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Because they Cannes

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Ach Cannes. Jedes Jahr zeigst du uns eine lange Nase, wenn unsere bei der Berlinale rotverschnupft ist, mit deiner sonnigen Riviera und dem Who-is-who der Regiekunst. Auch in diesem Jahr gibt es u.a. Neues von Woody Allen, Kore-Eda, Todd Haynes, Gus Van Sant und Denis Villeneuve. Namen, von denen schon jeder einzelne die Berlinale zum klingen bringen würde. Aber wir wollen nicht neidisch sein, immerhin ist einer der besten Filme dort quasi zeitgleich auch bei uns gestartet: »Mad Max: Fury Road«, der seine Premiere in Cannes feierte, wird von vielen Kritikern bereits als Sensation des Jahres gefeiert. Und die kann man jetzt auch in Leipzig sehen. Dort ist es nicht weniger sonnig und der Kaffee ist merklich billiger. Genuss vor und auf der Leinwand wünscht die kreuzer Kinoredaktion.

Film der Woche: Das Dream-Team des dänischen Dramenkinos bleibt sich treu. Regisseurin Susanne Bier und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen sind seit »Open Hearts« als kongeniale Kreativeinheit zuständig für die dramatischen Härtefälle. In Filmen wie »Brothers« und »Nach der Hochzeit« ringen sie ihren Figuren immer wieder moralische Entscheidungen ab, die auch im Betrachter vor der Leinwand arbeiten. Mit dem Oscar für »In einer besseren Welt« erreichte ihre kreative Zusammenarbeit 2010 ihren bisherigen Höhepunkt. Auch »Zweite Chance«, ihr sechster gemeinsamer Film, stellt seinen Protagonisten, den Polizisten Andreas (Nikolaj Coster-Waldau) an den moralischen Scheideweg. Dabei stehen die Dinge zunächst gut: er lebt mit seiner Frau Anna (Maria Bonnevie) und ihrem Neugeborenen in einem schicken Haus an der Küste. Die Nächte sind vom Kind bestimmt, aber die beiden teilen sich scheinbar liebevoll die Spaziergänge und -fahrten auf. Doch die Atmosphäre wird zunehmend unheilvoller und die Musik von Johan Söderqvist gewinnt an Dramatik. Als Andreas bei dem gewalttätigen Junkie Tristan (Nikolaj Lie Kaas) und dessen Freundin Sanne (May Andersen) ein total verwahrlostes Baby findet, trifft er eine folgenschwere Entscheidung. Dichte Atmosphäre, stilvolle Bilder und nachvollziehbare Figuren sind auch hier wieder die Stärken der Inszenierung. Da fällt es nicht so sehr ins Gewicht, dass der Plot gewohnt konstruiert wirkt, wird er doch getragen von einem starken Ensemble. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Zweite Chance«: ab 14.5., Passage Kinos


Nur zwei Jahre haben die jungen Migranten der Baseler Integrationsklasse, die in Anna Thommens Dokumentarfilm »Neuland« im Mittelpunkt stehen, um sich in der Schweiz ein Leben aufzubauen. Zusammen mit Christian Zingg, ihrem etwas kauzigen und engagierten Lehrer, pauken sie die Schweizer Sprache und Kultur, suchen nach Perspektiven und Lehrstellen und blicken auf ihr kurzes, aber odysseenreiches Leben zurück. Was die 16- bis 20-Jährigen im Klassenraum eint: Sie alle haben erst kürzlich ihre Heimat unfreiwillig verlassen und tragen eine große Hoffnung, aber auch Unsicherheit in sich. Thommen spielt gekonnt mit der Erwartungshaltung und den Vorurteilen der Zuschauer, in dem sie weder kommentiert noch Interviews mit den Protagonisten führt. Sie beobachtet aus unmittelbarer Nähe, taucht tief in diese vermeintliche Parallelwelt ab und lässt die Bilder und Ereignisse für sich sprechen. Die Schilderungen im Klassenraum geben nicht nur den Krisenherden der Welt ein Gesicht. Auch so beschwerliche Begriffe wie Flüchtlingsproblematik und Asylpolitik erhalten im Verlauf des Films ganz persönliche Konturen. Auch wenn sich »Neuland« ganz auf die Geschichten im Klassenraum fokussiert, das Echo des Films ist ein viel größeres. Ausführliche Kritik von Eileen Reukauf im aktuellen kreuzer.

»Neuland«: ab 14.5., Cineding, ab 19.5., Cinémathèque in der naTo

Mad Max kann seine wilde Vergangenheit nicht vergessen und beschließt, dass er allein die besten Überlebenschancen hat. Dennoch gerät er in der Wüste an eine Gruppe Flüchtlinge in einem Kampfwagen – am Steuer sitzt die abtrünnige Herrscherin Furiosa. Die Gruppe ist aus der Zitadelle des Tyrannen Immortan Joe entkommen, dem etwas Unersetzliches gestohlen wurde. Also setzt der wütende Warlord seine Banden in Marsch, um die Rebellen zu verfolgen – ein Straßenkrieg beginnt.
George Miller inszenierte das 3D-Remake seines Action-Klassikers ganze 36 Jahre nach dem Original gleich selbst. Drei Jahre nach Beginn der Dreharbeiten ist das Werk nun vollendet und vielleicht der beste Actionfilm seit 1982 – als der legendäre zweite Teil erschien. Dabei liegt es vor allem an der unfassbaren Detailverliebtheit, die Miller an den Tag legt, dass sich »Mad Max: Fury Road« von allem bislang Dagewesenen abhebt. Der WETA Workshop schraubte monatelang an Waffen, fertigte Masken und Karossen, die Miller in den atemlosen zwei Stunden genüsslich zerlegt. Zusätzlich fügen sich die Spezialeffekte perfekt in die unfassbaren Stunts und der Plot wandelt von einer Klimax zur nächsten. Auch ohne übermäßige 3D-Effekte – die Konversion gibt den stilisierten Bildern angenehme Tiefe, ist aber weitgehend entbehrlich – will der Kiefer die gesamten zwei Stunden Laufzeit nie so richtig zuklappen. »Mad Max: Fury Road« ist irres Entertainment und kunstvolles Monumentalkino. Als hätte sich Miller mit Jodorowsky und Gilliam zum Tee getroffen und einen Actionfilm ausgeheckt, für den vor allem der Stuntcrew größter Respekt gebührt, nicht zuletzt aber auch Warner, die das Wagnis mit 100 Mio. Dollar Budget finanzierten und sich jetzt bestimmt schon Gedanken über möglich Pre- und Sequels machen. Dem Publikum wird es recht sein!

»Mad Max: Fury Road«: ab 14.5., CineStar, Regina Palast, Cineplex, Autokino auf der Alten Messe

kreuzer verlost Fanpakete, bestehend aus Freikarten, T-Shirt, Autoaufkleber und Cap. eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: Blutbeutel)

Aus Geldnot trägt die junge Melody das Kind einer reichen Geschäftsfrau aus. Sie zieht zu ihr und zwischen den Frauen entwickelt sich ein Band. Doch als der Termin näher rückt, kommen ihr Zweifel. Nüchtern inszeniert, konzentriert sich das belgische Drama ganz auf seine beiden starken Frauenfiguren, die von zwei überzeugenden Darstellerinnen getragen werden.

»Melodys Baby«: ab 14.5., Passage Kinos

Die Filmtermine der Woche

Speculative Fiction Series III Episode 2

Die Klasse Expanded Cinema (HGB) zeigt: Let us persevere in what we have resolved before we forget (Experimentalfilm, 2013), First Contact (Dokumentarfilm, 1982).

19.5., 20 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

Hippocrate

Der 23-jährige Benjamin verfolgt die Karriere als Mediziner auf Wunsch seines Vaters. Seine Motivation sinkt jedoch, als er das wahre Gesicht der Profession erkennt.

20.5., 18.30 Uhr, Institut Français (OF)

Ocean Film Tour

Eine Auswahl der besten Wassersport- und Umweltdokumentationen des Jahres

20.5., 20 Uhr, Werk 2/Halle A

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