, besonders in den sozialen Medien, folgten. Im Heft erklärten wir, woher die SPD-Dominanz rührt und mit welchen Mitteln Jungs Vorgänger diese zu zementieren wussten. Platz zwei belegte der visuell drastische Titel, mit dem wir uns im Oktober den Feierlichkeiten rund um die Völkerschlacht und ihr Denkmal widmeten. Große Sympathie bei unseren Lesern fand mit Platz drei schließlich der Juli-Titel mit der kreuzerin, indem wir die Natur in unserer Stadt entdeckten. Wir freuen uns über Ihre Beteiligung an der Cover-Wahl.

Bleiben Sie standhaft.

ANDREAS RAABE

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

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Dein Kommentar

2 Kommentare

  1. totauflatschen | 2. März 2014 | um 13:21 Uhr

    http://kreuzer-leipzig.de/2014/01/16/pathos-der-vermarktung/

    Pathetisch hin oder her. Eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit Leipziger Stadtentwicklung und dem Auftreten der beteiligten Akteure sollte sich nicht auf die ästhetisch unausgereiften und ideologisch fragwürdigen Mittel des Werbens beschränken.

    Warum unterlässt der kreuzer diese Debatte und warum ist er wenige Wochen nach der Kritik Bestandteil der Werbekampagne? Wenn monetäre Interessen erfüllt sind – so macht es den Eindruck – ist man dennoch gerne bereit, die Interessen von „THE POST“ zu unterstützen und man druckt deren Anzeige gleich unters Editorial.