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Brüste und Brandstifter

Die Kinostarts im Überblick und was sonst noch Filmisches in der Stadt geschieht

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Gleich zwei unserer großen Filmstarts im aktuellen kreuzer starten in dieser Woche und sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite legt ein großer britischer Regisseur sein Alterswerk vor und beweist, dass er an Biss nichts verloren hat. Auf der anderen Seite serviert eine junge Filmemacherin aus Deutschland einen nicht weniger unbequemen Film und kommt zur Premiere sogar nach Leipzig. Auch die übrigen Filmstarts bieten eine Menge Abwechslung. Ob Komödie oder Action – ihr habt die Wahl. Wir empfehlen euch einen Besuch in der Schauburg, denn dort startet überraschend Kelly Reichardts Öko-Thriller »Night Moves«. Leider erreichte uns die erfreuliche Nachricht erst nach Drucklegung der aktuellen Ausgabe. Wir legen ihn euch aber nicht weniger wärmstens ans Herz und wünschen euch spannende Kinoabende.

Film der Woche: Die Umweltaktivisten Josh, Dena und Harmon planen die Sprengung eines Staudamms. Doch als es nach langen Vorbereitungen soweit ist, läuft der sorgsam entwickelte Plan schief und ein Unglück geschieht. Mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert, gibt es für die drei keinen Weg zurück in die Normalität ihres Lebens, so sehr sie sich auch darum bemühen. Kelly Reichardt inszeniert das mit einem Gespür für Suspense, die einem den Hals zuschnürt und einen gewaltigen Kloß in eben jenem zurück lässt.

»Night Moves«: ab 14.8., Schauburg

Der Londoner Psychiater Hector ist vielleicht ein bisschen exzentrisch, aber im Grunde einfach liebenswert. Nur ein Problem wird er einfach nicht los, dabei gibt er sich wirklich die größte Mühe: Seine Patienten werden einfach nicht glücklich. Eines Tages, ausgerüstet mit eimerweise Mut und kindlicher Neugier, beschließt Hector, London, seine Praxis und seinen Alltag hinter sich zu lassen und sich nur noch dieser Frage zu widmen: Gibt es das wahre Glück? Und wenn er schon dabei ist: auch für ihn? Er begibt sich auf eine Reise um den ganzen Erdball. Bisweilen etwas kitschiger Selbstfindungstrip, der ein ums andere Mal von der Sympathiefigur Simon Pegg vor dem Abdriften in seichte Gewässer gerettet wird. Am Ende ersäuft die Romanverfilmung aber dann doch ein wenig.

Wir verlosen Freikarten zum Film, sowie Bücher und Hörbücher der Vorlage von François Lelord unter allen, die eine eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: Glückskeks) senden.

»Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück«: ab 14.8., Passage

Sein letzter Langfilm soll es nach eigener Aussage sein. »Jimmy’s Hall« – finaler Streifen also von Ken Loach, dem großen alten Mann des sozialkritischen und antikapitalistischen Kinos aus Großbritannien. In gewohnter Arbeitsteilung inszeniert Loach, während sein langjährig bewährter Drehbuchautor Paul Laverty schreibt. Sie fiktionalisieren einen historischen Stoff aus dem Irland der 1930er Jahre und führen damit eine filmische Bewegung weiter, die sie mit »The Wind That Shakes the Barley« (2006) und der Behandlung irischer Unabhängigkeitskämpfe der 1920er Jahre begonnen hatten. Im Zentrum der etwas brav erzählten Geschichte stehen James »Jimmy« Gralton und ein Gemeindehaus, das er in seinem Heimatdorf gemeinsam mit Freunden und Anwohnern nach seiner Rückkehr aus zehn Jahren Exil in New York wieder eröffnet. Damit entwickelt er sich zum Dorn im Auge der Allmacht beanspruchenden lokalen Kirche. Die gewaltsame Auseinandersetzung gipfelt darin, dass Pater Sheridan, Graltons Gegenspieler, die Gemeinde vor die Wahl stellt: Christus oder Gralton. Die Linien zwischen Gut und Böse verlaufen in »Jimmy’s Hall« eindeutig, die Figuren sind (bis auf Pater Sheridan) ebenso angelegt. Ohne viel Brimborium wird direkt erzählt. Für flammende Loach-Anhänger. Ausführliche Besprechung im aktuellen kreuzer.

»Jimmy’s Hall«: ab 14.8., Passage

Lucy wird gewaltsam in einen gefährlichen Handel verwickelt und gezwungen, ihren Körper als Depot für eine heikle Ware einzusetzen. Als sie sich einem der Kidnapper widersetzt, geraten die mysteriösen Drogen in ihren Blutkreislauf und lassen Lucy zu einer erbarmungslosen Einzelkämpferin mit übermenschlichen Kräften mutieren. Luc Besson lässt Scarlett Johansson das volle Potential ihres Gehirns erschließen und die hat nichts besseres zu tun, als sich an ihren Peinigern zu rächen. Recht platter, mit einigen interessanten philosophischen Ansätzen garnierter Actioner, der visuell spannend, aber inhaltlich ziemlich krude daherkommt.

»Lucy«: ab 14.8., CineStar, Regina

2012 wurde Isabell Subas Kurzfilm »Chica XX Mujer« in Cannes gezeigt. Zeitgleich veröffentlichten die Filmschaffenden Coline Serreau, Virginie Despentes und Fanny Cottençon einen Brief, in dem sie kritisierten, dass es keine einzige Regisseurin in den großen Wettbewerb geschafft hatte. Das nahm Suba zum Anlass, mit Kamera und einem gefakten Filmteam zum Festival zu reisen und die Ungleichverteilung unter die Lupe zu nehmen. Während sich Suba als Filmstudentin ausgibt, schlüpft die Schauspielerin Anne Haug in die Rolle der Regisseurin und verwandelt diese in eine feministische Idealistin. Produzent Matthias Weidenhöfer stülpt sich als David Wendtland das Image eines sexistischen Machos über. Zusammen wollen sie nicht nur den Film präsentieren, sondern auch Ideen unters Volk bringen. Doch in diesem »Zusammen« liegt das eigentliche Problem der experimentellen Doku-Fiktion »Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste«. So gekonnt und mitunter komisch der Film geschlechterbedingte und klischeebeladene Schieflagen der Szene aufgreift, sobald sie auf das Gefüge der beiden Hauptfiguren übertragen werden, laufen sie schon Gefahr zu versanden. Das kritische Potential verschwindet hinter zwei anstrengenden Streithähnen, bei denen man sich vor allem fragt, wie es überhaupt zu einer Zusammenarbeit gekommen ist.

Stark ist der Film also nicht in seinem offensichtlichen Anliegen, sondern dann, wenn er den Ausverkauf wie auch die oberflächliche Schnelllebigkeit des Filmbusiness aufgreift. Ausführliche Besprechung im aktuellen kreuzer.

»Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste«: ab 14.8., Schaubühne, am 15.8. in Anwesenheit der Regisseurin und der Hauptdarstellerin.

 

Die Filmtermine der Woche

Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don’t look now)

Verstörender Kult-Klassiker von 1973: Ein Künstlerehepaar wird nach dem Unfalltod der Tochter in Venedig durch geheimnisvolle Erlebnisse beunruhigt. Formal bestechender parapsychologischer Grusel nach einer Story von Daphne Du Maurier.

16.8., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

 

Studio Ghili Film Festival

Anlässlich des letzten Films des Großmeisters der japanischen Animationskunst Hayao Miyazaki zeigt die Kinobar eine Auswahl seiner Meisterwerke zu kinderfreundlichen Zeiten.

Chihiros Reise ins Zauberland

Ein phantasievoller, kunterbunter Trip durchs Geisterreich. Ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale und dem Animations-Oscar. Miyazakis Meisterwerk ist zwar nicht unbedingt etwas für die ganz Kleinen, Animefreunde und junggebliebene Erwachsene wird der Film aber weit über die zwei Stunden hinaus verzaubern.

18.8., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Wie der Wind sich hebt

Letzter Film von Miyazaki, der hier erneut seine große Leidenschaft für Fluggeräte thematisiert und mitreißend die wahre Geschichte eines japanischen Flugzeugkonstrukteurs im frühen 20. Jahrhundert erzählt.

18.8., 16 Uhr und 18.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Das wandelnde Schloss

Das Mädchen Sophie arbeitet in dem Hutmachergeschäft ihres verstorbenen Vaters. Als sie eines Tages den Zauberer Hauro kennenlernt, verliebt sie sich in ihn. Doch eine eifersüchtige Hexe belegt sie mit einem Fluch, der sie zu einer alten Frau werden lässt. Wundervoll magisches Anime-Abenteuer.

20.8., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

 

Einfach raus

Im Sommer 1989 will der 21-jährige Student Andreas Hallbrandt über die ungarisch-österreichische Grenze in den Westen. Nach zwei fehlgeschlagenen Fluchtversuchen möchte er in die bundesdeutsche Botschaft in Budapest, die jedoch wegen Überfüllung geschlossen ist. In einem bei der Zugliget-Kirche eingerichteten Zeltlager findet er Zuflucht. Während er darauf wartet, ausgeflogen zu werden, verliebt er sich in zwei Mädchen unter den Flüchtlingen. Im Rahmen der »Filmreihe Erinnerungen an den Herbst ’89«. Eintritt frei.

19.8., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

 

Knights of Badassdom

Zum DVD-Start gibt es die LARP-Comedy mit Steve Zahn und Peter Dinklage einmalig am heutigen Abend auf großer Leinwand zu sehen. Im Original mit deutschen Untertiteln.

18.8., 20 Uhr, CineStar

 

Kurzfilmerlebnis mit dem 26. Filmfest Dresden

Die Kinobar zeigt eine Auswahl aus dem diesjährigen Kurzfilmprogramm des Filmfest Dresden. Mit dabei sind Produktionen aus Deutschland, den USA, Mexiko und der Schweiz, aus den Jahren 2012-14.

20.8., 21.15 Uhr, Kinobar Prager Frühling

The Expendables 1–3

Für gänzlich Schmerzfreie zeigt der Cineplex zum Start von Teil 3 am kommenden Donnerstag alle Filme der Altherrenaction noch einmal auf großer Leinwand.

20.8., 19 Uhr, Cineplex

 

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