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Acéphale. Du Spießer!

Die Kolumne aus dem Heft: Der Bitprofessor

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Der Bitprof fabuliert über das Rollenspiel, verbindet sich in Wollust und wird surrealistisch pornografisch. Zumindest denkt er über »Irenes Muschi« nach.

Ach ja, das Rollenspiel: Du bist Sailor, ich bin Moon. Ich Finger, du Hut. Du Ring, ich Hobbit. Ich Maus, du Mauseloch. Stop! Der französische Dichter Georges Bataille notierte Folgendes: »Meine Liebe ist ein Geschlechtsorgan von unerhörter Sensibilität, das vibrierte und mich wilde Schreie ausstoßen ließ.« Bataille, nebenbei auch Surrealist, gründete 1936 eine Geheimgesellschaft namens Acéphale, um orgiastische Riten zu feiern. Seiner Geliebten, der Dichterin Colette Peignot, konnte er sich trotzdem emotional nicht öffnen. Darin zeige sich, analysierte der Philosoph Roland Barthes, eine historische Umkehrung in den Zeiten der Moderne: »Nicht mehr das Sexuelle ist unschicklich, sondern das Empfindsame. (…) Denn was gäbe es Dümmeres, als einen Liebenden.«

Wie weit derartige Tendenzen gehen können, sieht man hier: »Wir ziehen los mit ganz großen Schritten, und Erwin fasst der Heidi von hinten an die Schultern«, schrieb ein längst vergessener deutscher Philosoph. Ein anderer, allerdings unvergessener, Niklas Luhmann nämlich, wusste, dass man durch Rollenspiele die Persönlichkeit einfangen, umbilden und zur Hinnahme von Entscheidungen motivieren könne. Das ist Deutschland. Typisch! Zum Beispiel wurde das Buch »Le Con d’Irène«, das Louis Aragon (Franzose) – inspiriert von dessen Bekanntschaft mit oben bereits genannter Collete – verfasste, vom deutschen Verlagswesen schlicht in »Irene« umgetauft, obwohl es eigentlich »Irenes Muschi« heißt. Nun gut, es ging hier ja um das Rollenspiel als Gattung der Verbindung zwischen Liebenden oder wenigstens Begehrenden, wie auch zwischen Spiel und Spieler.

Zumindest scheinen beide Rollenspiele sich in Gleichzeitigkeit gegenseitig auszuschließen. Oder denken Sie, dass so eine Krankenschwester-Patienten-Nummer laufen könnte, während man rundenbasiert Goblins verhaut? Eher nicht. Also trennen wir die Sphäre des Computerspiels und der Liebe: Du Lulu, ich Sailor. Ich Georges, du Collete. Du Dichter, ich Dichter. So kann es was werden.

Und jetzt: Wasser marsch! Ihr

ANDREAS  RAABE

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