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Solidarność mit Wahlzettel

Konferenz zu »25 Jahre freie Wahlen in Polen und Friedliche Revolution in der DDR«

Wojciech Milewski, Kranzniederlegung vor dem Werft-Denkmal Größeres Bild

Zur Wahlurne gehen und geheim wählen: Vor 25 Jahren wurden in Polen nach langen Verhandlungen die ersten freien Wahlen eingeführt. Die Konferenz »25 Jahre freie Wahlen in Polen und Friedliche Revolution in der DDR« will am Montag und Dienstag auf die ereignisreiche Beziehungsgeschichte der beiden Staaten zurückblicken, die unter der Herrschaft der Sowjetunion in ihrem Wunsch nach Demokratie verbunden waren.

»Jazda na Sachse« – »Fahrt nach Sachsen«. Diesen geläufigen Spruch in Polen benutzen immer noch jene Menschen, die es für die Arbeit in das Nachbarland verschlägt. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es Kaufleute, Gelehrte und Aufständische, die Kontakt nach Leipzig suchten. Da hier Bücher und Zeitungen gedruckt wurden, die in Polen verboten waren, war Leipzig schon immer ein guter Verbündeter Polens. Besonders gut funktionierte diese Beziehung, als es zu DDR-Zeiten darum ging, die oppositionelle Kraft in den jeweiligen Regionen zu stärken. Als sich 1980 zehn Millionen Anhänger zur polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność (Solidarität) formierten, reichte ihr politischer Wirkungsradius in den ganzen Ostblock und fand als Hoffnungsträger für Demokratie in weiten Teilen Osteuropas Unterstützung.

Auch die Stasi registrierte die Sympathiebekundungen, bekam Angst und versuchte die pro-polnische Haltungen in der DDR zu unterdrücken, indem sie Bücher und Zeitungen aus Polen verbot und eine Visumpflicht einführte. Doch das half alles nichts. Zehn Jahre später machten es die Polen wieder vor: Der sozialistische Staat musste das Machtzepter am Runden Tisch an eine demokratische Republik abgeben. Ein Dominoeffekt, der auch bald die DDR erreichte, deren Bürger wenige Monate mit der friedlichen Revolution nachzogen, die mit einem – wenn auch nicht ganz so – runden Tisch endete. In Polen führten die Verhandlungen am Runden Tisch zur Einführung freier Wahlen am 5. April 1989.

Genau 25 Jahre später kommen nun in Leipzig Menschen zusammen, die ihre Erinnerungen an diese Zeit aufleben lassen wollen. In Vorträgen und Podiumsgesprächen erzählen Zeitzeugen und Wissenschaftler über die Ereignisse des Umbruchs. Im Rahmen der Konferenz die Enthüllung der Solidarność-Gedenktafel auf dem Augustusplatz statt sowie die Vergabe einer Dankbarkeitsmedaille für jene Menschen, die im Ausland die Solidarność-Bewegung unterstützt haben.

Das Polnische Institut in Leipzig besteht seit 1969 und ist mit seinen Angeboten ein wichtiger Bildungsträger polnischer Kultur. Wie jetzt bekannt wurde, soll das Institut Ende Juli diesen Jahres geschlossen werden.

Auftaktveranstaltungen: 7. April, 9.15 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum
Programm unter http://www.leipzig.polnischekultur.de

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