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Mit Frauen feiern

Das erste Leipziger Frauenfestival besetzt zum Auftakt der Jubiläums-Festwoche den Marktplatz

Bernadette La Hengst, Foto: Christiane Stephan Größeres Bild

»Am 30. Mai 2015 machen wir uns mal so richtig breit«, kündigt das erste Leipziger Frauenfestival auf seiner Homepage an. Und weiter: »Frauen erobern den öffentlichen Raum.« Was so klingt, als müssten sich Frauen sonst immer dünne machen oder als wären sie gar normalerweise im öffentlichen Raum nicht zu finden, muss im Kontext der Festwoche anlässlich der Ersterwähnung der Stadt vor 1.000 Jahren betrachtet werden, die am Tag nach dem Festival beginnt. Bei diesen Feierlichkeiten nämlich sind Frauen unterrepräsentiert.

Die grüne Stadträtin Katharina Krefft berichtet davon, dass dafür zwar jede Menge Vorlagen für Veranstaltungen präsentiert worden seien, dort aber Frauen nicht explizit vorkamen. So entstand der Gedanke, selbst eine Veranstaltung zu planen, die sich tatsächlich an Frauen – und natürlich ihre Begleitung – richtet. Neben Krefft gehören die ebenfalls grüne Stadträtin Gesine Märtens, Mrs. Pepstein und Maria Lev, das Referat für Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt, der Verein Frauen für Frauen und die Frauenkultur zu den Veranstalterinnen. Die Männerlastigkeit des Festprogramms ist dabei nur der Anlass für den politischen Anspruch, der über diesen einzelnen Tag hinausgeht, denn gewiss werden Frauen in Leipzig nicht komplett ignoriert oder negiert: »Wir wollen feministisch und feiernd auf die Ungleichheiten hinweisen, die es immer noch in vielen Bereichen gibt«, sagt Marlies Sonntag vom Verein Frauen für Frauen.

Während unter anderem Bernadette La Hengst, Multiinstrumentalistin Ingeborg Freytag mit der Ayodele Bigband, das Saxonia-Quartett oder Rapperin Sookee auf der Bühne stehen, wird der verbleibende Marktplatz mit Ständen belegt sein. Dort präsentieren sich verschiedene Unternehmerinnen und Frauengruppen. Auf diese Weise soll das Festival zu einer Kontaktbörse werden, auf der alle miteinander ins Gespräch kommen können. »Ohne uns würde es Leipzig nicht geben«, lautet der Claim, der auf den ersten Blick banal erscheint. Wenn am selben Tag mit »Lipsias Löwen« fünf Skulpturen des Theater Titanick einen Sternmarsch Richtung Innenstadt antreten, wird es dort zur Begegnung zwischen den die verschiedenen Seiten der Stadt verkörpernden Löwen – Wissenschaft und Bildung etwa oder Wirtschaft und Handel – und den feiernden Frauen kommen. Dies hat mit Blick auf den Claim sicher eine gewisse Pointe. Und vielleicht entwickelt sich das Frauenfestival zu einer jährlichen Institution.

Erstes Frauenfestival: 30.5., 14–23 Uhr, Marktplatz

Line-up und weitere Infos http://www.leipzigerfrauenfestival.de

Dieser Text erschien in der Mai-Ausgabe des kreuzer.

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