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Eine Sicht jenseits von Krieg und Terror

Die arabische Filmwoche kommt nach zwei Jahren Pause wieder auf der Leinwand zurück

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Dank vieler Mitstreiter geben die Filmtage 2014 wieder mit Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme Einblicke in die Welt rund um die Levante.

Eurient e.V. strikes back: Der Verein für den mittelmeerübergreifenden Dialog hat sich wieder hinter die Arabische Filmwoche geklemmt. Zwei Jahre fand das Festival nicht statt. Nun geben Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme erneut Einblicke in die Welt rund um die Levante und setzen sich mit den Verhältnissen – politischen wie gesellschaftlichen – in der MENA-Region (also: Middle East and North Africa) auseinander.

Möglich gemacht hat den Neustart die Kraft vieler Mitstreiter, sagt Vereinsmitglied Karin Willnauer. »Wir haben ein großes Kernteam. Statt drei bis vier in den vergangenen Jahren, hängen sich dieses Mal 15 Leute aktiv ins Projekt hinein. Damit ist einfach viel mehr zu realisieren.« Zum Beispiel habe man so frühzeitig mehr Förderer anschreiben – und letztlich auch gewinnen können. Zusatzaktionen wie Solifrühstück und Crowdfunding-Kampagne ließen sich so auch stemmen.

Ein Beispiel für eine solche unbekannte Perspektive, um die es den Filmtagen geht, ist »The Lebanese Rocket Society« (2012). Denkt man an den Nahen Osten und Raketen, ist die Assoziation eine kriegerische. Vielleicht fallen einem zuerst die Qassam-Raketen ein, die wiederholt auf Israel abgefeuert werden. Vielleicht der Bürgerkrieg in Syrien oder die jüngsten iranischen Raketentests. Dass aber im Libanon einst an einem Weltraumprojekt gearbeitet wurde, ist für die allermeisten ein Novum. Zwischen 1960 und 1966 experimentierte eine Gruppe von Wissenschaftlern, Studierenden und Armeemitgliedern mit Raketen. Von den Bergen um Beirut aus, schossen sie verschiedene Prototypen ab – und schafften schließlich eine Rechweite von rund 600 Kilometern. Die Regisseure Joana Hadjithomas und Khalil Joreige gehen im Film dieser so erstaunlichen wie vergessenen Geschichte um die ersten Raketen der arabischen Welt nach. Sie treffen damals involvierte Zeitzeugen, graben Film- und Fotomaterial aus und dokumentieren mit Hilfe von Animationen eine Leerstelle auch im kollektiven Gedächtnis des Libanons.

Das Festival zeigt »The Lebanese Rocket Society« als Deutschlandpremiere. Erstmals in der Stadt zu sehen sein wird »The Repentant« (2012, R: Merzak Allouache), der von einem ehemaligen Dschihad-Kämpfer in Algerien und seinem Versuch handelt, sich wieder in der zivilen Welt einzuleben. »Stable / Unstable« (2013, R: Mahmoud Hojeij) schaut hinter die Wände eines Beiruter Appartementhauses. Sieben Bewohner offenbaren sich unabhängig voneinander ihrem Psychiater und legen so ein Geflecht von Geheimnissen und verborgenen Wünschen frei. Erstmals gibt es eine Kurzfilmnacht und auch als Premiere wartet das Festival mit einem Rahmenprogramm aus Ausstellungen, Musik- und Tanzveranstaltungen auf. Insgesamt fällt das Festival inhaltlich vielfältig aus und zeigt, dass das Leben in der Region mehr beinhaltet als die Bilder, die man aus den Nachrichten kennt.

Arabische Filmwoche, 23.-30.4., ganztägig, Cinématèque, http://www.arabischefilmwoche.eurient.info

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