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Hausschnaps »Kleiner Holger« bleibt

Sommerneuigkeiten aus dem Flower Power: Craft-Bier und Gitarrenclub

Die Gang vom Rockdienstag, Foto: Oliver Baglieri Größeres Bild

Etabliertes neu auflegen, Neues etablieren: Das Flower Power startet ab September mit einem neuen Dienstagskonzept. Zudem gibt’s Craft-Bier und die Achtziger erweitern jetzt die Musikauswahl.

Augustmittag. 35 Grad, Hochsommer. Pralle Sonne. Da lechzt man nach Abkühlung, Seeseite, vielleicht ein Kaltgetränk. Wenig liegt da ferner, als sich in eine stickige Kneipe zu begeben. Doch: Das Flower Power, Leipzigs sogenannte Kult-Kneipe, hat zum Pressetermin geladen. Drinnen findet man vor, was es hier sonst wohl nie gibt: Kaffee, Kuchen, unalkoholisierte Menschen und Beleuchtung. André Streng nimmt die Presse freundlich in Empfang. Er ist der Chefoligarch des »FloPo«-Imperiums, das ihm mit acht ständigen Vertretungen in den wichtigen Städten des Ostreichs guten Ruf und – so munkelt man – Wohlstand eingebracht hat. Nun gebe es »tolle Neuigkeiten«.

Er sitzt am hinteren Ende der Bar in der Mitte der Sitzbänke zusammen mit Elia van Scirouvsky, dem Kulturzuständigen, sowie »Koma« Kschentz und Rik Paul Ullrich, Mitglieder der Hausband. Hinter dem Tresen werkelt »Strobi«, zweiter Geschäftsführer, Barmeister und so was wie das Kneipenmaskottchen. Elia fängt an zu erzählen vom neuen Konzept des Rock-Dienstags, der ab September Etabliertes neu auflegen und Neues etablieren soll.

So erhält jeden dritten und fünften Dienstag im Monat der Gitarrenclub ein Comeback, den Paul Ullrich über 15 Jahre präsentierte. Die Gäste dürfen sich an Instrumenten selbst ausprobieren und frei drauflos jammen. Neuartig hingegen ist das Format der »Rocklesung« am ersten Dienstag jeden Monats. Hier sollen Literatur und Rockmusik miteinander verknüpft werden. Die Idee stammt von Elia, seines Zeichen selbst Literat und Schirmherr des Events, das mit einem Special zu Leonard Cohen startet. Jedes neuartige Konzept müsse mindestens ein Jahr getestet werden, um es zu etablieren, so André.

Gab es auch mal Überlegungen, in Westdeutschland einen Ableger zu eröffnen? In Bonn gab es nämlich auch mal ein Flower Power. Irgendwann hieß das dann nur noch »Flowers«. Ehemalige DJs des Leipziger Originals hatten sich Titel und Konzept ohne Absprache zu eigen gemacht, so André. Da wurde dann rechtlich interveniert, die Verwendung des Namens untersagt. Wenige Wochen später brannte der Laden ab. »Ich habe für die Zeit aber ein Alibi«, erzählt er und lacht.

Eine andere, gewollte Vertretung, das Flower Power in Dresden, machte ihm in der Vergangenheit mehr Kopfschmerzen. 1998 als Franchise eröffnet konnte der Mietvertrag 2008 nicht verlängert werden, das Flower Power musste in eine schlechtere Lage umziehen und nach drei Jahren war dann 2011 erstmal Schluss. Ein letzter Versuch seit April dieses Jahres »scheiterte am Supersommer« und an der geringen Resonanz der Gäste, die ihm »das Herz gebrochen« hätte. Diese Ungunst habe vor allem am eklektischen Konzept der Betreiber gelegen, das sämtliche Stile durchmischte und mit der Ur-Idee kaum noch was zu tun hatte. »Schlager, Hiphop und Metal, das ist kein Flower Power«, das sich eigentlich die Plakette »Rock & Oldies« an die Lederjacke heftet. Dazu gehört übrigens demnächst auch 80er-Jahre-Mucke.

Zum Schluss werden Visitenkarten verteilt und ein Getränkegutschein im Gegenwert von zehn Euro. Strobi erzählt über die Stadt und den aktuellen Hype um Craft-Bier, das sich auf der neuen Getränkekarte findet. Vielleicht sind viel mehr Neuigkeiten gar nicht nötig, denn die Ur-Idee des Flower Power als charmante Alternativkneipe mit unendlicher Öffnungszeit zieht nicht ohne Grund schon im 20. Jahr Arrivierte und Neulinge der Stadt an. Das Angebot, den altbewährten Hausschnaps »Kleiner Holger« zu testen, wird aber gerne angenommen. Er schmeckt nach Kakao und Kaffee und gut. Selbst in der Mittagshitze.

PS: Falls mal Freunde zu Gast kommen: Über der Kneipe wird übrigens ein günstiges Zimmer angeboten (der kreuzer 06/15 entdeckte es bereits).

http://flower-power.de/