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Filmrausch und Rauschfilm

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

natuerlichemaengel Größeres Bild

Ist es Altersschwäche, oder ein Spiegelbild der grassierenden Ideenlosigkeit im Kino, dass die Berlinale in ihrem 65. Jahr so wenig Herausragendes zu bieten hat? Schon im Vorfeld wirkte der Wettbewerb eher wie Füllwerk, geschart um eine Handvoll Highlights. Neben Festivallieblingen wie Herzog, Wenders, Malick – die allesamt nicht die erhoffte Schlagkraft an den Tag legten – wurde die renommierteste Sektion der Filmfestspiele mit Filmen aus Guatemala und Chile gefüllt, die – ebenso wie der japanische Berlinale-Veteran Sabu – besser im Forum oder Panorama aufgehoben wären, wo die Nähe zum Publikum gegeben ist und der mediale Druck nicht so hoch. Die ansonsten stets spannenden Nebensektionen ließen derweil Highlights vermissen. Die Ausnahme war wie so oft das Generationen-Programm, denn hier sind die Zugangsregularien nicht so strickt und es dürfen auch Filme laufen, die ihre Weltpremiere woanders feierten. Ob davon nicht auch andere Sektionen profitieren würden, sollte vielleicht mal überdacht werden. Was ansonsten mehr denn je auffiel, ist die Vielzahl der Investoren, die mittlerweile nötig sind, um einen Film auf die Leinwand zu bringen. So dauert es schon mal einige Minuten, bis die kunterbunten Produzentenjingles durch sind oder die Diashow der zahlreichen Filmstiftungen und Förderprogramme. Der Zuschauer hustet derweil und lacht und wenn er ein Echo erfährt, ist er plötzlich nicht mehr allein im Dunkel des Kinos.

Film der Woche: Los Angeles 1970: Der Privatdetektiv und Drogenliebhaber Larry »Doc« Sportello (Joaquin Phoenix) staunt nicht schlecht, als seine Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston) eines Abends urplötzlich bei ihm auf der Matte steht. Sie erzählt ihm von ihrer Affäre mit dem Milliardär Mickey Wolfman (Eric Roberts) und dem Plan von dessen Frau und deren Liebhaber, den reichen Bauherrn zu entführen und in eine psychiatrische Anstalt zu stecken. Doc soll der verliebten Shasta nun helfen, dieses Vorhaben zu verhindern. Doch kaum hat der Ermittler mit seinen ersten Nachforschungen begonnen, verschwindet Mickey tatsächlich schon spurlos. Während Doc seine Bemühungen zur Aufklärung des Falls verstärkt, bekommt er es nicht nur mit seinem verfeindeten Ex-Kollegen Christian »Bigfoot« Bjornsen (Josh Brolin), sondern auch mit mehr und mehr zwielichtigen Gestalten zu tun. Dabei verstrickt er sich immer tiefer in Ärger, aus dem ein unbeschadetes Entkommen zunehmend unwahrscheinlicher wird. Basierend auf der Romanvorlage von Thomas Pynchon reist Meisterregisseur Paul Thomas Anderson erneut in die drogengeschwängerten Siebziger, wo er schon seine »Boogie Nights« feierte. Joaquin Phoenix glänzt als dauerbekiffter Hippie im Taumel der Ereignisse. Andersons Krimikomödie liefert einen virtuosen Spaß im Delirium zwischen »Fear and Loathing in Las Vegas« und »Der Tod kennt keine Wiederkehr«.

Inherent Vice: ab 12.2., Passage Kinos

kreuzer verlost 2 Gewinnpakete mit je 2 Freikarten und der Romanvorlage von Thomas Pynchon (rororo Verlag). eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: »Groovy«)

Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat das »Filmkollektiv Schwarzer Hahn« um Regisseurin Hanna Löwe den Treptower Kiez mit der Kamera begleitet. In einem Mix aus Interviews mit Protestlern und auch Baugruppenmitgliedern, Aufnahmen von
Baustellen, Demonstrationen und Versammlungen zeichnet der Film ein konkretes Bild davon, was in den letzten Jahren in Treptow passiert ist, und steht zugleich stellvertretend für viele andere Stadtteile mit gleichen Problemen. Schon seit Längerem kämpft Berlin mit jenem Phänomen, was unter dem ungelenken Wort »Gentrifizierung« seine ganze Entfaltung findet. Gleich zu Beginn des Films werden deshalb im Zeitraffer Ereignisse der letzten Jahre wie etwa Zwangsräumungen oder auch Baumessen aneinandergereiht. Es ist eine ambitionierte filmische Arbeit, die – wenn auch unbeabsichtigt – Partei ergreift. Das allein wird schon zu Diskussionen nach der Filmvorführung führen. Die sind auch ausdrücklich gewünscht. Hanna Löwe wird bei der
Vorstellung in Leipzig anwesend sein. Ausführliche Kritik von Eileen Reukauf im aktuellen kreuzer.

»Verdrängung hat viele Gesichter«: ab 12.2.m Cineding (am 12.und 13.2. in Anwesenheit der Regisseurin)

 

Nick Wild (Jason Statham) hat es satt: Seit Jahren schlägt sich der ehemalige Söldner als Detektiv und Gelegenheitsbodyguard im Zockerparadies Las Vegas durch, obwohl er doch am liebsten sofort nach Korsika auswandern würde. Dafür fehlt allerdings das nötige Kleingeld. Als ihn eines Tages seine Ex-Flamme Holly (Dominik García-Lorido) übel zugerichtet um Hilfe anfleht, wird er schneller als ihm lieb ist in ein schmutziges Spiel mit dem einflussreichen Danny DeMarco (Milo Ventimiglia) hineingezogen. Die Männer DeMarcos im Nacken, stürzt sich Nick Wild tief in die Abgründe von Las Vegas und entfesselt eine gefährliche, alte Leidenschaft.

Wild Card: ab 12.2., CineStar, Regina Palast, Cineplex

kreuzer verlost 1 Gewinnpaket aus Plakat, Kartenspiel und Würfelset. eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: »Statham«)

Brigitte und Xavier (Isabelle Huppert/Jean-Pierre Darroussin) leben als Rinderzüchter in der Normandie, teilen sich Alltag und Arbeit. Seitdem die Kinder aus dem Haus sind, geht alles seinen geregelten Gang, das Geschäft läuft, ihr Zuchtbulle Ben Hur gewinnt Preise, das lang verheiratete Paar hat sich eingerichtet zwischen Tradition und Moderne, die Liebe brennt auf Sparflamme. Als die attraktive Mittfünfzigerin den jungen Pariser Stan (Pio Marmai) bei einer Party im Nachbarhaus kennen lernt, genießt sie seine Komplimente und den flirrenden Flirt unterm Sternenhimmel. Plötzlich spürt sie den dringlichen
Wunsch, aus der gewohnten Routine auszubrechen. Unter dem Vorwand, einen Dermatologen zu besuchen, fährt sie für zwei Tage und Nächte in die Metropole. Nach einem enttäuschenden Wiedersehen mit Stan trifft sie den charmanten dänischen Geschäftsmann Jesper (Michael Nyqvist) und erlebt mit ihm die Lichterstadt an der Seine von einer prickelnden und aufregenden Seite. Was sie nicht weiß: Ihr Mann hat erfahren, dass der Arzt schon lange nicht mehr praktiziert, und ist ihr heimlich gefolgt. Isabellle Huppert mal anders: als bodenständige Brigitte, die von einem anderen Leben träumt. Etwas betulich inszeniertes Ehedrama, das vor allem von seinen Darstellern lebt.

Sehnsucht nach Paris: ab 12.2., Passage Kinos

Der größte globale Bestseller der letzten Jahre erzählt die Geschichte der 21-jährigen Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson), die für ihre Universitätszeitung ein Interview mit dem 27-jährigen Milliardär Christian Grey führt. Grey tritt derart arrogant und anzüglich auf, dass sich die junge Frau völlig überrumpelt fühlt – ihr Fluchtimpuls weicht aber bald einer geheimen
Faszination, der sie sich nicht entziehen kann. Unentrinnbar wird Anastasia in Greys Bann gezogen, der ihr eine ungeahnte Welt eröffnet. Der Roman der Londoner Autorin E. L. James stürmte die Bestsellerlisten und erwies sich sofort als weltweites Phänomen: Insgesamt sind von der Trilogie (»Geheimes Verlangen«, »Gefährliche Liebe« und »Befreite Lust«) bisher über 100 Millionen Exemplare verkauft und in 51 Sprachen übersetzt worden. Die Faszination bleibt dem Außenstehenden wohl weitgehend verborgen. Die filmische Umsetzung ist Hochglanztrash, gut besetzt in den Hauptrollen und ungewohnt freizügig für US-Verhältnisse, aber weit entfernt von Skandal und Tabubruch. Eine überlange Folge »Sex and the City« ohne Carrie, dafür mit Fesselspielchen.

Fifty Shades of Grey: ab 12.2., CineStar, Cineplex, Regina Palast

Die Flimmerzeit im Februar u.a. mit INHERENT VICE

 

Die Filmtermine der Woche

14. Klangkino – Dracula (USA 1931) – Livevertonung: Yosai
Heute gibt es den Klassiker »Dracula« von 1931 mit einer Livevertonung der Band Yosai.
13.2., 20 Uhr, Cineding

 

Preview: »Altman«
Der legendäre Regisseur Robert Altman prägte nicht nur die Entwicklung der Kunstform Kino, sondern auch den westlichen Zeitgeist. Der Film beleuchtet das mehr als 50 Jahre währende Schaffen eines der wichtigsten Regisseure in der Geschichte des amerikanischen Films.
15.2., 13 Uhr, Passage Kinos

 

Die Kraft der Schmetterlinge

Von Menschen in Mittelamerika, die, statt auf Lösungen seitens ihrer Regierungen zu hoffen, sich zusammentun, sich organisieren und so eigene Lösungen und Alternativen schaffen.

15.2., 17 Uhr, Die ganze Bäckerei

 

Fitzcarraldo

Der besessene Fantast Fitzcarraldo versucht mit allen Mitteln, seinen Traum von der Oper im Amazonas-Urwald zu verwirklichen. Ungewöhnlicher Abenteuerfilm vor einer eindrucksvollen Kulisse.

15.2.,17.50 Uhr, Regina Palast

 

Heimat ist Heimat

Ein Kurz-Dokumentarfilm über das Leben eines palästinensischen Gastarbeiters in Deutschland und seine Rückkehr in die Heimat des Herzens. Premiere mit Filmteam und Gespräch.

16.2., 20 Uhr, Cineding

 

Die Unbestechlichen

Die aufstrebeneden Jung-Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward fallen bei ihren Recherchen zum Watergate-Einbruch einige Ungereimtheiten im Polizeibericht auf und beginnen auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Den Journalisten
gelingt es, einem politischen Komplott auf die Spur zu kommen, das bis zu Präsident Richard Nixon persönlich reicht.

19.2., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

 

Stummfilme mit Live-Musik – Charlie Chaplin, Buster Keaton, Felix the Cat u. a.

Charlie Chaplin, Buster Keaton, Felix the Cat und andere – Stummfilme mit Live-Begleitung am Flügel durch Richard Siedhoff – Benefizveranstaltung von »Ingenieure ohne Grenzen«.

19.2., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der naTo

 

Filmriss Filmquiz

Der Vorhang hebt sich, die Titelmusik beginnt, ein Geistesblitz und ihr seid um ein T-Shirt reicher. Ein Auto fährt vor, Bruce Willis steigt aus, ihr wisst Bescheid und die DVD gehört euch. Ihr singt die Bond-Songs unter der Dusche und werft eurem Spiegelbild nen Schwarzenegger-Spruch entgegen, wenn keiner hinhört? Dann seid ihr hier genau richtig! André Thaetz und der Autor dieser Zeilen belohnen euer Talent mit Bergen voll Goodies, Merch und Krempel aktueller Kinoproduktionen. Hier wird Film gefeiert und in Erinnerung an unvergessliche Szenen, Sets und Zeilen geschwelgt. Auf der großen Leinwand, in Technicolor und Dolby Stereoton.

19.2., 20.30 Uhr, Conne Island

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