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Der Ring schließt sich

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Der Ring schließt sich für Peter Jackson und damit auch das größte Kapitel seines Werks. Mehr als 14 Jahre und nunmehr sechs Filme später ist es an der Zeit, vorauszublicken. Für den Neuseeländer war es freilich schon mit der letzten Klappe beendet, aber zur Premiere in London kam die Familie noch einmal zusammen und schritt zum letzten Mal gemeinsam über den roten Teppich. Inhaltlich ist Peter Jackson der Brückenschlag zur »Herr der Ringe«-Trilogie gelungen, wovon man sich mancherorts bei Mammutscreenings aller sechs Teile überzeugen kann. Wer in Leipzig wohnt, muss dafür allerdings nach Dresden reisen. Eins lässt sich aber mit Bestimmtheit sagen: Das Finale ist groß, das Wiedersehen ein Fest und der Abschied nicht nur für Peter Jackson sehr, sehr schwer.

Film der Woche: Üppig ausgestattet zieht der dritte Teil von Peter Jacksons »Hobbit«-Trilogie in die Schlacht um die Gunst des vorweihnachtlichen Kinopublikums. Im Mittelpunkt des Films, der nahtlos an den Vorgänger anschließt, steht die titelgebende »Schlacht der fünf Heere«. Aus den gerade mal sechs Seiten in Tolkiens Buch macht Jackson eine gigantische Action-Sequenz von über einer Stunde Länge, in der Menschen, Elfen, Zwerge und zwei Ork-Armeen um den Einsamen Berg kämpfen – und den darin gehorteten, ebenfalls gigantischen Goldschatz des Drachen Smaug. Auch wenn der Film dadurch sehr actionlastig wird, unterhält der neue »Hobbit« prächtig. Was die Ausstattung angeht – Masken, Kostüme, Requisiten und Schauplätze – bleibt Peter Jackson den Maßstäben treu, die er selbst im Genre gesetzt hat. Dank der fast zweieinhalb Stunden Spieldauer ist auch abseits der zentralen Massenschlacht genug Zeit für eine spannende Geschichte, in der Martin Freeman in der Titelrolle des Hobbit Bilbo Beutlin erneut als Held wider Willen überzeugen kann.

An seiner Seite spielt Richard Armitage den Zwergenkönig Thorin Eichenschild, der angesichts der unermesslichen Reichtümer im Einsamen Berg langsam den Verstand zu verlieren droht. Darsteller wie Ian McKellen oder Cate Blanchett komplettieren den hervorragenden Cast, der zusammen mit der geballten CGI-Technik dafür sorgt, dass »Die Schlacht der fünf Heere« einen gelungenen Abschluss der »Hobbit«-Trilogie bildet. Fans von Peter Jacksons filmischem Mittelerde-Kosmos können sich außerdem über ein paar schöne Anspielungen auf den »Herrn der Ringe« freuen. ALEXANDER PRAXL

»Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere«: ab 10.12., Passage Kinos, CineStar, Regina, Cineplex

kreuzer verlost Freikarten. eMail mit Betreff »Beutelsend« an film@kreuzer-leipzig.de

Das Zentrum des Episodenfilms »Traumland« bildet Mia, eine bulgarische Sexarbeiterin, die im Streetwork-Projekt OASE auf die Sozialarbeiterin Judith trifft. Diese geht öfters fremd, was ihren Ehemann Jonas, der seine intimen Wünsche eher beim Backen auslebt, aus dem gemeinsamen Musterhaus treibt. Neben Mia wohnt die spanische Witwe Maria, die sich in einem ehrenwerten Viertel wähnt und deren Katholizismus sich beim Begehen kleinerer Sünden als hilfreich erweist. In der Nacht wird Mia von der schwangeren Lena aufgesucht, die verstehen will, warum ihr Mann fremdgeht. Die meisten Figuren tragen biblische Namen und verwechseln Sex mit Liebe. Volpe fängt das und diverse emotionale Belastungsproben gut ein. Da ist zum Beispiel die Weihnachtstourismusfamilie, von deren Mutter ein scharfes »Sag einfach mal gar nichts!« zu vernehmen ist. Nicht alle Szenen sind so prägnant inszeniert; auch hören sich nicht alle Dialoge so lebensecht an. Letztlich lebt der Film von seinem Cast in dem Bettina Stucky, Luna Zimić Mijović, sowie Almodóvars Muse Marisa Paredes brillieren. Stefan Kurt liefert eine Glanzleistung als Jonas. Devid Striesow als Lenas Gatte übt sich derweil darin, variantenreich »Also bitte!« oder »Oh, bitte« zu sagen. Ausführliche Kritik von Claudia Cornelius im aktuellen kreuzer.

»Traumland«: 16., 18., 20.12., Cinémathèque in der naTo

»Ich habe zwei Jahre lang eine Therapie gemacht. Gebracht hat es nichts«, erklärt Matts Tomas inmitten der Schneemassen in den französischen Alpen. »Dann habe ich fünf Minuten lang geschrien. Danach ging’s mir viel besser.« Die beiden Enddreißiger sind auf der Suche nach einem Ausweg für Tomas‘ Krise. Der verbringt gerade einen Kurzurlaub mit Frau und Kindern und hat schon am zweiten Tag die Familienwogen völlig aus den Fugen gebracht. Beim Mittagessen auf der Restaurant-Terrasse kam eine Lawine mit voller Wucht auf sie zugerast. Tomas war der Erste, der vom Tisch wegeilte, allerdings nicht ohne sein iPhone noch flugs zu holen. Ebba blieb mit den Kindern zurück. Das große Unglück fand aber nicht statt. Was aber blieb: eine tiefe Enttäuschung bei Frau und Kindern. Der männliche Beschützerinstinkt war im Angesicht der Katastrophe zuerst davongesegelt und mit ihm Tomas‘ Ego – nur dass er sich das nicht eingestehen will.

Wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, ist die große Frage, an der sich Ruben Östlund (»Play«) in seinem Film »Höhere Gewalt« auf unterhaltsame Weise entlangangelt. Anhand einer Kleinfamilie und dem männlichen Rollenbild seziert der Däne diese Fragestellung aufs Köstlichste. Östlunds Film ist ein vortrefflich inszeniertes psychologisches wie satirisches Familiendrama, das Rollenbilder ad absurdum führt und mit einer wunderbaren Prise Humor die unaufhaltsame Katastrophe weiter vorantreibt. Ausführliche Kritik von Eileen Reukauf im aktuellen kreuzer.

»Höhere Gewalt«: ab 10.12., Schaubühne Lindenfels

Mit den Kino-Fortsetzungen der TV-Serien »Stromberg« und »Veronica Mars«, dem Weltraumirrsinn »Iron Sky« und Zach Braffs »Wish I Was Here« haben es bislang nur wenige Filme in die hiesigen Kinos geschafft, die durch Crowdfunding finanziert wurden. Alle konnten auf einen nicht zu unterschätzenden Fanbasis-Bonus zurückgreifen. Eine neue Ära im Zeichen von Kickstarter & Co. bricht jetzt mit diesem klassischen, minimalistischen Rachedrama an, das den Geist der Coen-Brüder mit dem Kino Michael Manns paart.

Dwight (Macon Blair) führt in einem Städtchen an der US-Ostküste beinahe ein Obdachlosendasein. Als Behausung dient ihm sein blauer, rostzerfressener Sedan, zum Waschen geht’s in fremde Badezimmer und sein Essen fischt er aus dem Abfall eines Vergnügungsparks. Eine Ahnung davon, was diesem Mann zugestoßen sein könnte, erhält der Zuschauer, als Dwight auf eine Polizeiwache bestellt wird. Irgendjemand, so wird ihm dort berichtet, »wird entlassen«, weshalb die Polizei ein Auge auf Dwight hat. Doch der hat völlig andere Pläne – und gerät dadurch in einen blutigen Ereignisstrudel, dessem vernichtenden Sog weder seine Feinde noch er selbst entrinnen können. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Blue Ruin«: ab 10.12., Cineding

Oskar geht’s nicht gut. Seine Exfreundin Alex hat seine Wohnung abgefackelt und nun gammelt er in einer schäbigen Kellerabsteige vor sich hin. Doch dann trifft er Masha. Ihr geht es auch nicht gut. Immer wieder landet sie mit älteren Männern im Bett, die ihr ausuferndes Bedürfnis nach Nähe nicht stillen können. Gemeinsam kämpfen Oskar und Masha gegen die Einsamkeit und lassen sich durch Berlin treiben. Die Abmachung, keinen Sex miteinander zu haben, bereut Oskar jedoch schnell – spätestens als Alex sich wieder in sein Leben drängt und versucht, die beiden auseinanderzutreiben. Umso mehr sehnt sich Oskar nun nach körperlicher Liebe von Masha und bekommt statt dessen betrunkenen Sex mit Alex, nur um zu merken, dass Einsamkeit noch schlimmer ist, wenn einem die Ex dabei zuschaut. Langsam wird klar, dass eine radikale Entscheidung her muss. Oskar und Masha fahren Zelten. Scheiße. Independentkino aus Berlin von Tom Lass.

»Kaptn Oskar«: ab 10.12., Luru Kino in der Spinnerei

 

Die Filmtermine der Woche

7 Tage im September

Dokumentarfilm über den Münchner Ausnahmebergsteiger Benedikt Böhm, der im September 2012 am 8.163 Meter hohen Manaslu einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Während der Reise zum Gipfel gab es einen schwerwiegenden Lawinenunfall. Der Dokumentarfilm von Karsten Scheuren behandelt, neben den eindrucksvollen Aufnahmen vom Berg, auch das Schicksal der Hinterbliebenen.

12., 19.12., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

 

Danse sacrée à Yaka

Drama aus Burkina Faso mit anschl. Filmgespräch

12.12., 19.30 Uhr, Institut Français (OmU)

 

Melancholia

Lars von Triers bildgewaltige Analogie auf Depression und Apokalypse. Psychoanalyse trifft Film: mit psychoanalytischer Betrachtung durch Lars Friedel

12.12., 19.30 Uhr, Passage Kinos

 

Not Who We Are

In »Not Who We Are« erzählen Frauen, die aus Syrien in den Libanon geflüchtet sind, wie es ihnen im Exil ergeht. Reihe Musalsal – Dokumentarfilme aus dem nahen Osten und Nordafrika – mit Expertengespräch im Anschluss

12.12., 19.30 Uhr, Cineding (OmeU)

 

La France

Weltkriegsdrama aus Frauenperspektive. Als Mann verkleidet gerät Camille im Ersten Weltkrieg in die Wirren der Front. Französisches Drama von 2007.

13.12., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

 

Les Combattants Africains de la Grande Guerre

In dieser fast schon »historischen« Dokumentation aus Burkina Faso werden ehemalige Tirailleurs interviewt, Soldaten des französischen Heeres aus den Kolonien in Afrika, die während des Ersten Weltkriegs gekämpft haben.

13.12., 22 Uhr, Schaubühne Lindenfels

 

Flohmarkt mit Kinoutensilien, Büchern und DVDs

Alles muss raus beim beliebten Filmflohmarkt in der Kinobar.

14.12., 11 Uhr, Kinobar Prager Frühling

 

J’accuse – Ich klage an

Die Handlung dreht sich um zwei Männer, einen verheirateten Mann und den Liebhaber seiner Frau, die sich in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges über den Weg laufen. Meisterwerk von Abel Gance aus dem Jahre 1919.

14.12., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

 

Special Interest – Trash-Klassiker in der englischen OV

Classic Filmreihe goes Trash: Eine Reise durch das 20. Jahrhundert des Films. Horrortrashklassiker vom Feinsten: »Creature from the Black Lagoon«, »It Came From Outer Space«, »Bride of Frankenstein«

14.12., 13 Uhr, Regina Palast

 

Schiff nach Indialand

Im Mittelpunkt des Films steht der Generationenkonflikt zwischen Vater und Sohn. Kurz vor seiner Erblindung nimmt ein lebenshungriger Kapitän eine Varieté-Tänzerin mit auf sein Schiff, wo sich sein buckliger Sohn in die junge Frau verliebt. Ein düsteres Eifersuchtsdrama nimmt seinen Lauf. Frühwerk von Ingmar Bergman aus dem Jahre 1947.

16./17., 22 Uhr, 27., 19.30 Uhr, 30.12., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

 

Wittstock, Wittstock

Sie nannten sich Blueser, Tramper oder Kunden – und waren die ostdeutsche Variante der Blumenkinder. Dokumentarfilm von Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich.

16.12., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

 

Unikino: Nightmare Before Christmas

Merkwürdige Geister aus dem Halloween-Land haben ganz eigene Vorstellungen vom Weihnachtsfest. Fantasievoller, düster-makabrer Puppentrickfilm von Tim Burton und Henry Selick.

17.12., 19 Uhr, Campus Augustusplatz

 

Frauentag

Sozialpolitik und Film – diese Mischung klingt weder nach Spannung noch nach großen Emotionen. Und doch schafft der preisgekrönte Film den Spagat zwischen der Heldengeschichte einer Frau im aufopferungsvollen Kampf gegen die Windmühlenflügel eines Großkonzerns und dem glaubwürdigen psychologischen Porträt eines Menschen, der in kleinen Schritten über seine Rolle als Rädchen im System hinauswächst. Gleichzeitig zeigt der Film, dass der Arbeitsalltag in Polen genauso hart und bisweilen zynisch ist wie in anderen Ländern Europas. Der Film errang u. a. 2012 den Hauptpreis beim Filmfestival Cottbus.

17.12., 20 Uhr, Cinémathèque in der naTo (OmU)

 

The Ghosts in our Machine

In welchem Verhältnis stehen Mensch, Maschine und Tier? Teilweise retten wir mit unseren Erfindungen das Leben der Tiere, andererseits nutzen wir sie aber auch, um sie zu kontrollieren und zu unterdrücken. Dokmentarfilm von Liz Marshall mit anschl. Filmgespräch.

17.12., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

 

Schauspieler, Stars und Superstars

Diesmal geht es in der Programmvideothek Memento um den Blick von Cate Blanchett. – Vortrag von Claudia Cornelius mit Überraschungsfilm

18.12., 20 Uhr, Memento

 

Das Filmriss Filmquiz

Is‘ was, Doc? Was tun, wenns brennt? Was ist mit Bob? What’s new, Pussycat? Auf diese Frage haben auch wir keine Antwort, aber dafür jede Menge andere, auf die ihr eine habt! Wer steckt in R2D2? Warum heißt Dr. Jones Indiana? Womit reist Doc Brown »Zurück in die Zukunft«? Wenn ihr euch fit für die Filmwelt fühlt, winken viele Preise! Mit André Thätz & Lars Tunçay, Autor dieser Zeilen.

18.11., 20.30 Uhr, Conne Island

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