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Mit Buch und ohne

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

leviathan_2015 Größeres Bild

Auch zur Buchmesse wollen wir nicht auf Kino verzichten. Vielmehr bietet sich eine Reihe von Veranstaltungen an, die Buch und Film vereinigen. Pier Paolo Pasolinis lange verschollen geglaubter Dokumentarfilm »Der 12. Dezember« etwa, der im Rahmen einer Buchvorstellung im Luru zu sehen ist. Oder die Präsentation des Reiseromans des im vergangenen Jahr verstorbenen Dokumentarfilmregisseurs Michael Glawogger im UT. Weitere Veranstaltungen mit Buch und ohne findet ihr im Anschluss an die Filmstarts der Woche und natürlich aktuell im Tageskalender.

Die Flimmerzeit im März

FLIMMERZEIT März 2015 from inonemedia on Vimeo.

Film der Woche: Andrey Zvyagintsevs »Leviathan« ist eine russische Filmperle, kein Zweifel. Doch steckt viel bitterer Schmerz im düsteren Herzen der Geschichte. Sie führt einen mitten hinein ins Innerste einer Familie und den moralischen Zustand eines gesamten Landes. Zeitgleich beobachtet der Film die Ehe zwischen Kolia und Lilya, widmet sich den Problemen des heranwachsenden Sohnes Roman und beschreibt die scheinheiligen Verhältnisse zwischen Kirche und Staat, ohne dabei in einen pessimistischen Sozialrealismus abzudriften. Eben das verhindern die Erzählform einer mythischen Parabel, der reduzierte Streicherscore von Philip Glass und die umwerfende Bildästhetik. Das oscarnominierte Werk behandelt die Frage, wie lange Menschen in einem Staat oder einer Familie an die Illusion schützender Gemeinschaft glauben, wenn sie dafür ihre Freiheit aufgeben müssen. Das Ergebnis ist wirklich grandios – nur allzu gern lässt man sich von dessen gemächlicher Wucht platt walzen. Ausführliche Kritik von Stephan Langer im aktuellen kreuzer.

»Leviathan«: ab 12.3., Passage Kinos
kreuzer verlost Freikarten. eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: »Ironische Schönheit«)

Äthiopien 1996: Der Fall der 14-jährigen Hirut beschäftigt die Medien und sorgt für ein Umdenken in der Gesellschaft. Die Entführungen von Frauen, die gegen ihren Willen verheiratet werden, sollen ein Ende finden. Bis es soweit war, musste die resolute Anwältin Meaza Ashenafi einen zermürbenden Kampf gegen Staat und althergebrachte Traditionen führen. Als Advokatin für eine Frauenrechtsorganisation behauptet sie sich täglich in der männerdominierten Gesellschaft. Als sie auf Hirut aufmerksam wird, sitzt die bereits im Gefängnis. Sie hat ihren Entführer erschossen und das Gesetz des Ältestenrates fordert nun ihr Leben als Wiedergutmachung. Hiruts Eltern, arme Nomaden, müssen hilflos dabei zusehen. Meaza schaltet sich ein und geht furchtlos bis in die obersten Reihen der Staatsführung, um Hiruts Leben zu retten.
Ihre bewegende Geschichte wurde von dem ägyptischen Regisseur Zeresenay Berhane verfilmt. Filme aus dem Land am Nil sind in unseren Kinos quasi nicht existent. »Das Mädchen Hirut« ist ein kleines Juwel mit einer beeindruckenden Leistung der jungen Hauptdarstellerin, kompetent inszeniert für ein internationales Publikum. Das liegt auch am westlichen Touch des Projekts: Kamera und Schnitt stammen von zwei polnischen Filmemacherinnen, die Musik komponierten zwei Amerikaner und produziert wurde der Film von UN-Botschafterin Angelina Jolie. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Das Mädchen Hirut«: ab 12.3., Passage Kinos
kreuzer verlost Freikarten. eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: »Difret«)

Eine Geheimorganisation, die noch geheimer ist als die herkömmlichen staatlichen Geheimdienste und zudem nicht deren bürokratischen Regularien unterliegt – Harry Hart (Colin Firth) arbeitet an vorderster Front für die so genannte »Kingsman«-Einheit. Der junge Asoziale Eggsy (Taron Egerton) ist der Sohn eines Kollegen von Harry, dem dieser sein Leben verdankt. Um Eggsy aus seinem sozialen Elend zu befreien, schlägt Harry dem Jungen vor, die harte Trainingsschule von »Kingsman« zu durchlaufen. Das erweist sich schnell als äußerst gelegen, denn der Milliardär Richmond Valentine (Samuel L. Jackson) hat größenwahnsinnige Pläne, die es unbedingt zu verhindern gilt. Regisseur Matthew Vaughn entwickelte mit »Kick-Ass«-Zeichner Mark Millar auch die Comicvorlage. Seine außergewöhnliche Filmumsetzung lässt staunen. In fulminant choreografierten Actionsequenzen spult der innovative Regisseur ein Feuerwerk der Unglaublichkeiten ab, von beinharten Brutalitäten bis hin zu comichaft-komischen Gewaltexzessen. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.

»Kingsman – The Secret Service«: ab 12.3. CineStar, Regina Palast, Cineplex

Rosemarie »Ruby« (Viktoria Schulz) und Martin (Anton Spieker) und ihre Träume von Musik, Liebe und Berlin, die an der Unerbittlichkeit der elterlichen und staatlichen Erziehung zerschellen. Die zwei Verliebten werden nach einer kurzen Zeit des Glücks und der gemeinsamen Pläne auseinandergerissen und wegen drohender Verwahrlosung in öffentliche Fürsorge gezwungen. Ruby in ein kirchliches Mädchenheim und Martin in ein berüchtigtes Erziehungsheim. Der Film zeigt in kalten Schwarz-Weiß-Bildern zunächst den Mief, dem das Paar eigentlich entfliehen will, und dann die ganze Rigidität und Grausamkeit des damaligen Erziehungssystems. Auch wenn der Film versucht, die Brüche und zahlreichen Ambivalenzen der Figuren in dynamische Bilder zu übersetzen, bleibt er doch eigentümlich blutleer. Ausführliche Kritik von Maret Wolff im aktuellen kreuzer.
»Von jetzt an kein Zurück«: ab 15.3., Schaubühne Lindenfels

Die Filmtermine der Woche

Michael Glawogger – Dokumentarfilmregisseur und Romanautor

Michael Glawoggers Roman handelt von einem »er«, der gerne reist und dabei um die ganze Welt kommt. Es sind scharf beobachtete Episoden aus dem Leben eines neugierigen Mannes, der in den sich doch immer mehr ähnelnden Hotels rund um den Globus absteigt und dabei den verschiedensten Menschen begegnet. Es werden Ausschnitte seiner Filme gezeigt, die speziell für diesen Anlass zusammengestellt wurden.
Das erste Buch des weltreisenden Dokumentarfilmers Michael Glawogger – eine posthume Präsentation mit Andrea Glawogger, Eva Manesse und Mona Willi 12.3., 18 Uhr, UT Connewitz

 

Der 12. Dezember

Verloren geglaubter Dokumentarfilm von Pier Paolo Pasolini. Im Fokus: der Hauptsitz der Banca Nazionale dell‘ Agricoltura in Mailand nach dem rechtsterroristischen Bombenanschlag am 12. Dezember 1969. Mit Buchvorstellung und Gespräch.

14.3., 20 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

 

Der englische Patient

In einem toskanischen Kloster von einer Krankenschwester gepflegt, erinnert sich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ein schwer verletzter Pilot an eine leidenschaftliche und tragische Liebe. Eindrucksvolles, oscargekröntes Epos nach dem Roman von Michael Ondaatje. Im Rahmen der Classic Reihe

15.3., 17.15 Uhr, Regina Palast

 

Growing Cities

Urban Farming in den USA und wie es die Art der Ernährung in den Städten ändern kann. US-Dokumentarfilm von 2013.

15.3., 17 Uhr, Die ganze Bäckerei (OF)

 

Die Arier

Dokumentarfilm von Mo Asumang. Eine persönliche Reise auf der Suche nach den Ursprüngen des Arierbegriffs und dessen Missbrauch durch Rassisten in Deutschland und den USA.

16.3., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

 

Demokratie heute, Asyl und Verantwortung

Thematischer Abend mit Dokumentarfilmen: »Mit offenen Karten«/»Waffen für die Welt – Export außer Kontrolle«.

17.3., 19 Uhr, Frauenkultur

 

Bataillon

Der aktuelle Film von Regisseur Dmitry Meskhiev erzählt die Geschichte eines Bataillons von Frauen, das auf Befehl von der Übergangsregierung im Jahre 1917 in St. Petersburg aufgestellt wurde. Die wichtigsten Ziele der Frauentruppe waren es, die Moral der Armee zu stärken, sowie die Männer, die sich weigerten zu kämpfen, zu beschämen.

18.3., 20 Uhr, Cineplex (OF)

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