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»Mein Terminkalender ist voll«

Elisabeth Hauck und Michael Körner über die neu eingerichtete »Kontaktstelle Kreativwirtschaft«

Projektleiter Körner und Kontaktstelleninhaberin Hauck, Foto: Nick Putzmann Größeres Bild

Am 1. April hat Elisabeth Hauck für die vorab viel umraunte »Kontaktstelle Kreativwirtschaft« die Arbeit aufgenommen. So richtig mitbekommen hat das in Leipzig kaum jemand, die Stadt selbst hielt sich mit Verlautbarungen zum Thema fast schon auffallend zurück. Und auch drei Monate später ein Interview zu bekommen, war nicht ganz unproblematisch. Zumindest nicht, ohne dass Michael Körner, ihr Chef und Projektleiter für Medien- und Kreativwirtschaft, mit am Tisch sitzt.

kreuzer: Die Stadt geht mit dieser schon seit dem 1. April eingerichteten »Kontaktstelle Kreativwirtschaft« nicht gerade hausieren. Jede andere solche Stelle in Deutschland würde offensiv beworben.

MICHAEL KÖRNER: Man muss Elisabeth Hauck die Chance geben, sich in die wirklich schwierige Branche einarbeiten zu können. Und wir haben tatsächlich auch schon Interviewanfragen von der LVZ abgelehnt: »Nein, bitte nicht fünf Tage nach Jobbeginn gleich löchern.«

kreuzer: Die Kontaktstelle hat aber auch keinen Facebook-, keinen Twitter-, keinen Xing-Account. Das ist schon extrem unüblich.

ELISABETH HAUCK: Im Moment haben wir als Medium nach außen erst mal die Webseite gestartet, wo meine Kontaktdaten drauf sind, so dass die Leute mich einfach anrufen oder mir eine E-Mail schreiben können. Das mit den sozialen Netzwerken bauen wir erst noch auf. Das ist ja auch nicht so einfach, das muss ja gepflegt werden. Es ist in Planung, dauert aber noch ein bisschen.

kreuzer: Die Vorgängerstelle wurde durch die europäische »Creative Cities«-Initiative finanziert. Ist das jetzt immer noch so?

KÖRNER: Nein, das ist eben die neue Qualität – und da bin ich auch stolz drauf –, dass die Stadt Leipzig sich dazu durchgerungen hat, das Geld selbst in die Hand zu nehmen.

kreuzer: Es ist immer noch nur eine 65-Prozent-, also praktisch eine Halbtagsstelle.

KÖRNER: Ich bin froh, dass es so geworden ist. Wir haben eine schwierige Haushaltssituation und das Risiko der bald fallenden Wasserwerke-Entscheidung. Die Stadt muss das Geld zählen, so einfach ist das.

kreuzer: Wenn man die ganzen öffentlichen Bekundungen der Stadt zur Kreativwirtschaft und das, was die Stadt bereit ist, dafür auszugeben, in die Waage legt, ergibt sich schon ein deutliches Missverhältnis. Gerade auch im Vergleich zu anderen Städten.

KÖRNER: Man muss das im Verhältnis sehen. Es gibt jetzt bei uns mit Elisabeth vier Leute, die sich dediziert um Kreativwirtschaft kümmern können. Das hat kein anderer Wirtschafts-Cluster in Leipzig. Wir setzen mehr Leute und das meiste Geld – auch wenn es relativ wenig ist – für diesen Cluster ein.

kreuzer: Was sind denn jetzt die Aufgaben der Kontaktstelle?

HAUCK: Meine Aufgabe ist es, erst mal Ansprechpartner zu sein. Dafür gibt es ja auch die Webseite, damit die Leute schnell und unkompliziert zu mir gelangen können. Ich pflege die Seite auch. Wenn Kreative also Veranstaltungshinweise oder Meldungen haben: gern immer an mich schicken. Ich versuche das dann über die Webseite zu streuen. Der zweite große Bereich ist meine Beratertätigkeit, die im Herbst richtig losgehen soll. Dann werde ich rausgehen und mir Orte suchen, um die Leute bei Existenzgründungen zu begleiten. Ich arbeite auch viel mit dem Verein Kreatives Leipzig zusammen und vernetze mich mit anderen Partnern. Dabei geht es darum, Formate für die Kreativwirtschaft zu entwickeln, Angebote zum Austausch und zur Vernetzung zu schaffen. Perspektivisch strebe ich eine Internationalisierung an, also zum Beispiel Unternehmerreisen anzubieten, die eine Vernetzung im europäischen Ausland ermöglichen.

kreuzer: Ruft denn schon jemand an?

HAUCK: Ja, ich habe sozusagen einen vollen Terminkalender. Es gab mehrere Gespräche und auch Beratungen, sei es allgemein oder zum Mittelstandsförderprogramm, das es in Leipzig gibt. Meine Aufgabe ist es dabei, für alle Ansprechpartner zu sein, egal ob Designer, Architekt oder Tänzer. Ich versuche zu helfen oder weiterzuleiten.

kreuzer: Es gibt schon lange die Forderung der Kulturwirtschaft nach einer Art Clearing-Stelle, einem Scharnier zwischen den verschiedenen Ämtern, wo man mit Problemen hingehen kann. Sagen wir mal, ich betreibe einen Musikclub und das Ordnungsamt versteht nicht, was ich will. Bin ich da bei der Kontaktstelle richtig?

HAUCK: Ja! Dann kommst du zu mir, wir würden dein Problem eruieren und dann würde ich natürlich versuchen, zu vermitteln. Das ist auf jeden Fall auch meine Aufgabe, habe ich auch schon gemacht. Da ging es zum Beispiel um eine Gewerbeanmeldung. Oft wissen die Kreativen auch gar nicht, an wen sie sich wenden müssen. Ich bilde also schon dieses Scharnier zwischen der Kreativwirtschaft und der Verwaltung, aber auch der Politik, das hilft und vermittelt.

kreuzer: Und die Ämter wissen das auch?

HAUCK: Ja. Ich hab mich da schon ein bisschen umgetan, damit die wissen, dass es mich gibt.

kreuzer: Es gibt aber nicht so etwas wie eine offizielle Anweisung oder wenigstens Information innerhalb der Verwaltungsstrukturen, die Anliegen der Kontaktstelle zu berücksichtigen?

KÖRNER: Nein, die gibt es nicht. Man muss das im Konsens schaffen. Die Stadt hat viele Interessen. Wir kämpfen zwar für die Wirtschaft, aber man muss auch mal akzeptieren, dass ordnungspolitische oder sicherheitstechnische Interessen dagegen sprechen.

kreuzer: Die Stelle umfasst 65 Prozent des Arbeitstages, was tust du mit dem Rest der Zeit?

HAUCK: Da bin ich noch ehrenamtlich tätig.

kreuzer: Du kommst von Theater und Film?

HAUCK: Ich hab in Leipzig Theaterwissenschaften und Germanistik studiert und war bei der Schaubühne im Theaterbereich und beim Kinoprogramm tätig. Danach, bei der Mitteldeutschen Medienförderung, habe ich zwischendurch immer mal auch andere Sachen gemacht, so in Richtung Produktionsassistentin. Früher hatte ich auch noch mehr mit Theater zu tun, als Schauspielerin und Dramaturgin. Ich kann also jetzt natürlich nicht in allen sieben Subbranchen total bewandert sein. Aber dafür habe ich ein Team, was hinter mir steht.

kreuzer: Die Zahlen über die Leipziger Kreativwirtschaft, mit der ja auch die Homepage arbeitet, stammen von 2010. Gibt es kein aktuelleres Datenmaterial?

KÖRNER: Wir erfassen diese Medienstudie alle vier Jahre, das heißt, sie ist tatsächlich wieder in der Planung. Dazwischen machen wir kleinere Abfragen von Daten, an die man statistisch schneller herankommt. Die zeigen eine Stabilität, das sind gute Werte. Es ist immer noch einer der größten wirtschaftlichen Cluster, der große Bedeutung für Leipzig hat.

kreuzer: Die Homepage ist derzeit praktisch einziges Kommunikationsmittel. Was soll und kann sie leisten?

HAUCK: Sie soll die Kreativszene repräsentieren. Deshalb ist auch die Studie mit den Zahlen und Fakten zu den Subbranchen drin. Dafür, dass sich die Kreativen selbst darstellen können, gibt es den Almanach der Akteure, wo sie sich ins Medienhandbuch eintragen können. Wer sich registriert, kann auch Veranstaltungen posten und es kommt noch eine Kommentarfunktion, mit der Leute ihr Statement zu Leipzig abgeben können. Die eine Seite ist Information, die andere Partizipation. In Planung ist ein Dialog-Fokus, wo sich die Kreativwirtschaft über bestimmte Themen austauschen kann, wo sich verschiedene Leute aus der Politik, der Verwaltung und der Szene selbst austauschen und diskutieren können. Und im Moment haben wir noch den Blog von Sven Deichfuß, auch da sind wir offen. Wenn Leute aus der Kreativszene tolle Ideen haben, worüber sie bloggen wollen, können sie gern auf uns zukommen.

kreuzer: Da frage ich natürlich prompt: Wird dieser Content auch bezahlt?

HAUCK: Ja.

KÖRNER: Selbstverständlich! (lacht)

http://www.kreativwirtschaft-leipzig.de

Dieses Interview erschien in gekürzter Form in der August-Ausgabe des kreuzer.

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