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Ruck, zuck, weg

Ein Phänomen auf der Leipziger Buchmesse: Das Bücherklauen

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Auf der Buchmesse werden die meisten Bücher geklaut, sagt zumindest das Gerücht. Aber ist dem wirklich so?

Eine kleine, nicht repräsentative Umfrage unter den Standbetreuerinnen ergibt ein kontroverses Bild. Diese guten Verlagsfrauen, meist blond, fein geschminkt und seriös mit schwarzem Blazer gekleidet, sind vor allem verärgert. Die einen meinen: »Auf der Frankfurter Buchmesse ist es viel schlimmer!« Die anderen nehmen den Verlust der guten Stücke lethargisch hin: »Wenn am Ende des Tages welche fehlen, kann ich das auch nicht ändern.« Und eine ältere Frau verteidigt ihre papiernen Werke mit aller Kraft: »Wenn ich einen erwische, renne ich auch hinterher! «

Die Ausreden der langfingrigen Besucher seien immer die gleichen: »Ach, die sind wohl nicht zum mitnehmen?«, wird gefolgt von »Oh, ich habe gar nicht bemerkt, dass das Buch noch unter meinem Arm klemmte«. Platz eins der frechsten Ausreden, mit denen man eine Standbetreuerin garantiert auf die Palme bringt, sei immer noch: »Ich dachte, ich kann es ja mal probieren.“

Ein kleiner Rundgang durch die Aussteller-Hölle zeigt, dass eine Taktik zum Bücherklauen ganz effektiv zu sein scheint. Eine Anleitung in vier Schritten:

  • Einfach eine der riesigen, kostenlosen ARD-Papier-Werbetüten mit sich herumtragen.
  • Entspannt an den Regalreihen der großen Verlagsstände entlang schlendern.
  • Mit interessiertem Blick ein Buch nehmen, darin blättern und so tun, als ob man von diesem »großen Roman« tief berührt wäre.
  • Zuletzt mit einer unauffälligen Handbewegung das Buch in die Tragetasche wandern lassen.

Sollte man wider Erwarten von einem der freundlichen Security-Menschen oder Verlagsfrauen angesprochen werden, einfach oben erwähnte Ausreden benutzen.

Ein Insider-Tipp verriet die Standbetreuerin vom ullstein-Verlag doch noch: Wer am Sonntag-Nachmittag kommt, kann mit etwas Glück seinen Rucksack mit Leseexemplaren füllen. Denn dann stellen viele Verlage ihre mitgebrachten Bücher in Kisten vor den Stand, jeder darf dann gierig zugreifen. So müssen die Verlage den schweren Kram nach der Buchmesse nicht selber zurückschleppen. Wer später kommt, liest also günstiger.

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