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Editorial 02/2015

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Februar-Ausgabe des kreuzer. Interimschefredakteur Tobias Prüwer berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Das Cover kenne ich doch, werden Sie vielleicht denken. Jawohl, Sie haben Recht. Es ist eine Variante des Heftes aus dem Januar 2014. Damals ging es in unserer Titelgeschichte um den Rassismus in der Mitte der Gesellschaft, der sich in Leipzig durch Kundgebungen gegen Flüchtlingsunterkünfte und einen Moscheebau Bahn brach. Im Editorial stand vor 13 Monaten an dieser Stelle der Satz: »Gerade die Bürger einer ›weltoffenen‹ Stadt wie Leipzig sollten deutlich Stellung beziehen gegen Fremdenhass, rassistische Ressentiments und die dumpfe Duldung aggressiver Hetzer.« Ein solches Zeichen nun setzten viele Leipzigerinnen und Leipziger, als sie am 12. Januar gegen den Legida-Aufzug auf die Straße gingen. Sicherlich bangten manche von ihnen zuallererst ums Image der Stadt, das Schaden nehmen könnte. Viele aber trieb wirklich der Protest gegen vermeintlich besorgte Bürger an, die zum Großteil ihre menschenfeindliche Weltsicht nur schlecht kaschieren konnten. Wer diese Gruppe ist, die sich selbst zum »Volk« stilisiert, was sie bewegt und was am 12. Januar geschah, können Sie in unserem Politik-Schwerpunkt lesen. Die Entscheidung, das eigene Cover zu zitieren – und damit neben aller No-Legida-Entschlossenheit auch auf die Leipziger Zustände hinzuweisen –, fiel uns umso leichter, als dieses Titelbild von Ihnen als das beste von 2014 gewählt worden ist. Rund ein Viertel stimmte für den Gartenzwergmob ab – die Brüste kamen auf 16, der Osten-Titel auf 15 Prozent. Vielen Dank an alle, die sich beteiligt haben! Uns erreichten Kommentare, wie aktuell dieses Motiv leider sei, da hatten wir uns intern gerade fürs Eigenzitat entschieden – und fühlten uns durch Sie bestärkt. Im Bereich Politik müssen wir auch eine Veränderung ankündigen: Unser Redakteur Björn Menzel hat den kreuzer verlassen, um eine unerwartete berufliche Chance wahrnehmen zu können. Für diese wünschen wir Björn alles Gute – einen neuen Kopf fürs Politikressort stellen wir Ihnen hoffentlich bereits im nächsten Heft vor.

Leipzig ist nicht Dresden. Eine banale Aussage: X ≠ Y. Schließlich ist auch Horst nicht Heidi – der eine lebt als Lama im Zoo, das Opossum schielt durch die ewigen Jagdgründe. Leipzig ist aber auch vieles andere nicht und manches doch. Nicht wenige Mythen ranken sich um die Stadt und werden besonders im Jubiläumsjahr unterstrichen. Den Tod des fastenbedingt ausgemergelten und barfüßigen Bischofs Eido vor 1.000 Jahren – der Grund für die Ersterwähnung – nehmen wir daher lose zum Anlass, um ein bisschen in den Stadtgeschichten zu stöbern. Warum das mit den Linden im Stadtnamen vielleicht nicht stimmt, wie das nun mit der Heldenstadt war und auf welchen Pfaden der Mythos Connewitz wandelt, ist in unserer Titelgeschichte zu erfahren. Diese wird vom Interview mit dem Anglistikprofessor Elmar Schenkel flankiert, der uns erklärt, dass Mythen trotz ihres ambivalenten Verhältnisses zur Wahrheit Lebensmittel für die Menschen sind.

Vor genau 50 Jahren wurde übrigens schon einmal Stadtjubiläum gefeiert. Damals ging es allerdings um 800 Jahre – Stadtrecht und Ersterwähnung als Siedlung im Sumpf sind eben nicht das Gleiche. Welche Bilder man 1965 zu den Feierlichkeiten produzierte, hat sich kreuzer-Redakteurin Britt Schlehahn angeschaut. Hoffen wir, dass für 2015 Ernst Bloch recht behält, der meinte: »Nur jenes Erinnern ist fruchtbar, das zugleich erinnert, was noch zu tun ist.«

Schreiben Sie Geschichte(n) und passen Sie auf sich auf!

TOBIAS PRÜWER (als Elternzeitvertretung)

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

Was sonst noch im Heft steht:  Inhaltsverzeichnis, Monatstipps und Einblicke zeigt die Leseprobe unseres ePapers.

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