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Endlich Sommer

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Frühling ist der neue Sommer. Während die anderen über leere Säle klagen, sobald es die Leipziger ins Licht zieht, macht die Kinobar Prager Frühling seit vielen Jahren eine Tugend aus der Not. Bereits am 30. April eröffnet das Connewitzer Kiezkino die Open-Air-Saison im gemütlichen Karree der Feinkost. Zur Not gibts Dach und Decken, wenns doch mal schneit. Das Repertoire bietet traditionell ein Best-of der Lichtspielsaison 2014/15. Die oscargekrönte Broadway-Satire »Birdman« wird ebenso zu sehen sein wie der Abenteuerfilm »Der große Trip – Wild«. Das deutsche Kino gibt sich jugendlich mit »Wir sind jung. Wir sind stark.« und Andreas Dresens »Als wir träumten«. Frisch aus dem Programm der Kinobar kommt der fulminante Musikfilm »Whiplash«. Auch »Honig im Kopf«, Til Schweigers unverschämt erfolgreiche Alzheimer-Dramödie, muss wohl sein. Überraschungen braucht man also nicht zu erwarten. Die Kinobar setzt auf das erfolgreiche Konzept der Breitenwirkung. Zur Eröffnung gibt es die neuesten Streifen des Kurzfilmfestivals Interfilm in Berlin. Der letzte Vorhang fällt im September. Bis dahin erwarten uns spannende, bewegende, lustige und lauschige Sommerkinoabende im Hof.

Film der Woche: Der in Paris lebende Regisseur Pan Nalin brachte bereits mit seinen Filmen »Samsara« und »Ayurveda« indische Kultur und Geschichte dem westlichen Publikum näher. Für »An den Ufern der heiligen Flüsse« unternahm er nun eine ganz persönliche Reise in seine Heimat. Alle zwölf Jahre pilgern bis zu 100 Millionen Gläubige für 55 Tage an den Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und dem unsichtbaren, mythischen Fluss Saraswati, um sich in einem Bad von ihren Sünden zu reinigen und sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien. Die Kumbh Mela, das größte religiöse Fest der Welt, ist die spirituelle Zusammenkunft der Hindus, aber auch ein chaotischer Schmelztiegel der Geschichten. Hier traf der Filmemacher auf einen Yogi, der sich eines ausgesetzten Säuglings annahm und ihn liebevoll wie seinen eigenen Sohn heranzieht, obwohl er eigentlich längst allem Weltlichen entsagt hat. Er lernte den selbstbewussten Wirbelwind Kishan Tiwari kennen, einen Zehnjährigen, der von Zuhause ausgerissen ist und bei den Sadhus Zuflucht gefunden hat. Pan Nalin findet seine Geschichten aber auch unter den Hunderttausenden Vermissten, die so ein Massenauflauf mit sich bringt, und erzählt von der verzweifelten Suche von Matma Deviund Sonu nach ihrem dreijährigen Sohn. So entsteht ein farbenprächtiges Mandala unterschiedlicher Geschichten. Überraschend, erheiternd und mitreißend, erzählt mit Leidenschaft und Hingabe für die Figuren und ihre Lebenswege.

»An den Ufern der heiligen Flüsse«: ab 30.4., Passage Kinos

Paris in den frühen Neunzigern. Die Underground-Partyszene boomt. Durchtanzte Nächte, Drogenexzesse und Endorphine. Auch Paul ist angefixt und lebt für die Nacht. Er ist Anfang 20 und umgeben von einem Freundeskreis aus Kreativen. Gemeinsam mit seinem Kumpel Quentin gründet er das DJ-Duo Cheers und bringt Garage House in die Clubs. Die Symbiose aus kühlen elektronischen Sounds und warmen Soul-Stimmen fängt schnell Feuer in der Clubszene der Metropole und entwickelt ein Eigenleben. Der Film von Mia Hansen-Løve (»Der Vater meiner Kinder«) begleitet Paul über zwei Jahrzehnte hinweg, taumelt mit ihm durch die Höhenflüge der Nacht und den Kater des Alltags. Autor Sven Hansen-Løve war als DJ in den Neunzigern aktiv an der Genese des French House beteiligt und erzählt hier ein Stück weit seine eigene Geschichte. Das führt gelegentlich zu Insiderreferenzen, bei denen man sich ein wenig so fühlt, wie die beiden Köpfe von Daft Punk, deren Figuren als Running Gag immer wieder an den Türstehern scheitern. »Eden« ist sehr fragmentarisch erzählt. Manchmal hat man das Gefühl einer Clubnacht: Der Plot geht verloren, weil die Musik so laut ist, aber man hat dennoch eine gute Zeit. Die Selektion der 28 House-Klassiker hingegen ist makellos und in dieser authentischen Form nur möglich, weil sich Daft Punk dafür eingesetzt haben, dass die Tantiemen nicht durch die Decke gehen. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Eden«: ab 30.4., Passage Kinos

Jerry (Ryan Reynolds) ist ein sympathischer Typ, ein bisschen langsam vielleicht, aber stets gut gelaunt und beliebt bei seinen Kollegen. Seltsam wird es erst, als er seine Wohnung in der Kleinstadt betritt und ihn seine Haustiere begrüßen. Der Hund Bosco ist der gutmütige Part in seinem Leben, während der Kater Mr. Whiskers nie um einen fiesen Kommentar verlegen ist. Als Jerry beschließt, die Pillen abzusetzen, bringt das einige Probleme mit sich. Marjane Satrapi (»Persepolis«) realisierte ihren ersten auf einem fremden Buch basierenden Spielfilm in den Studios Babelsberg. Dort schuf sie die skurrile Welt eines Schizophrenen, den Reynolds mit infantilem Charme verkörpert. Heraus kam eine knallbunte Horrorsatire, eigenwillig und angenehm anders.

»The Voices«: ab 30.4., Passage Kinos
kreuzer verlost Freikarten. eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: Kopflos)

Als Ludwig XIV. (Alan Rickman) Ende des 17. Jahrhunderts den Hofstaat nach Versailles verlegt, stürzt das den höfischen Gartenarchitekten Le Nôtre (Matthias Schoenaerts) in die Krise. Sabine De Barra (Kate Winslet) bringt einen angenehmen Hauch von Chaos in den geordneten Plan. Le Nôtre ruft sie an den Hof. Doch für eine alleinstehende Frau ist das Leben und die Arbeit im Hort der Intrigen alles andere als leicht. Alan Rickmans zweite Regiearbeit ist ein sonnendurchflutete Sittengemälde, das weit weniger im Prunk zu Hofe schwelgt, sondern sich gehörig dreckig macht. Für Kate Winslet ist die fiktive Figur Sabine De Barra ein Geschenk, das sie zu schätzen weiß. King Rickman hält sich zurück und lässt seinem gut aufgelegten Ensemble Raum. Ein angenehm zurückhaltend inszenierter Kostümfilm.

»Die Gärtnerin von Versailles«: ab 30.4., Passage Kinos

Die Flimmerzeit im April

 

Die Filmtermine der Woche

Doppelt und dreifach – Ein Film über das Künstlergut Prösitz

Ausgangsfrage des Films ist, wie sich Künstlerinnen finanzielle Unabhängigkeit bei möglichst viel Raum für kreative Arbeit aufbauen und dabei gleichzeitig ein Privatleben führen oder gar eine Familie gründen können. Diese Problematik wird beispielhaft an der 1993 entstandenen Artist Residency »Künstlergut Prösitz« aufgezeigt.

2.5., 15 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

 

Filmprogramm »Devour« zur Ausstellung im Kunstkraftwerk

Sozialer Kannibalismus, politische Neudefinierung und Architektur

2.5., 18, 20 Uhr (Teil 1, 2), 3.5., 18 Uhr (Teil 3), LURU-Kino in der Spinnerei

 

Hello my name is – German Graffiti

Von illegalen Graffiti und aufwendigen Wandgemälden bis hin zu Ausstellungen, Graffitimedien und Fotografie werden durch kurze Porträts einige der interessantesten und außergewöhnlichsten Akteure und Veranstaltungen dieser Subkultur vorgestellt. Dadurch entstehen authentische Einblicke in die Vielfalt und Qualität dieser Szene. Dokumentarfilm von Stefan Pohl.

2.5., 22 Uhr, 3.,5., 21 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Gorko 2

Die Hoffnung auf eine große Geldsumme führt innerhalb einer Familie zu großen, komischen, aber auch tödlichen Verwicklungen. Russisches Kino im Original.

3.5., 20 Uhr, Cineplex (OF)

 

A Zori

Im Mai 1942 steht eine kleine Gruppe von russischen Kämpferinnen mit ihrem Bataillons-Chef einer Elite-Einheit der deutschen Nazis gegenüber. Sie kämpfen um eine strategisch wichtige Verkehrsader. Russisches Kino im Original. R: Renat Davletyarov; D: Pyotr Fyodorov, Anastasiya Mikulchina, Agniya Kuznetsova, RUS 2014; OF

6.5., 20 Uhr, Cineplex (OF)

 

Hebammen, Regen und Eselinnen + Eritrea – Ein Esel für die Zukunft

Zwei Filme zum 25. Internationalen Hebammentag.

5.5., 19 Uhr, Frauenkultur

 

Headache

Surffilm von den winterlichen Stränden Nordeuropas: Statt tropischer Sonne gibt es Wellen und Wolken in Island, Schottland, Dänemark und Deutschland.

7.5., 20 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

 

Iranische Filmtage Leipzig

Der Leipziger Verein eurient legt den Fokus nun auf das Land am Kaspischen Meer. Neben Vorträgen, einem persischen Kochkurs sowie einem Konzert mit iranischer Musik am Eröffnungsabend schöpfen sie aus der reichen Filmszene des Landes. An vier Abenden werden aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme in der Cinémathèque zu sehen sein. Eröffnung mit Film, iranischer Livemusik und Buffet.
5.5., 19.30 Uhr, Galerie KUB

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