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Mit Gesten an der Bar

Beim Penckstraßenfest feiern Sozialarbeiter, Flüchtlinge und Hippies gemeinsam

Soubhi Schami, Foto: Birk Poßecker Größeres Bild

Während am Wochenende der Fokus auf den neuen Flüchtlingen in der Ernst-Grube-Halle lag, wurde an der Asylunterkunft in der Torgauer Straße gefeiert. Ein buntes Fest an einem Ort, an den sich kaum jemand hinverirrt.

Ein glatzköpfiger Mann mit Bart und charismatischem Gesicht steht auf der Bühne und kündigt den Figurenspieler Soubhi Schami an. Er hält seine Rede auf Arabisch und wer dieser Sprache nicht mächtig ist, schafft es lediglich zwei Worte zu verstehen: Gefühl und Syrien. Diese zwei Worte reichen aber, um den Inhalt des Stücks auf den Punkt zu bringen. Schami erzählt mit Hilfe einfachster Mittel, wie zum Beispiel einer Pappe, eine tief traurige Geschichte über den Krieg in Syrien und zieht dabei die Zuschauer in seinen Bann. Später erklärt er, dass das nur ein Teil eines viel größeren Stückes war, das er mit fünf Freunden in Beirut geschrieben hat. Die leben allerdings immer noch dort.

Es sind 38 Grad. Den Temperaturen entsprechend langsam bewegen sich die Besucher des Peckstraßenfestes direkt neben der Flüchtlingsunterkunft in der Torgauer Straße. Die Bewohner und Sozialarbeiter haben zu diesem Fest geladen, organisiert wird es von Interaction Leipzig. »Ein Fest für alle, die Lust auf ein offenes und vielfältiges Leipzig haben«, wie es in der Ankündigung heißt. Seit dem Nachmittag, als die Veranstaltung sich ganz allmählich füllt, herrscht hier eine sehr entspannte und friedliche Atmosphäre. Essen und unalkoholische Getränke gibt es gegen Spenden und einige der Bewohner des Flüchtlingsheims helfen beim Verkauf. Auch wenn öfters Sprachbarrieren auf beiden Seiten herrschen, finden doch immer alle einen (oft sehr gestenreichen) Weg miteinander zu kommunizieren. Einige Hilfsorganisationen, wie beispielsweise die Johanniter, haben Stände aufgebaut, an denen sie ihre Projekte präsentieren oder Snacks verkaufen, zudem werden Spiele und Kleidung für Kinder angeboten. An der Bar kann man sich eintragen, um eine Schicht zu übernehmen oder beim Abbau zu helfen. Die schätzungsweise 200 Besucher sind nicht nur Bewohner und Sozialarbeiter des Heims, sondern junge Familien und hippiesque angehauchte Leipziger. Doch leider ist dieses sehr gelungene Straßenfest zu abgelegen, um vorbeilaufende Menschen anzuziehen. Schuld daran ist allerdings nicht mangelhafte Planung, sondern die ungünstige Lage des Flüchtlingsheims. Ein deutliches Zeichen, dass dieser abgelegene Standort die Integration nicht gerade vereinfacht.

Als am Abend die letzten Sonnenstrahlen verschwinden und es ein wenig kühler wird, spielt mit der Leipziger Hip-Hop Combo Dude & Phaeb das musikalische Highlight des Tages, auf das die Brassbanditen folgen und einige zum Tanzen bringen. Am Ende helfen die Besucher beim Abbau mit und man freut sich, endlich mal wieder auf einer Feier gewesen zu sein, auf der die Anlage durchschnittlich ist, die Boxen immer wieder aussetzen, die Musik zwischen den Bands nicht von einem DJ, sondern einer Playlist kommt und die Leute trotzdem Spaß haben.

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