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Musik überreden

Eine Bettgeschichte mit der Singer/Songwriterin Juliane Moll

Juliane Moll Größeres Bild

Sie singt über Freundschaft und Verzweiflung – eine zaghafte Stimme, die sich ihrer Sache sicher ist. Zwischen Eklektizismus und Undefinierbarkeit, zwischen Sprache und Musik, Kissen und Decken: Zu Gast auf dem Bett von Juliane Moll.

Juliane Moll lädt zum nächtlichen Schwätzchen auf ihr Bett. Die »mood lamp« über ihrem von Büchern umzingelten Refugium wird für den Abend auf Lila eingestellt. Sie sei eben mehr der Bettmensch, sagt sie, während sie ein Frühstücksbrett mit Aschenbecher und Weingläsern für eine schlaflose Nacht bereitstellt.

Nach der ersten Runde Wein und Befindlichkeiten setzt sie sich an das E-Piano am Fenster und singt. Nur eine geringe Anzahl von Akkorden begleitet ihren Gesang. Die sich wiederholenden Töne stützen ihre zitternde Stimme – eine Reduktion auf den Rhythmus als Gerüst der Sprache. Die Stimme sei etwas sehr Intimes, sagt die gebürtige Leipzigerin bedeutungsschwanger, sie komme aus uns und bewege sich vermittelnd zwischen Sprache und dem Unbegreiflichen der Musik. Aus diesem Spannungsverhältnis entspringen die melancholischen und zarten Klänge der Moll’schen Musik. Moll glaubt, dass diese im Kontrast zur funktionalen Kühle alltäglicher Kommunikation stehen, in der man stets angreifbar ist. »Ich puste es raus, ich atme es weg«, unterstreicht sie mit weit ausholenden, schwingenden Armbewegungen, »sobald ich es abgegeben habe, ist es frei und ich muss mich nicht dafür rechtfertigen.«

Im Hintergrund leuchten die LED-Lautsprecher zur Musik des isländischen Sängers Ásgeir. Ein skandinavischer Sound wurde ihr mehrfach attestiert, doch darauf möchte sie sich nicht festlegen: »Bin ich ein Genre? Bin ich spartentauglich?« Es ginge darum, es einfach zu machen, so sprudelt es aus ihr heraus. Sie scheint sich jedoch im Klaren darüber zu sein, dass sie einer Vielzahl von Einflüssen unterliegt und sinniert: »Ich filtere, ich bin zusammengesetzt, beeinflusst«, jedoch sei es die Art, wie sich diese Einflüsse zusammenfinden und äußern, die Musik einzigartig mache. Wenn von Vorbildern die Rede sein soll, dann vor allem von Persönlichkeiten, die mit ausgefallenen Konzepten hinter Visionen stehen und dazu gehören auch Björk und iamamiwhoami. Ihre Musik sei deshalb nicht programmatisch minimalistisch: Es gilt zu wachsen, andere Perspektiven einzunehmen und sich auf allen Ebenen zu verwirklichen.

Allmählich dämmert es, sie wird nun schweigsamer und sinkt tiefer in die Kissen, doch es drückt im Rücken – eine Button-Maschine kommt zum Vorschein. Nach dem Studium soll es erst mal nach Island gehen, dafür muss nur genügend Geld angeschafft werden. Das nächste Konzert, vorerst noch gewohnt im Duo mit dem Langzeitpartner Klavier, wird den Geldbeutel nicht füllen. Außer die eigens für den Abend gebastelten »fancy« Buttons bringen was ein.

Konzert: Songs of friendship and despair: 11. Juli, Froelich und Herrlich
bandcamp: http://www.julianemoll.bandcamp.com

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