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Voll auf die Knolle

Über Kunos Rathaustat, Kartoffelpuffer und ein Knaller-Release von Human Prey

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Da sage noch einer, Metal und Politik passten nicht zusammen: Tankard-Schrauber Kuno hat auch als gescheiterter Stadtratskandidat für die Partei Die Partei allen anderen die Wurst von der Stulle gezogen. Frei nach »Freibier für alle, sonst gibt’s Krawalle« rief er »SPD, wir saufen euer Bier« – und soff. Anders kann man NPD und AfD im Stadtrat auch nicht ertragen. Elende Kartoffeln.

Apropos, ja: So funktionieren elegante Überleitungen – fragt nur den Kuno –, über The Pleasure to Grill musste ich letztes Mal berichten, nun kann ich als Kür noch die Mosh Potatoes (so heißt auch ein Buch, ick weeß) nachschieben. Der Donnerstag bietet sich ja fürs Grillerchen einfach an, und da gehört doch ein guter Kartoffelsalat einfach dazu. So viel Kultur muss sein. Eine hübsche Kulturgeschichte der Kartoffel flatterte letztens bei mir rein: »… und weiß wie Alabaster« heißt das gute Stück und räumt mit allerhand Legenden auf. Nicht der olle Fritz hat die Knolle flächendeckend eingeführt, ist dort nachzulesen. Und die Pest hat sie auch nicht gebracht. Dafür steht sie mit zahlreichen Revolutionen in Verbindung, hat Marxens Wirtschaftskritik inspiriert und ist wohl das demokratischste aller Gemüse. Carl Benz hat für seine erste Autofahrt Kartoffelschnaps verwendet, der Verschwender. Und Casanova hat sich an Gnocchi gelabt und hierdurch seine Lendenstärke bezogen. Aber ein ordentlicher Kartoffelsalat tut’s wohl auch, um beim Himmelfahrtskommando mit Grillzange und Mostrichlöffel auch an die Libido zu denken.

Tags darauf, am 30. Mai, heißt es »Awake the Riot« mit Dust Bolt und anderen Thrashern im Bandhaus, Motorpsycho kommen am 10. Juni in den Eiskeller. Und dann bricht eigentlich schon die Festivalsaison an. Vielleicht noch ein WGT-Tipp: Im Heidnischen Dorf werden Orphaned Land (Israel) auflaufen, deren orientalisch gefärbten Metal-Met-Shake man sich ruhig mal geben kann – dann wird auch die patschuli-geschwängerte Luft erträglich. High-Light dieser Tage ist mit absoluter Sicherheit der Release-Gig von Human Prey am 13. Juni. Damit sich die Leipziger Brutal-Deather nicht langweilen allein auf der Bühne, haben sie mit Prostitute Disfigurement die niederländischen Abrissbirnen vorm Herrengedeck mitaufgestellt. Zusätzlich gibt’s Rostocker Death-Core von Acranius und US-Brutal mit Parasitic Ejaculation.

Bei der neuen Human-Prey-Scheibe bekommt man wie gewohnt eine geballte Tour de Force, wie Klampfer Thomas verspricht. »Wir haben einfach Songs geschrieben, wie wir sie live gern feiern würden. Reichlich Tempowechsel, gepaart mit viel Aggression. Keine zu langen Spannungsbogen, nicht viele Schnörkel. Einfach grade auf die Fresse.« Das Album erscheint beim Leipziger Label Panzer Herz, der neuesten Kreation des Metalheadz Niebe. Bei ihm, ein Human-Prey-Unterstützer der ersten Stunde, habe die Band »100 % Vertrauen und Freiheit« gefunden, so Thomas. Überraschungen soll es bei den Fantasieartikeln geben, also alle Leutz hin da: »Wir haben ein paar Ideen, die über ›Standard-Merch‹ hinausgehen. Stoffbeutel sind es aber nicht.«

Human Prey Release Gig, 13.6., Halle 5, 20 Uhr
Hans Peter Stamp: »... und weiß wie Alabaster. Eine Kulturgeschichte der Kartoffel«, Wachholtz Verlag, Neumünster 2013, 256 S., 20 €

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