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Rückenwind mit Faust

Faust-Preis für Leipziger Institut für Theaterwissenschaft

Preisträger aus Leipzig, Foto: Markus Nass/Deutscher Bühnenverein Größeres Bild

Das Institut für Theaterwissenschaft der Uni Leipzig wird in Hamburg mit dem Faust-Preis ausgezeichnet für seine Arbeit – die Schließung ist damit noch nicht abgewendet.

Es war kurz vor Schluss der dreieinhalbstündigen Veranstaltung zur Verleihung der Faust-Theaterpreise in der Hamburger Staatsoper, als Klaus Zehelein, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, zum extra herbeigefahrenen Rednerpult schritt, um aus Leipziger Sicht zum Höhepunkt des Abends zu kommen.

Zuvor waren bereits die wichtigsten Künstler dieser Theatersaison unter der etwas schalkhaften Moderation von Ulrich Matthes, Schauspieler am Deutschen Theater in Berlin, ausgezeichnet worden: darunter Aleksandar Denić für sein Bühnenbild für Frank Castorfs »Ring der Nibelungen« in Bayreuth, der Regisseur und Intendant Johann Simons für seine Version von »Dantons Tod« an den Münchener Kammerspielen und die Schauspielerin Dagmar Manzel vom Deutschen Theater für ihre Arbeit in »Gift«, in der Regie von Christian Schwochow. Nach Sachsen ging der Faust für die beste Leistung im Bereich Gesang an Evelyn Herlitzius als Elektra in der Sächsischen Staatsoper. Ihren Preis nahm der amtierende Intendant Wolfgang Rothe entgegen, der, ohne sich vorzustellen, auf die Bühne stürmte, um die Inszenierung in den höchsten Worten zu loben – was Moderator Matthes zu der Frage trieb: »Und wer sind Sie?« Die Lacher hatte er dabei auf seiner Seite. Ein Überrauschung war die Auszeichnung von Christopher Winkler, der mit seiner Arbeit auch regelmäßig im Lofft zu sehen ist und für seine Choreografie »Das wahre Gesicht – Dance is not enough« geehrt wurde, womit der veranstaltende Bühnenverein erstmals eine rein freie Produktion auszeichnete. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten Orchester, Ballett und Sänger der Hamburger Staatsoper mit einer sehr risikolosen Auswahl, besonders die tänzerischen Einlagen kamen eher altbacken daher.

Und dann kam Zehelein und lobte das Leipziger Institut für Theaterwissenschaft, das in diesem Jahr den Preis des Präsidenten erhielt. Die Theaterwissenschaft stehe für erweiterte Denkräume, die die Grenzen zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Feldern verwischen. Die angekündigte Schließung sei Folge der »fatalen Tradition der Rationalität und der Kälte der Ökonomie«. Gegen dieses kalte Primat des Konsums müssen sich vor allem die Theater wehren, denn Kunst sei ja gerade die Möglichkeit, dem etwas entgegenzusetzen, und markiere mit Schiller das Ziel der Freiheit. Das Rektorat der Universität Leipzig müsse daher den Beschluss der Schließung zurücknehmen, verkündete er unter Applaus.

Für die Leipziger Delegation, zu der unter anderem der geschäftsführende Professor Günther Heeg und Studierende, welche im Juli in bunten Masken das Rektorat besetzt hatten, gehörten, war das Wasser auf die Mühlen. Heeg kam mit Victory-Zeichen auf die Bühne und sagte, der Preis werde hoffentlich etwas bewirken: »Er ist auf jeden Fall ein Gütesiegel für unsere Arbeit.« Im Hinblick auf die Studierenden meinte er, die Masken geben dem Protest ein Gesicht. Auch hier großer Applaus als Unterstützung für den Leipziger Widerstand. Die Lage des Instituts ist derweil weiter unklar. Im Koalitionsvertrag ist lediglich vorgesehen, die Streichungen ab 2017 einzustellen, aber auch die Zukunft der kleinen Fächer soll neu verhandelt werden. Die Details sind aber weiterhin offen. Der Kampf geht weiter und mit dem Rückenwind des Faust-Preises kämpft es sich immerhin ein Stück weit leichter.

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