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Keine leichten Spiele für Frauen

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

FOXCATCHER Größeres Bild

Der Vorhang für die 65. Filmfestspiele Berlin hat sich geöffnet. Am Donnerstag wurden sie am Potsdamer Platz mit dem neuen Film der spanischen Kanadierin Isabel Coixet (»Mein Leben ohne mich«) eröffnet. Sie ist erst die zweite Regisseurin, der diese Ehre zuteil wurde. Im Mittelpunkt von »Nadie quiere la noche« stehen zwei Frauenfiguren, die den selben Mann lieben. In der eisigen Arktis stehen sich Juliette Binoche und Rinko Kikuchi (»Babel«) gegenüber. In der Enge des Iglus verdichten sich die Emotionen. Auch Werner Herzog erzählt in »Queen of the Desert« von einer starken Frau in feindlicher Natur – der Autorin Gertrude Bell, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Leben der Beduinen studierte. Nicole Kidman in der Hauptrolle überzeugt, die melodramatische Erzählung wird allerdings im Soundtrack von Klaus Badelt ersäuft. Abseits der Kinos fordert die Aktion »Pro Quote Regie« eine Frauenquote auf dem Regiestuhl. Filmemacherinnen soll der Zugang zu Fördermitteln erleichtert werden. Draußen in der Mediabubble wird protestiert. Drinnen laufen gerade mal drei Filme von Regisseurinnen im Wettbewerb. Das Thema wird die Berlinale sicherlich noch in der kommenden Woche bestimmen. Der kreuzer ist vor Ort.

Film der Woche: Mark und sein älterer Bruder Dave waren einst gefeierte Ringer. 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles holte sich Freistil-Ringer Mark die Goldmedaille in der Gewichtsklasse bis 82 Kilogramm. Dave triumphierte in der etwas leichteren Klasse. Einige Jahre später hat sich Dave mit seiner Frau und den beiden Kindern eingerichtet, bekommt einen aussichtsreichen Job als Trainer angeboten und will sich niederlassen. Der stille Mark tut sich wesentlich schwerer, seinen Platz abseits des Rampenlichts zu finden. Die beiden trainieren zwar noch miteinander, doch leben sie jeder für sich. Als Mark ein lukratives Angebot erhält, will er die Chance nutzen, sich von seinem Bruder zu lösen. Der sportbegeisterte Multimillionär John E. du Pont plant auf seiner Ranch eine Ausbildungseinrichtung für die zukünftigen Olympioniken und will Mark als Kopf engagieren. Du Pont steht allerdings unter den Fittichen seiner Mutter und droht mit seinem Ergeiz, sich zu emanzipieren das väterliche Verhältnis zu Mark zu vergiften. Regisseur Bennett Miller konzentriert sich bei dem glänzend besetzten Sportlerdrama stark auf die Psyche der Figuren. Ob das Publikum der eigenwillig-ruhigen Charakterstudie um Macht und Menschlichkeit zum Erfolg verhelfen wird, oder sie – wie schon Bennets letztes Meisterwerk »Moneyball« – verschmäht, bleibt abzuwarten.

»Foxcatcher«: ab 5.2., Passage Kinos

 

Was ist dran, an der Sprengkraft der politischen Satire des Autoren- und Regisseurduos Evan Goldberg und Seth Rogen? Nun, das nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim Jong-un kommt wahrlich nicht gut weg und wird als weinerliches Papasöhnchen entlarvt. Auf der anderen Seite stehen die Amerikaner in Person des Talk-Showhosts Dave Skylark (James Franco) und seines Produzenten Aaron Rapaport (Seth Rogen) nicht viel besser da, stellen sie sich doch bei der Ausführung ihres Auftrags, den Diktator zur Strecke zu bringen, doch nicht sonderlich helle an. Leider fehlt es der Komödie an Biss. Stattdessen gibt es wie üblich Fäkalhumor und Pimmelwitzchen. Eine verschenkte Chance also, mit einigen Lichtblicken. Unterm Strich lebt „The Interview“ vor allem von der Chemie seiner Hauptdarsteller. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»The Interview«: ab 5.2., CineStar, Cineplex, Regina Palast

Unbekannte Cyberkriminelle haben das Kühlsystem eines chinesischen Atomreaktors sabotiert, wodurch es zum Super-GAU auf der Anlage kommt. Kurz danach explodieren die Sojapreise und ein gut informierter Spekulant fährt über 70 Millionen Dollar Gewinn ein. Steckt der gleiche Hacker hinter den Angriffen, und was wird sein nächstes Ziel sein? FBI-Special-Agent Barrett ist nicht nur gezwungen, mit den chinesischen Behörden zu kooperieren. Der dortige Ermittlungsleiter besteht sogar darauf, einen wegen Cyberkriminalität zu dreizehn Jahren Haft verurteilten US-Amerikaner mit ins Untersuchungsteam zu holen, worauf sich dieser nur einlässt, wenn ihm bei Erfolg seine komplette Reststrafe erlassen wird. Diesen findigen Computer-Nerd Nicholas Hathaway spielt mit »Thor«-Muskelpaket Chris Hemsworth ein Mann fürs Grobe, der in dieser Rolle nicht so recht überzeugen kann. Das ist leider nicht der einzige Schwachpunkt in Michael Manns zumindest inhaltlich topaktuellem Thriller an abwechslungsreichen Schauplätzen von Chicago bis Jakarta. Mitunter sind dem Regisseur zwar einige recht packende Szenen gelungen, aber gemessen an anderen Arbeiten Manns rangiert dieser Film leider abgeschlagen im Mittelfeld. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.

»Blackhat«: «: ab 5.2., CineStar, Cineplex, Regina Palast

 

Die Filmtermine der Woche

Bonne Nuit Papa

Sehr persönlicher und bewegender Dokumentarfilm von Marina Kem auf den Spuren der Lebensgeschichte ihres Vaters, der als kambodschanischer Exilant in die DDR kam. Anhand von Fotos und Briefen, Stasi-Unterlagen und Zeitzeugen porträtiert sie ihren Vater und lernt ein unbekanntes Land, seine Schönheit, seine Kultur, aber auch seine schreckliche Vergangenheit kennen. Am 9.2. in Anwesenheit der Regisseurin Maria Kem.

6.–11.2. Cineding, 8., 11.2. Kinobar Prager Frühling

Kultig! Kultig Diese Filme sind ein Must See

Blues Brothers, Der Weiße Hai, Shaun of the Dead, Hot Fuzz, The Big Lebowski 5 Kultfilme für schlanke 10 Euro: der beschwingte »Blues Brothers«, Spielbergs Klassiker »Der Weiße Hai«, die beiden ersten Teile der Cornetto-Trilogie »Shaun of the Dead« und »Hot Fuzz« sowie »The Big Lebowski« von den Coen-Brüdern.

8.2., 13 Uhr, Regina Palast

Young@Heart

Der Chor »Youngheart« aus Massachusetts, bestehend aus 75- bis 92-jährigen, bringt mit Punk-, Soul- und Rocksongs von The Clash über James Brown bis Nirvana weltweit die Säle zum Kochen und die Herzen zum Schmelzen. Der Film ist ein hinreißendes Porträt der Mitglieder und ihrer Lebenslust und -freude. In der Reihe »Im Rausch der Töne und Bilder«: Kammermusik & Film mit Livebegleitung.

8. 2., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Lolita

Klassiker von Stanley Kubrick. Die verhängnisvolle Beziehung eines Professors zu einem frühreifen Mädchen. Erste Verfilmung des Romans von Vladimir Nabokov (1958).

9. 2., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Wer Rettet Wen? – Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit

Seit fünf Jahren werden Banken und Länder gerettet. Politiker schaffen immer neue Rettungsfonds, während mitten in Europa Menschen wieder für Hungerlöhne arbeiten. Es wird gerettet, nur keine Rettung ist in Sicht. – Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit.

11. 2., 20 Uhr, UT Connewitz

Arirang

Kim Ki-Duk, auf Filmfestivals rund um die Welt gefeiert, zog sich Ende 2008 komplett aus der Öffentlichkeit zurück und richtete die Kamera auf sich selbst. Ein entwaffnend ehrlicher Dokumentarfilm. Auftakt der Reihe »Der Venezianische Spiegel« mit einer Einführung durch die Filmische Initiative Leipzig.

12. 2., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der naTo

 

Moritzkino: Sin City

Helden gibt es in der Stadt der Sünde keine. Aber Männer, die sich von Korruption und Perversion nicht unterkriegen lassen: Nach dem Mord an seiner Lieblingshure begibt sich Schläger Marv auf einen brutalen Rachefeldzug. Privatdetektiv Dwight steht der Nutten-Gang seiner Ex-Geliebten Gail im Kampf gegen ein Verbrechersyndikat zur Seite. Und der herzkranke Cop Hartigan wird ein letztes Mal aktiv, um die Stripperin Nancy aus den Fängen des Triebtäters Yellow Bastard zu retten. Mit Hilfe digitaler Tricktechnik überträgt Regisseur Robert Rodriguez die düstere Stimmung aus Millers schwarz-weißer Hardboiled-Comic-Reihe in seine Filmbilder.

12.2., 20 Uhr, Moritzbastei

 

 

 

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