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Verdienter Erfolg

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Der Berlinale Gewinner »Taxi Teheran« ist mit über 50.000 Zuschauern in die zweite Woche gestartet und hat damit »Victoria« nach sechs Wochen vom ersten Platz der Arthouse-Charts verdrängt. Ein bemerkenswertes Ergebnis, noch dazu für einen iranischen Film. Von der Top 10 der Gesamtkinocharts, in der sich die »Minions« und »Ant-Man« tummeln, ist er damit natürlich meilenweit entfernt. Aber dennoch ein beachtlicher Erfolg auch für den Leipziger Weltkino Verleih, der den Mut hatte, ihn groß ins Kino zu bringen (da sei auch die mittelprächtige Synchronisation verziehen…). Um dem Regisseur Jafar Panahi, der den Iran nicht verlassen darf, einen Eindruck vom Erfolg seines Films zu senden, hat der Weltvertrieb dazu aufgerufen, persönliches Feedback in Wort und Bild zu übermitteln. Das heißt, es können Fotos vom Kinobesuch, Solidaritätsbekundungen, Zeitungsausschnitte oder ähnliches per E-Mail, via Facebook, Twitter oder klassisch auf dem Postweg geschickt werden. Jeder Post und jede Nachricht sind willkommen und werden an Jafar Panahi übermittelt. Mehr Infos unter www.weltkino.de.

Film der Woche: Jack (Simon Pegg) steht mit dem Selbsthilfebuch in der Hand am Bahnhof und wartet auf sein Blind Date. Das sitzt im Zug gegenüber von Nancy (Lake Bell), der frustrierten Mittdreißigern. Ehe sie sich versieht, steht sie Jack gegenüber und beschließt spontan, sich als die Erwartete auszugeben. Der Beginn einer wahnwitzigen Nacht, die die beiden durch diverse Pubs und Clubs führt und beinahe in der Bowlingbahn, in der ihr creepy Ex arbeitet, endet. Dabei quatschen sie munter in bester Woody Allen-Manier clever und pointiert daher. Die Chemie zwischen dem Darstellergespann stimmt, die Schamgrenze liegt angenehm niedrig und so trinken, tanzen und singen die beiden durch die Nacht, ohne dass es in einer Minute platt, zotig oder fremdschämig wird. Der schlichtweg unterhaltsamste Feelgood-Movie des Sommers. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Es ist kompliziert..!«: ab 30.7., Passage Kinos

Sion Sono hat ein Rad ab. Japans schillerndster Regisseur schockiert und amüsiert regelmäßig mit Filmen wie »Strange Circus« oder »Love Exposure« und erntet damit Kudos bei Publikum und Kritik. Nun hat er ein HipHop-Gang-Musical in Tokyo inszeniert und das Cineding bringt es dankenswerterweise auch in unsere Stadt. Sono mixt aus Manga, lyrischem Sprechgesang und Martial Arts einen hochprozentigen Kino-Cocktail. Wer seinen Sehgewohnheiten mal eine Frischzellenkur verpassen möchte, sei herzlich eingeladen.

»Tokyo Tribe«: 30.–.7., 1., 4./5.8., Cineding

Margo Roth Spiegelman (Cara Delevingne) ist die coolste Braut an der High School, die von allen bewundert wird, weil sie ihren eigenen Kopf hat. Quentin (Nat Wolff) kennt sie schon seit Kindertagen. Aber dann kam die Pubertät. Während Margo zum geheimnisumwitterten Star aufstieg, wurden Quentin und seine nerdigen Freunde vom innerschulischen Mainstream ignoriert. Eines Tages ist Margo verschwunden. Aber sie hat Spuren und Hinweise hinterlassen, die Quentin Stück für Stück entschlüsselt. »Margos Spuren« geht in Form einer Schatzsuche dem Wesen der romantischen Liebe auf den Grund. Der schwer verliebte Quentin mystifiziert seine Angebetete hoffnungslos und muss am Schluss feststellen, dass sein persönliches Happy End einen ganz anderen Verlauf nimmt. Die emotionale Wucht, die »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« auszeichnete, findet man hier vielleicht nicht, aber jenen unaufdringlichen, lebensphilosophischen Erkenntnisdrang, der alle Green-Romane antreibt – von denen sicherlich noch weitere den Weg ins Kino gehen werden. Ausführliche Kritik von Martin Schwickert im aktuellen kreuzer.

»Margos Spuren«: ab 30.7., Cineplex, CineStar, Regina Palast

Der Autor und Regisseur Noah Baumbach (»Frances Ha«) ist ein Spezialist darin, die Gefühlswelten all jener einzufangen, die den hippen Zwanzigern entwachsen sind und hilflos durch ein Leben driften, das sie sich im jugendlichen Idealismus ganz anders vorgestellt haben. Für Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) liegt diese Zeit schon eine Weile zurück. Sie sind scheinbar glücklich in ihren Vierzigern und genießen die Freiheit ohne Kind. Aber so richtig frei sind sie nicht, hindern doch vor allem ihre bequemen Ausreden sie immer wieder daran, wirklich etwas zu erleben. Als sie das Mittzwanziger Pärchen Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) kennenlernen, sind sie angesteckt von dessen Energie. Jamie ist ein ambitionierter Filmemacher und Fan von Joshs Arbeit, der wiederum seit seinem Erstling in einem kreativen Loch steckt. Plötzlich kommt wieder Schwung in das eingefahrene Leben von Josh und Cornelia – aber können sie da überhaupt mithalten?
Für Träume gibt es keinen Platz in den Filmen von Noah Baumbach. Er holt seine Figuren regelmäßig auf den Boden der Tatsachen zurück und die sind nun einmal nicht immer schön, wenn man die Vierzig erreicht hat. Naomi Watts und Ben Stiller spielen das angenehm uneitel und auch ihre jugendlichen Counterparts haben so ihre Probleme unter der hippen Oberfläche. Wie gewohnt liefert Baumbach die cleveren Dialoge dazu und chargiert meisterhaft zwischen Witz und Wahrheit. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Gefühlt Mitte Zwanzig«: ab 30.7., Passage Kinos

Die Flimmerzeit im Juli

 

Weitere Filmtermine der Woche

It Follows
Der Horrorerfolg aus den Staaten, den sogar die Kritiker lieben, ist eine stilvolle Verneigung vor den Genreklassikern der Achtziger. In der Tradition von Carpenter und Craven zerlegt Regisseur und Autor David Robert Mitchell die Bewohner der zerfallenen Vorstadt von Detroit. Hochspannend und mit einem fantastischen Soundtrack unterlegt.
31.7., 21.15 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Marathon: Harry Potter 1-7.2
Der komplette Harry komplett am Stück für komplett Verrückte.
31.7., 14 Uhr, Cineplex

Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft
Die britische Komikertruppe Monty Pythons hat die besten Sketche aus ihrer anarchischen TV-Serie »Monty Pythons Flying Circus« genommen und für einen Kinofilm neu gedreht. Mit einer Mischung aus Animationssequenzen und Szenen, in denen die Mitglieder der Truppe auftreten, parodieren die Komiker unterschiedlichste Lebensbereiche.
31.7., 21.30 Uhr, Open-Air-Kino in der Spinnerei

Grande Alpes
Der Radsportler Andreas Bucher realisierte seinen ersten Dokumentarfilm als Regisseur und Protagonist zugleich. Auf seinen Radreisen durch Europa sucht der 29-Jährige immer wieder das Abenteuer und die Herausforderung, vor allem aber die Selbsterfahrung. Mit der Bezwingung der Route des Grandes Alpes erfüllt er sich einen jahrelangen Traum.
1.8., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Wir können auch anders
Zwei Brüder aus dem Westen auf dem Weg in den »Wilden Osten«. Lakonisches Roadmovie mit klasse Hauptdarstellern von Detlev Buck. – Sommerkino
1.8., 21.30 Uhr, Open-Air-Kino in der Spinnerei

Große weite Welt
Jahre nach dem Ende der DDR hat sich vieles verändert. Lebensgeschichten und Schicksale in Leipzig. Wie ist alles weitergegangen? Was ist aus den Protagonisten aus »Letztes Jahr Titanic« geworden?
2.8., 11.30 Uhr, Passage Kinos

52 Tuesdays
Die 16-jährige Billie kann kaum glauben, dass ihre Mutter sich einer Geschlechtsanpassung unterziehen will. Aber James – so der neue Name – hat sich zeitlebens gewünscht, ein Mann zu sein. Ein Jahr wird die kräftezehrende Reise der Veränderung dauern. An 52 Dienstagen gibt der australische Spielfilm einen realistischen Einblick in den Prozess der Veränderung. Im Anschluss an die Vorführung am 5.8. gibt es ein Gespräch mit Alexander Naß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Vereins Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland.
5. 8., 19 Uhr, 6.8., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Danger Dave
Der Weg des französischen Skateboard-Altstars David Martelleur, der noch nicht in Rente gehen will. – Nouvague Skate Film Nacht
6.8., 21 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

Lasst uns nicht wie SklavInnen leben
Dokumentarfilm über Initiativen, die sich gegen Autorität und wirtschaftliche Unterdrückung erhebten. Anschließend Diskussion mit Aktivistinnen und Aktivisten aus Griechenland (Syriza) und Spanien (Podemos) über die Chance auf ein anderes Europa. Auftakt der globaLE 2015.
6.8., 20 Uhr, Clara-Zetkin-Park (Wiese zwischen Glashaus und Sachsenbrücke)

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