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Krieg dem Krieg

Buchpremiere: Christian von Aster stellt seine Fantasy-Friedens-Saga vor

Ausschnitt aus dem Cover von »Das Eherne Buch« Größeres Bild

»Steh auf, Junge! Hast ’ne Prophezeiung zu erfüllen.« – Verantwortung wiegt schwer und nicht jede Bürde wählt man freiwillig. Besonders wenn man eine ganze Welt befrieden soll, gerät man mitunter ins Straucheln. Um nichts Geringeres, als einer waffenstarrenden Zeit ihren Stachel zu nehmen, geht es in »Das Eherne Buch«, das Christian von Aster zur Buchpremiere am Mittwoch in die Moritzbastei wuchtet.

Der Name Christian von Aster ist in Leipzig nicht unbekannt, kam der Autor vom nördlichen Harzrand doch regelmäßig in die Stadt geschneit, bevor er sich hier ganz niederließ. Sein Output ist nicht gerade gering. Leider war in der Vergangenheit hin und wieder ein Griff ins Klo darunter. Erinnert sei nur an seinen arg auf mutwilligen Trash gebürsteten und in Leipzig realisierten Film »Kevin« – einer im Ansatz guten Vampir-Integrationsgeschichte, die aber aufgrund absolut grottiger Umsetzung ins Gegenteil kippte. So humorvoll von Aster auch ist, die größten Punkte sammelte er dann doch bisher mit zurückhaltenderer Schreibe. Und das heißt bei Weitem nicht, dass das Ergebnis humorlos ist. Nachdem »Der letzte Schattenschnitzer« schon als intelligente Fantasy-Geschichte um die okkulte Verbindung des Menschen zu seinem Schatten ausfiel, legt er mit »Das eherne Buch« noch ein, zwei Schippen drauf. Zeigte von Aster dort trotz geschickter Verbindung der Handlungsstränge im Zulaufen auf die Apokalypse gen Ende dramaturgische Schwäche, so liest sich das neue Werk wie, ähm: aus einem Guss.

»Eine Geschichte vom Ende allen Krieges« lautet die Unterzeile. Fürwahr, keine kleinere Aufgabe als die Besänftigung des Kriegsgottes hat das Schicksal dem Jungen Jaarn aufgebürdet. Eben war er noch Bücher sortierender Novize, dann erfährt er, dass er der letzte Nachkomme eines mächtigen Fürstenhauses ist. Schon wird dieses überrannt und Jaarn befindet sich auf der Flucht, nur um dann von seiner Bestimmung zu erfahren. Das legendäre Legendschwert, eine Waffe, die alle Geschichten dieser Welt enthält, muss er flicken und dann zum finalen Akt hin dem Kriegsgott opfern und damit dessen Dominanz brechen. Auf dass die Menschen wieder in Frieden leben können. Wären da nicht allerlei Kontrahenten, ein tot geglaubter Clan, eine hübsche, aber manisch-martialische Schöne, eine Legion Leichenfledderer, ein Todesschwadron aus Nachtschattengewächsen und ein voyeuristischer Fuchs.

Eine hübsche Geschichte um die Bedeutung von Geschichten hat von Aster geschaffen. Sprachlich sauber und – fast genreuntypisch – kitschfrei liest sich das Buch in einem Rutsch weg. Skurrile Charaktere wie die Eisenmutter – Hebamme und Kriegerin zugleich – oder der Knochenkönig zeugen von Einfallsreichtum. Natürlich ist hier besonders Jaarns vernarbter (Ent-)Führer, Meister, Gefährte zu nennen, der viele Namen hat. Mit Witz und Ironie an den richtigen Stellen und in passender Dosis gewürzt, liegt hier eine fantastische Lektüre parat für alle, die von der üblichen Fantasy-Stangen-Ware die Nase voll haben.

Buchpremiere: »Das Eherne Buch«, 2.9., 20 Uhr, Moritzbastei
Christian von Aster, »Das Eherne Buch«, Klett-Cotta, Stuttgart 2015, 347 S., 17,95 €

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