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Kennenlernen, um zu verstehen

»Auf gute Nachbarschaft« organisiert Veranstaltungen zu Flucht, Asyl und Rassismus

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Zum dritten Mal will das Bündnis »Auf gute Nachbarschaft« rassistischen Bürgerinitiativen vorgreifen. Bei Veranstaltungen in Mockau, Wiederitzsch, Paunsdorf und Umgebung sollen dabei Barrieren abgebaut werden, bevor sie entstehen.

Man kennt die Bilder aus den Rändern der Stadt, auf denen Menschen fackeltragend »Nein zum Heim« und andere rassistische Parolen skandieren. Leipzig hat in den vergangenen Jahren viele Probleme mit sogenannten Bürgerinitiativen gehabt, die sich gegen Unterkünfte für Geflüchtete oder den Bau der Ahmadiyya-Moschee auflehnten. Mal getragen von der NPD, mal initiiert von »besorgten Anwohnern«, konzentrierten sich die Proteste vor allem auf eine Einrichtung in Schönefeld sowie den Moscheebauplatz in Gohlis. Zuletzt haben Anwohner die diffuse Angst um ihre Kleingärten auf einer Informationsveranstaltung zur neuen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Dölitz-Dösen kundgetan. Und dann ist da noch Legida, die wöchentlich ihre Parolen über angeblichen Asylmissbrauch und Islamisierung des Abendlandes durch die Innenstadt verlautbaren lassen.

Die Situation für Geflüchtete in Leipzig ist prekär, und auch antirassistische Initiativen leisten derzeit einen enormen Kraftaufwand. Dass die Stadt weiter an dem Konzept der zentralisierten Unterbringung Geflüchteter festhält, macht dies nicht leichter. Viele Unterkünfte stehen an den Rändern der Stadt, oftmals weit weg von der immer wieder propagierten »Weltoffenheit«. Paradebeispiel ist die oft kritisierte Unterkunft in der Torgauer Straße, im Industriegebiet gelegen zwischen Lagerhalle und Brachfläche. Hinzu kamen nun vergangenes Jahr zwei Notunterkünfte in Eutritzsch und Paunsdorf. Die Planungen für ein Heim im Zentrum der Stadt wurden auf Eis gelegt.

Um rassistischen Bürgerinitiativen vorzugreifen, hat das Bündnis »Auf gute Nachbarschaft« nun zum dritten Mal eine Veranstaltungsreihe zum Thema Flucht, Asyl, Migration und Rassismus auf die Beine gestellt. Die Idee ist es, Barrieren abzubauen, bevor sie entstehen. In Mockau, Wiederitzsch, Paunsdorf und Umgebung finden damit in den nächsten drei Monaten zahlreiche Termine statt, die den Anwohnern und Interessierten eine andere Perspektive zeigen wollen, als die, die derzeit durch die Gidas den politischen Diskurs bestimmen. Und damit die Möglichkeit geben zu verstehen, warum Menschen sich in die Notsituation einer Flucht begeben.

Gestartet wurde die Veranstaltungsreihe vergangenes Wochenende mit der Ausstellung »Flucht und dann?« im Begegnungszentrum Wiederitzsch. Merseburger Studierende stellen hier Exponate aus, die Fragen rund um die Themen Flucht und Asyl für jeden verständlich klären. Es gibt Audiobeiträge von Menschen, die ihre Fluchtgeschichte erzählen, Hintergrundinformationen zum Asylverfahren, Infografiken zu Fluchtregionen und Residenzpflicht. Im Mittelpunkt steht die Frage »Was gibt man auf, wenn man seine Heimat verlassen muss?«. Auch die anderen Veranstaltungen setzen ihren Fokus darauf, die Lebensrealitäten Geflüchteter verständlich zu machen und einen Austausch zu ermöglichen. Neben mehreren Begegnungscafés, Spielenachmittagen, Filmvorführungen und einem Stadtteilforum gibt es auch eine Veranstaltung, auf der Geflüchtete zu Wort kommen und ihre Erfahrungen darstellen. Ein antirassistisches Argumentationstraining soll außerdem dabei helfen, auf klassische Argumentationen gegen Asylsuchende zu reagieren und diese mithilfe von Fakten ad absurdum zu führen.

Die Veranstaltungsorte an den Rändern der Stadt sind dabei bewusst gewählt. »Wir haben in Wahren und Schönefeld in den vergangenen Jahren feststellen können, dass unser Veranstaltungsangebot Menschen zusammenbringt und den Dialog fördern kann«, so Marion Simmerl, Pressesprecher des Bündnisses. »Das möchten wir auch im Leipziger Nordosten schaffen, um damit einen Gegenpol zur zunehmend feindseligen Stimmung gegenüber Asylsuchenden und geflüchteten Menschen zu bieten.« Das Bündnis aus Jusos Sachsen, der Jugendgruppe À gauche, Prisma, »Engagiert für Flüchtlinge in Leipzig« und Mitgliedern des Initiativkreis Menschen. Würdig zielt auf einen Dialog und ein besseres Verständnis der Anwohner für die Lebensrealitäten Geflüchteter. Und hofft, dass sie einen Beitrag dazu leisten können, dass die Bilder von Fackelmärschen um die Unterkünfte Asylsuchender der Vergangenheit angehören.

Nächste Ausstellungstermine: 24., 26.3., 17 Uhr
Infos zur Veranstaltungsreihe: http://aufgutenachbarschaft.blogsport.de/

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Ein Kommentar

  1. Marcel k | 24. März 2015 | um 16:21 Uhr

    In leipzig braucht man keine Initiativen sondern busse und züge die migranten aus dem osten deutchlands rausbringt! Leipzig bzw Sachsen ist eigentlich eine NO GO AREA für menschen denen man dem migrationshintergrund ansieht…

    wer hier lebt kann das sofort bezeugen! täglich rassistische blicke, ja täglich und davon nicht zu wenige!

    ich komme aus nrw und bin froh das mein studum jetzt bald zuende istund ich aus dem 3- reich wieder in mein Deutschland zurück kann! nie wieder nach sachsen!