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Ganz schön bedient

Wieso musste das Schlechte Versteck schließen?

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Die Schleußiger Raucherkneipe Schlechtes Versteck muss schließen. Zum Hauptschuldigen wurde reflexartig die Hausverwaltung erklärt – dabei kann die offenbar gar nichts dafür.

»Das Schlechte Versteck ist aufgrund von Gentrifizierung geschlossen!« – kurz und schmerzhaft gab die Schleußiger Raucherkneipe letzte Woche über Facebook ihre Schließung bekannt. »Nach Meinung unserer Hausverwaltung passt das Schlechte Versteck wohl nicht mehr in das Schleußiger Stadtbild«, hieß es in dem Post.

Wenig später war der Post schon wieder verschwunden. Die Hausverwaltung hatte sich zu Wort gemeldet – und das Statement bei Facebook wegen »Verstoß gegen Markenrechte« löschen lassen. Die Verwaltung, das ist der »Plagwitzer Wirtschaftsdienst« (PWD), der seit den neunziger Jahren verschiedene Häuser im Leipziger Westen betreut – so auch die Könneritzstraße 32, mit dem »Schlechten Versteck« im Erdgeschoss.

Ihr Geschäftsführer Hjalmar Loh wies den Vorwurf der Gentrifizierung in einer Mail an den kreuzer zurück. Der PWD habe daran »keinerlei Interesse«, im Gegenteil: »Über ein Jahrzehnt« habe man den Barbesitzer Phillip S. »mit einer ausgesprochen günstigen Miete gefördert« – auch nachdem Unbekannte im Februar einen Anschlag mit Buttersäure auf das Lokal verübten. Jetzt wird die Firma zum Schuldigen für die Schließung gemacht. Und das findet Loh nicht in Ordnung.

Seit letzter Woche liegt laut PWD eine Anzeige gegen Versteck-Betreiber Phillip S vor. »Wir haben bereits Strafanzeige gegen Herrn S. wegen Verleumdung gestellt«, schrieb Loh und versicherte: »Es wird nicht ans uns liegen, wenn das Lokal nun schließen muss.« Eher ist anzunehmen, dass das Versteck aufgrund von Mietrückständen zumacht. Zumindest deutete Loh dies an: »So viele fristlose Kündigungsgründe gibt das BGB auch nicht her«.

Für eine Stellungnahme war Phillip S. nicht zu erreichen. Auch den Dialog mit den vielen verwunderten Facebook-Nutzern und Versteck-Fans nahm der Barbetreiber gar nicht erst auf.

Es scheint, als würde am letzten Schleußiger Rauchertresen für längere Zeit niemand mehr bedient. Eine Abschlussparty hat die Kneipe aber noch angekündigt.

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