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Editorial 04/2015

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der April-Ausgabe des kreuzer. Interimschefredakteur Tobias Prüwer berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

»Du linke Ratte stehst auf unserer Besucherliste!« – Nicht immer freut man sich über Leserpost, besonders dann nicht, wenn so eine Droh-E-Mail noch mit der privaten Adresse garniert ist. Einschüchterungsversuche von rechts gegen Journalisten und politisch Aktive sind nichts Neues. Besser oder erträglicher macht das diese anonymen Botschaften allerdings nicht – in der letzten Zeit sind neben dem kreuzer-Interimschef in Leipzig mehrere Menschen hiervon betroffen gewesen. Ans Aufhören denkt wohl aber niemand, dann hätten Legida & Co. ja gewonnen. Warum es nur ein kleiner Sieg ist, wenn die montäglichen Demos, dieses Sorge-ums-Abendland-Ringgelatsche in hoffentlich ein paar Wochen in sich zusammenfallen wird, erklärt Sozialwissenschaftler David Begrich im Interview auf den Politikseiten. Aus den Köpfen verschwinden ja solche Haltungen und Einstellungen damit nicht. Es gebe viel zu tun, so sein Tenor, immerhin seien Kosmopoliten in Ostdeutschland eine Minderheit. Hat er recht? Über Ihre Leserpost würden wir uns freuen.

Übler Geruch war jahrzehntelang auch das Markenzeichen der Leipziger Gewässer. Braun und stinkig, schaumgekrönt führten die siechen Flüsse und Gräben nicht minder ungesundes Wasser. Um den ökologischen Wahnsinn zu übertünchen, wurden viele Flüsse einfach von Betondächern überdeckt und aus dem Stadtbild gedrängt. Drum werden einige das Label »Wasserstadt Leipzig« weglächeln – dieses Lächeln könnte man aber schon mit der schieren Quantität einfrieren. Denn das Vierstromland aus Elster, Pleiße, Parthe, Luppe und ihren Nebenarmen wartet mit einer Vielfalt anderer Rinnsale und Bäche auf. Haben Sie schon einmal von der Patzschke und der Nahle gehört, von Rödel und Paußnitz, vom Flurgrenzgraben, Leinegraben und dem Zickmantelschen Mühlgraben? Ganz abgesehen von Schwarzer Lache, Baschke, Hartmannschlenke, Wischke, Hundewasser, Zschampert, Lober, Flößgen, Biela, Kuhstrangwasser. Brechen wir die nicht erschöpfende Aufzählung hier ab. Ein genauerer Blick auf das Verhältnis der Stadt und ihrer Bewohner zum Wasser lohnt sich. Den wagt die Titelgeschichte. In dieser erklären unsere Autoren Clemens Haug und Franziska Reif, warum der Auwald nicht vertrocknen darf und der Eisvogel nicht weinen muss. Sie skizzieren zudem die Vision hinter dem geplanten Anschluss Leipzigs an die Weltmeere – wer hat eigentlich etwas davon, wenn man bis Hamburg paddeln kann, die Norddeutschen oder die Leipziger? Klein-Venedig auf großer Fahrt quasi.

Noch ein bisschen weiter hinter der Elbmündung tut sich die neue Welt Amerikas auf. Einer, der das weite Land vereinigter Staaten den Menschen im hiesigen MDR-Sendegebiet näherbringen möchte, ist Scott Riedmann. Weil Leipzig im April 1945 von der US-Army befreit wurde, bat der kreuzer den US-Konsul zum Gespräch über Gestern und Gegenwart, seine Lieblingsorte in Leipzig, dies und das und Rote Bete.

Kraut und Rüben geht immer? Warum Bio-Essen eben nicht immer an den Kita-Tischen und in der Schulspeise geht, hat Gastro-Redakteurin Petra Mewes recherchiert. Mal wieder ist die Ökonomie schuld. Ökologische Fortbewegung hingegen ist gar nicht so schwer, wie das Spezial zeigt. Alles rund ums Fahrrad gibt es dort zu erfahren. Der beste Tipp ist sicherlich der, wie Sie Ihr Pedal-Mobil fit für die nächste Ausfahrt ins Grüne machen. Man muss ja nicht bis Mai warten, um an ausschlagenden Bäumen ins Kraut zu schießen. Geben Sie dabei auf sich acht.

Möge Ihr April nicht zu launisch werden und seine Kapriolen aufs Wetter beschränken.

Wasser marsch!

TOBIAS PRÜWER (als Elternzeitvertretung)

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

Was sonst noch im Heft steht: Inhaltsverzeichnis, Monatstipps und Einblicke zeigt die Leseprobe unseres ePapers.

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