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Dauerschleife

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

Birdman Größeres Bild

Der Februar kündigt sich an und damit ein Monat, der vor allem geprägt ist vom Popcornkino: Jupiter Ascending, The Interview, Blackhat, Wild Card, Into the Woods…was sich davon lohnt, erfahrt ihr hier und im aktuellen kreuzer. Vorher gibt es aber noch einen Arthouse-Knüller, der für den ganzen Monat reicht: »Birdman« von Alejandro González Iñárritu kann man sich in Dauerschleife eigentlich die gesamten nächsten Wochen bis zur Oscarverleihung geben, wo er dann verdientermaßen mindestens 8 seiner 9 Oscarnominierungen einlösen wird. Dann könnte man aber das ein oder andere Highlight verpassen, das auch diese Kinowoche bereithält. Wo auch immer ihr überwintert – am kuscheligsten ists im Kino!

Film der Woche: Im Mittelpunkt des neuen Films von Alejandro G. Iñárritu (»Amores Perros« oder »Babel«) steht ein gealterter Blockbuster-Star, der von Michael Keaton mit viel Mut zur Selbstironie herausragend verkörpert wird. Riggan Thomsons Erfolge als »Birdman« liegen mehr als 20 Jahre zurück. Nun möchte er am Broadway ein anspruchsvolles Stück auf die Bühne bringen, bei dem er neben der Hauptrolle auch die Adaption und die Inszenierung selbst übernimmt. Sein Co-Star Mike Shiner (Edward Norton) erweist sich als unberechenbares Pulverfass, das dem Stück bei seinen Vorpremieren zwar deutlich mehr Zuschauer beschert, hinter der Bühne aber für offene Auseinandersetzungen sorgt. Das technisch Einmalige an »Birdman« besteht darin, dass er über seine fast zweistündige Laufzeit fast gänzlich ohne sichtbare Schnitte auskommt und die Kamera ohne Unterlass hinter oder vor den Protagonisten dahinsaust und diese somit von Punkt A nach Punkt B verfolgt, ohne jemals innezuhalten. Gerade in den ersten Minuten lässt das eine beunruhigende Hektik entstehen, bis man dieses Stilmittel in seiner ganzen Konsequenz erkennt und die grandiose technische Konzeption gänzlich zu würdigen versteht, der die absurd-komische Handlung in Nichts nachsteht. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.

»Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)«: ab 29.1., Passage Kinos

 

John Wick – ein Name, der die Unterwelt erzittern lässt. Der ehemalige Auftragskiller ist ein Profi wie kein zweiter in seinem Metier. Für seine Frau hing er es einst an den Nagel. Doch nun ist er wieder da. Bevor er seine Frau am Krebs verlor, traute sie ihm einen jungen Beagle an. Als der ungestüme Gangster Iosef Tarasov in Johns Haus eindringt, um dessen 69er Ford Mustang an sich zu reißen, bringt er den Hund um. Ein großer Fehler, denn nun ist John Wick hinter ihm her. Sicher, die Story ist so dünn, wie das Papier auf der sie skizziert wurde und das Drehbuch von Derek Kolstad wirkt wie einem Comic entlehnt, den es nie gegeben hat. Die Reputation des Protagonisten ist haarsträubend und die übermenschliche Action stellenweise lachhaft. Aber das Regiedebüt von Chad Stahelski und David Leitch funktioniert trotzdem prächtig. Die ehemaligen Stuntmen sind Meister darin, Martial Arts Kämpfe zu choreographieren. Das haben sie in Blockbustern wie „300“ oder den „Matrix“-Filmen bewiesen. Womit wir bei dem Star ihres Films wären: Keanu Reeves feiert ein fulminantes Comeback als Actionheld, der an Coolness auf der Leinwand kaum zu überbieten ist. Zehn Jahre später hat sich das Bild des Helden gewandelt. John Wick ist ein gebrochener Mann mit einer dunklen Vergangenheit. Reeves’ zurückhaltendes Spiel passt wie der Maßanzug zur aalglatten Oberfläche des Protagonisten. Von diesem John Wick werden wir in Zukunft bestimmt noch mehr hören und sehen.

»John Wick«: ab 29.1., CineStar, Regina Palast, Cineplex

Die Eishockey-Nationalmannschaft der Sowjetunion war seinerzeit eine der besten der Welt. Sie bestand nahezu vollständig aus Spielern des ZSKA Moskau, dem Eishockey-Klub der Roten Armee. Von jung auf diszipliniert und ausgezeichnet durch eine Spielweise, bei der Teamwork und das „Funktionieren im Kollektiv“ im Mittelpunkt standen, galt sie mitten im Kalten Krieg als Beweis für die Überlegenheit des sozialistischen Systems. Als Teil der Propaganda war es die einzige Aufgabe des Teams, den Westen zu besiegen. Slawa Fetissow, der Kapitän, war einer der ersten, der nach der Auflösung der UdSSR von Vereinen der NHL mit dem Versprechen auf Wohlstand und Freiheit in die USA geholt wurden – ein Wechsel, für den er in der Heimat zum politischen Feind deklariert wurde. Doch der Neuanfang im Westen war steinig: Die Spielweise der sowjetischen Athleten schien im amerikanischen System der Stars und Individualisten nicht zu funktionieren. Unterhaltsamer und erhellender Blick in die Geschichte der Sojetunion.

»Red Army – Legenden auf dem Eis«: ab 29.1., Schauburg 

 

Gottfried Böhm sitzt in einem Riesenrad. Wo andere die Sehenswürdigkeiten von Köln sehen, erblickt er die Bauten seiner Söhne etwa die »Arena von Paul« oder die Neugestaltung des Deutzer Stadthafens. Die Dokumentation zeichnet die Geschichte der Architekturdynastie von Gottfrieds Vater dem Kirchenbauer Dominikus Böhm bis zum frischgebackenen Architekturstudenten und Enkel Anton nach. Zwischen Familienfotos und Super 8-Aufnahmen überwiegen Pauspaper, Grundrisse und Entwürfe. Gottfried Böhm, der Preisträger des Pritzker-Architektur-Preises ließ seine Söhne Stephan, Markus, Peter und Paul nicht nur mit Bauklötzern spielen sondern im heimischen Garten ein kleines Dorf aus Zement und Holz bauen. Maurizius Staerkle-Drux’ beim DOK Leipzig von der Jury des Goethe-Institutes prämierter Film ist mehr als ein Reiseführer durch die Architektur der Gegenwart. Er ist das hochkomplexe Psychogramm einer Familie, deren emotionaler Anker die Architektin Elisabeth Böhm war, die ihre eigene Laufbahn jener ihres Mannes geopfert und ihre Kinder zu beachtlichen Leistungen inspiriert hat. Ausführliche Kritik von Claudia Cornelius im aktuellen kreuzer.

»Die Böhms – Architektur einer Familie«: 3./4., 7.2. Kinobar Prager Frühling

 

Die Filmtermine der Woche

Cinebrasil

Der Sudaca e.V. bringt aktuelles brasilianisches Kino nach Leipzig. Einen Einblick ins Programm und eine Auswahl der Highlights gibts im aktuellen kreuzer.

26. – 31.1. Schaubühne Lindenfels, Cineding

 

Der Elefantenmensch

Konsequent gestaltetes Filmdrama um den realen Fall eines missgestalteten »Elefantenmenschen« im London des 19. Jahrhunderts. David Lynchs in Schwarz-Weiß gedrehter, zweiter Kinofilm von 1980 war ein großer Erfolg. In der Reihe Classic Cinema

1.2., 17.15 Uhr, Regina Palast

 

Augenhöhe

Selbstbestimmung, Demokratisierung, Potentialentfaltung in der Arbeitswelt: Der Film zeigt Unternehmen, in denen die neue Arbeitswelt bereits gelebt wird und die Menschen, die diese gestalten. Dokumentation von 2014. Filmvorführung im Gutenberg-Bau, Hörsaal 101

2. 2., 18 Uhr, HTWK Leipzig

 

Forbidden Voices: Bloggerinnen im Widerstand

How to start a revolution with a computer? Eine neue, vernetzte Generation moderner Widerstandskämpferinnen in Kuba, in China und im Iran. Schweizer Dokumentarfilm von 2012 von Barbara Miller.

3. 2., 19 Uhr, Frauenkultur

 

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