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Irish Punks und Grabenkämpfe

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

Film-Still: »Good Vibrations« Größeres Bild

Vielfältig und hochkarätig präsentieren sich die Filmstarts in dieser Woche. Regisseur Jason Reitman (»Juno«) schlägt ungewohnt ernste Töne an in »Labor Day« mit Kate Winslet als allein erziehende Mutter, »Good Vibration« setzt Terri Hooley, dem Mann hinter der Belfast Punk-Szene, ein Denkmal, »Zulu« zieht uns in ein Mordkomplott in Südafrika und Seth Rogen liefert sich einen zotigen Nachbarschaftskrieg mit Zac Efron in »Bad Neighbors«. Weitere Starts in der kreuzer-Filmwoche.

Wer mit seiner Familie neben das Clubhaus einer Studentenvereinigung zieht, muss sich nicht wundern, wenn es etwas lauter zugeht. Seth Rogen und Rose Byrne wollen sich das trotzdem nicht gefallen lassen. Anfangs feiern sie noch mit bei den ausschweifenden, grasgeschwängerten Partys. Aber schon bald sagen sie den Nachbarn den Kampf an. Ein erbitterter Grabenkrieg beginnt, bei dem die Regeln des guten Geschmacks schnell unter den Tisch fallen. Seth Rogen versammelt seine Kifferbuddies aus »This is the End« erneut vor der Kamera und der geneigte Kinogänger darf sich auf einen gewohnt albernen Exzess freuen. Das Ziel aller Beteiligten, darunter Regisseur Nicholas Stoller (»Der Ja-Sager«) und die Drehbuchautoren Andrew J. Cohen und Brendan O’Brien (u.a. Produzenten der Judd Apatow-Schmiede), ist es, mit jeder Szene einen drauf zu setzen. Das wirkt auf Dauer etwas ermüdend, aber auch ziemlich lustig.

»Bad Neighbors«: ab 8.5., Cineplex, CineStar, Regina Palast

Der Franzose Jérôme Salle (»Anthony Zimmer«) inszenierte seine Adaption des Romans »Zulu« von Caryl Ferey als spannenden Thriller alter Schule mit einem überzeugenden Orlando Bloom, der sein androgynes Image als Legolas gründlich durch den Dreck zieht. Als drogensüchtiger Cop ermittelt er mit Forest Whitaker in einer Mordserie, die mit einer neuen, tödlichen Substanz auf den Straßen der Townships zusammen hängt. Die Hintergründe sind ebenso erschreckend wie authentisch. Der Film ein packendes, brillant gefilmtes Stück Hardboiled Cinema. Die vollständige Kritik finden Sie im aktuellen kreuzer.

»Zulu«: ab 8.5., Regina Palast, Schauburg

Kate Winslet ist als allein erziehende Mutter Adele in »Labor Day« heillos überfordert. Das Verschwinden ihres Mannes stürzte sie in eine tiefe Depression. Jetzt verlässt sie mit ihrem Teenager-Sohn Henry nur für die nötigsten Besorgungen das verwahrloste Haus. Bis der wegen Mordes gesuchte Flüchtling Frank (Josh Brolin) bei ihnen gewaltsam Zuflucht sucht. Zwischen der einsamen Mutter und dem sanften Kriminellen entwickelt sich eine Beziehung, aus gegenseitiger Abhängigkeit erwächst Liebe. Aber die gemeinsame Zukunft ist nur ein naiver Traum. Erzählt aus der Sicht des Sohnes und in authentischem Zeitkolorit gehalten, ist Jason Reitmans Wechsel ins dramatische Fach nicht immer rund, aber dank der hervorragenden Darsteller dennoch sehenswert. Die vollständige Kritik finden Sie im aktuellen kreuzer.

»Labor Day«: ab 8.5., Schauburg

»New York hat die Frisuren, London hat die Hosen – Belfast hat die Gründe!« – das legendäre Zitat von Terri Hooley steht im Zentrum des Porträts von Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn. Terri ist die Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten in seiner Heimatstadt leid und eröffnet den Plattenladen »Good Vibration« genau zwischen den Fronten. In dieser entmilitarisierten Zone wächst und gedeiht die Musik derer, die sich mit den Animositäten der Altvorderen ebenso wenig identifizieren können wie er. Rudi, die Buzzcocks und The Undertones bereichern die Musikgeschichte. Hooley selbst wird dadurch nie reich, ihm geht es um die Sache. Der Film ist weit entfernt von einem hochglanzpolierten Denkmal, was ihm den nötigen Charme verleiht. Die vollständige Kritik finden Sie im aktuellen kreuzer.

»Good Vibrations«: ab 8.5., Schaubühne Lindenfels

Der Schweizer Schriftsteller Lorenz Meran lebt in Berlin, weit weg von seiner exzentrischen Mutter Rosie in ihrem piefigen Provinzkaff. Als sie allerdings zum Pflegefall wird, muss Lorenz zurück in die Heimat. Länger als geplant sitzt er dort fest, zwischen der alten Dame, die jede Regel ignoriert, und dem jungen Mario, der sich für ihn zu interessieren beginnt. Mit dem so typischen lakonisch-trockenen Humor Schweizer Komödien erzählt Regisseur Marcel Gisler von einer tragikomischen Mutter-Sohn-Beziehung. Dabei kann er voll und ganz auf seine beiden wundervollen Hauptdarsteller bauen.

»Rosie«: ab 8.5., Passage Kinos

Filmfutter fernab der Neustarts:

Diskussionsabend Filmfestivals im Kalten Krieg

Im Rahmen der Tagung »Kultureller Austausch und politische Konflikte. Filmfestivals im Kalten Krieg« am 9./10. Mai in der Universitätsbibliothek findet am Freitag im UT Connewitz ein Film- und Diskussionsabend statt. Im Anschluss an eine Podiumsdiskussion zum Thema »Filmaustausch in politischen Krisenzeiten« wird Frank Beyers Film »Der Aufenthalt« gezeigt. Die Teilnahme an Tagung und Diskussion ist kostenlos.

9.5., UT Connewitz

Horror-Doppel mit Donis: »Totentanz der Vampire« (GB 1970), »Near Dark« (USA 1987)

Horrorfilm-Experte Donis widmet sich in seiner Gruselreihe dem britischen Episodenhorrorfilm »Totentanz der Vampire« von 1970 und Kathryn Bigelows Independentfilm »Near Dark« von 1987. Auch hier spielen Vampire eine wesentliche Rolle, doch wird das Wort »Vampir« nicht erwähnt.

14.5., LURU-Kino in der Spinnerei

 

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel!

 

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