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Trommelwirbel

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Diese Kinowoche gibt mal wieder ein gutes Beispiel dafür ab, wo die Vorteile einer Absprache zwischen den Leipziger Kinos liegen, bzw. wie es laufen kann, wenn es eben nicht läuft. »Whiplash« war der erfolgreiche Underdog der diesjährigen Oscarverleihung. Der Independentfilm ist ein Leidenschaftsprojekt des Regisseurs und Autors Damien Chazelle und aller Beteiligten. Am Ende zahlte sich die Leidenschaft aus und er ging als Gewinner der Herzen mit stolzen drei Trophäen nach Hause. In Deutschland brachte Sony ihn perfekt terminiert am 19. Februar in die Kinos – nur eben nicht in Leipzig. Nun ist es per se eine undankbare Position, Indie eines Majors zu sein. Fox beweist immer wieder Hingabe und gab zuletzt »Birdman« jede Unterstützung, die er brauchte, um auch an den deutschen Kinokassen zu fliegen. Andere, wie eben Sony mit ihrer Subdivision Sony Classics, haben da ein weniger gutes Händchen. Nun war »Whiplash« in manchen Städten in einigen Multiplexen zu sehen, in anderen setzten sich größere Programmkinos dafür ein, den Film ihrem Publikum zu servieren. Nur eben bei uns dauerte es fast zwei Monate, bis er nun doch endlich das Licht der Kinoleinwände erblickt, weil sich eine Kinobetreiberin dafür einsetze. Schuld daran ist auch die fehlende Transparenz der Programmplanung einiger Kinos der Stadt. Man kocht eben lieber sein eigenes Süppchen, als sich an einen Tisch zu setzen. Wir rollen der Kinobar Prager Frühling den Teppich aus und empfehlen euch allen, den fulminanten Film in dieser Woche endlich nachzuholen. Viel Spaß im Kino!

Film der Woche: Der 19jährige Schlagzeuger Andrew (Miles Teller) glaubt sich am Ziel seiner Träume, als Terrence Fletcher, der Lehrer und Leiter der Jazz-Band an einem angesehen New Yorker Konservatorium, ihn in die Band aufnimmt. Er will einer der größten Drummer der Welt werden und der Erfolg in Fletchers Band könnte der Schlüssel seiner Musikerkarriere sein. Kompromisslos setzt Fletcher seine Auffassung durch, dass wahre künstlerische Größe allein nur durch harte Arbeit bis zur Selbstaufgabe erreicht werden kann. Neben all dem Schweiß, Blut und Tränen des jungen Schlagzeugers wirkt Natalie Portmans Ballett-Training in »Black Swan« fast schon wie ein Sonntagsspaziergang. Chazelle hat seinen Film wie einen Thriller aufgebaut, in dessen Zentrum die Abhängigkeitsbeziehung zwischen dem charismatischen Lehrer und dem ehrgeizigen Schüler steht. An der Darstellung eines manipulativen Charakters von J.K. Simmons, der kürzlich zurecht dafür mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, werden sich alle Bösewichte der folgenden Kinojahre messen lassen müssen. Vor allem aber beweist sich Regisseur Chazelle mit diesem spannenden und fokussierten Debüt als vielversprechender Nachwuchsfilmemacher. Ausführliche Kritik von Martin Schwickert im aktuellen kreuzer.

»Whiplash «: ab 2.4., Kinobar Prager Frühling


»Every Thing Will Be Fine« ist ein fesselndes Drama mit einem Kniff: 3D-Fan Wim Wenders (»Pina«) kam die Idee, das Drehbuch von Bjørn Olaf Johannessen in dreidimensionaler Optik zu inszenieren und man stellt sich unweigerlich die Frage, inwiefern sein stilles Charakterdrama davon profitieren würde. Wenders und sein Kameramann Benoît Debie (»Irreversibel«) nutzen den Raum und arbeiten mit Licht, um eine Film Noir-Atmosphäre zu erzeugen. Ein Gefühl des Unbehagens zieht sich durch den gesamten Film, der seinen Anstoß mit einem Unfall nimmt und der schicksalhaften Bekanntschaft des Schriftstellers Tomas (James Franco) und der Illustratorin Kate (Charlotte Gainsbourg). Am Telefon tauschen sie immer wieder ihre Gedanken und Gefühle aus. Kunstvoll verbinden sich die fernen Räume mit Überblenden. Die visuelle Tiefe wäre jedoch nichts ohne eine schauspielerische. Die beiden spielen ihre Figuren ebenso wie Rachel McAdams, die Tomas’ Ehefrau gibt, mit Zurückhaltung, hinter der es arbeitet. Gerade Franco hat hier die Möglichkeit mehr als sein charmantes Grinsen zu zeigen. So zieht sich die Spannung immer mehr zu und die Ebenen offenbaren sich. Am Ende ist man auch nicht unbedingt schlauer, was die eingangs gestellte Frage angeht. Aber die Wirkung entfaltet sich, ob nun in zwei oder drei Dimensionen.

»Every Thing Will Be Fine«: ab 2.4., Passage Kinos, Regina Palast (3D)

kreuzer verlost Freikarten. eMail an film@kreuzer.leipzig.de (Betreff: »Tiefschürfend«)

 


»Leg dich nie mit meiner Familie an!« – Sieben Teile, 2,3 Milliarden Dollar Umsatz – seit dem Erstling vor 15 Jahren hat sich die Fast & Furios Reihe zu einer der wichtigsten Franchises entwickelt. Das Geheimnis des Erfolgs: getunte Schlitten, atemberaubende Stunts und vor allem eins: ein perfekt eingespieltes Team – die vielbeschworene Familie rund um Dom und Brian. Durch den plötzlichen Tod Paul Walkers mitten in den Dreharbeiten zu Teil sieben hat die Familie nun einen herben Schlag hinnehmen müssen, der sich durch den gesamten siebten Film zieht. Zwar wurden einige Szenen aufwändig mit Hilfe seiner Brüder getrickst, damit der Film überhaupt zu Stande kam. Dennoch ist seine Erscheinung auch in den abgedrehten Szenen im Film fast geisterhaft und man darf die Frage stellen, ob es nicht besser gewesen wäre, ihn aus dem Script zu streichen und ruhen zu lassen. Die Handlung ist wie eh und je absolut zweitrangig und führt die Truppe wieder einmal rund um die Welt. Als übermächtiger Bösewicht macht diesmal Jason Statham eine hervorragende Figur. Er will Rache üben am Tod seines Bruders, den Dom (Vin Diesel), und seine Freunde verschuldet haben. Doch die Freundschaftsbande prescht durch alle Hindernisse und kein irrsinniger Stunt ist dabei zu gefährlich. Das sorgt auch hier wieder für offene Kinnladen und einen enormen Unterhaltungsfaktor. Erst im etwas zu lang geratenen Epilog wird es dann ruhiger und es erfolgt die Huldigung eines Freundes und eines jungen Schauspielers, der viel zu früh abtreten musste.

»Fast and Furious 7«: ab 1.4., CineStar, Regina Palast, Cineplex


Cristopher Doyle ist ein Genie, ein Virtuose hinter der Kamera. Der Australier lebt und arbeitet seit den frühen Achtzigern in Hongkong, war aber auch immer wieder in Japan tätig, zeitweise auch in den USA. Ob Doyle nun trotz lukrativer Angebote wirklich jemals in Hollywood sesshaft geworden wäre, darf bezweifelt werden. Dafür ist er einfach zu sperrig und experimentierfreudig. Immer wieder sucht er die Herausforderung und hat sie aktuell in der Kollaboration mit dem philippinischen Renegade Khavn de la Cruz gefunden, dem Punk des asiatischen Kinos. Khavn schickt die Warnung gleich vorneweg und behauptet einfach mal, dass dies überhaupt kein Film sei. Zumindest ist es keiner im herkömmlichen Sinne geworden. Es gibt praktisch keine Dialoge und die Handlung passt auf einen Bierdeckel. Der Gangster liebt die Prostituierte. Die gehört dem Boss. Es endet blutig. Wichtiger bei Khavns Nicht-Film ist ohnehin die Atmosphäre, der Soundtrack, den der Regisseur gemeinsam mit Brezel Göring von Stereo Total kompilierte – und eben die Bilder. Knallbunte Digital-Shots, die GoPro im Gipsarm, grobkörnige Aufnahmen einer Dentalkamera – so sieht es aus, wenn man Doyle aus der Flasche beschwört. Ein Film wird daraus freilich nicht, aber ein irres Experiment von etwas mehr als einer Stunde Länge, das dem experimentierfreudigen Publikum durchaus ans Herz gelegt sei. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Ruined Heart  – A Lovestory Between A Criminal And A Whore«: ab 2.4., Cinémathèque in der naTo

 

Die Flimmerzeit im März

FLIMMERZEIT März 2015 from inonemedia on Vimeo.

 

Die Filmtermine der Woche

Das Leben des Brian

Das Luru zeigt wie jedes Jahr zum Karfreitag die grandiose Satire auf Bibel- und Jesusverfilmungen, die schnell Kultstatus erreichte und zum beliebtesten Monty-Python-Film avancierte.

3.4., 20 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

 

Der Venezianische Spiegel 3

Letzter Teil der Reihe mit Brimstone Line (CAN 2013), Darkroom (AT 2014), Lisa And Suzanne (USA 1969-75), Blind (D 2010). Mit einer Einführung.

7.4., 19.30 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

 

KinoDatsche

KinoDatsche ist ein Event für Filmschaffende und solche, die es werden wollen. Alt und Jung, Anfänger und Profi, jeder ist willkommen. Kein Budget, nur das nötigste Equipment, aber umso mehr Motivation. Die fertigen Kurzfilme werden in Anwesenheit der Filmemacher präsentiert.

8.4., 22 Uhr, Cineding

 

Kurzsuechtig 2015 – Kurzfilmfestival – Wettbewerb Animation

Zum 12. Mal wirft das Kurzfilmfestival einen Blick auf das Filmschaffen Mitteldeutschlands. Mit den Wettbewerben Animation (8.4.), Dokumentation (9.4.) und Fiktion (10.4.). Am 11.4. gibt es ein Best-of der drei Festivaltage sowie den Wettbewerb für Filmmusik und Sounddesign. 

8.–11.4., 19.30 Uhr, Schaubühne Lindenfels

 

Die Schmiedemeisterin

Als Schmiedin war Edda Sandstede Ende der fünfziger Jahre eine Exotin in einer reinen Männerwelt. Der Film »Die Schmiedemeisterin« erzählt ihre Geschichte. – Film und Gespräch mit der Regisseurin Jessica Holzhausen

9.4., 19 Uhr, Frauenkultur

Elser – Er hätte die Welt verändern können

Porträt des Widerstandskämpfers Georg Elser von Oliver Hirschbiegel (»Der Untergang«). Premiere in Anwesenheit des Hauptdarstellers Christian Friedel.

9.4., 17.30 Uhr, Passage Kinos

 

Enemy Mine

Großartiger, eigenwilliger Science-Fiction-Film von Wolfgang Petersen aus dem jahr 1985 mit starken schauspielerischen Leistungen von Dennis Quaid und Louis Gossett Jr. in den Hauptrollen.

9.4., 20 Uhr, Moritzbastei

 

Lesbian Short Film

Lesbisches Kurzfilmkino, anschließend Musik und Drinks im Ilses Erika.

9.4., 19 Uhr, Kinobar Prager Frühling

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