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Park zu verkaufen

Eine öffentlich genutzte Grünfläche wird bei Immonet angeboten – kein Einzelfall

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Ein Zettel an Haustüren machte darauf aufmerksam. In Connewitz soll ein kleiner Park verkauft werden – für 2,2 Mio. Euro. Die Anwohner haben Angst, dass ihnen ihr Platz genommen wird. Die Stadt sagt, das könnte in Zukunft öfter passieren.

»Connewitz wird weiter verkauft« steht auf den Zetteln, die im Leipziger Süden an Türen und Wände geklebt wurden. Darunter die Anzeige von Immonet, dass der kleine Park an der Leopoldstraße verkauft wird. 5.600 qm für 2.212.000 Euro. »Das Bauamt Leipzig bestätigte die Möglichkeit der Wohnbebauung«, heißt es weiter. Das stimmt. Im Flächennutzungsplan der Stadt ist der jetzige Park Teil der ausgewiesenen Wohnbauflächen in Connewitz. »Die Errichtung einer z. B. den Blockrand schließenden Wohnbebauung in den Maßstäben der angrenzenden Bebauung wäre daher jederzeit zulässig«, erklärt das Dezernat Stadtentwicklung auf kreuzer-Anfrage. Das hätte aber auch der jetzige Eigentümer, der das Grundstück 2004 gekauft hat, schon seit Jahren tun können. 2001 wurde der Platz als »Interimsgrünfläche« gestaltet, wofür es Fördergelder gab und dafür in einem Gestattungsvertrag festgehalten wurde, dass der Eigentümer den Park fünf Jahre nicht anders nutzen würde. Die aktuellen Eigentümer haben dann auch danach die öffentliche Nutzung zugelassen.

Das würde sich nach dem Verkauf mit großer Wahrscheinlichkeit ändern. »Wenn wir es verkauft bekommen, wird es kein Park bleiben«, ist sich Frau Darr von der Firma Darr Immobilien sicher. »Wieso sollte es sonst jemand kaufen?« Darr ist die Ansprechpartnerin für potentielle Käufer. »Ein Pflegeheim oder betreutes Wohnen gehören zu den Interessenten«, erklärt sie. Bürogebäude kämen nicht in Frage, aber kleine Läden.

Anwohner oder Connewitzer wie die »Initiative Connewitzer Leopoldstraßenpark«, die den Park, wie er jetzt ist, erhalten wollen, können die Bebauung nur verhindern, wenn sie das Grundstück selbst kaufen. Die Stadt verwies aber darauf, dass in der Nähe in den letzten Jahren mehrere öffentliche Grünflächen gesichert und gestaltet wurden: »Zu nennen sind hier der Kronengarten, der Herderplatz und die Grünfläche um den Streetballplatz am Connewitzer Kreuz.«

Dass Grünflächen wieder bebaut werden, könnte demnächst öfter passieren. Denn es gibt in Leipzig viele weitere Flächen wie den Park an der Leopoldstraße, die privaten Eigentümern gehören und die bebaut werden dürften, aber bislang noch unbebaut und für alle zugänglich sind. Das liegt an dem rapiden Bevölkerungsverlust der Stadt in den 90er Jahren, wegen dem es den Eigentümern damals nicht sehr gewinnbringend erschien, die Brachen zu bebauen. Daher verzichteten sie für eine begrenzte Zeit auf eine eigene Nutzung und erlaubten, den Platz für einige Zeit öffentlich zu nutzen und zu gestalten. »In der nun seit einigen Jahren stark wachsenden Stadt ist davon auszugehen, dass gerade an nachgefragten Wohnstandorten zunehmend auch solche privaten Grundstücke von ihren Eigentümern wieder einer (Wohn-)Bebauung zugeführt werden«, heißt es im Baudezernat.

Wann der Park an der Leopoldstraße verkauft wird, ist noch völlig unklar. Es könnte auch noch eine Weile dauern. 2014 stand er schon mal zum Verkauf. Ein Käufer fand sich nicht.

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