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Andris Nelsons soll neuer Gewandhauskapellmeister werden

Andris Nelsons und das Gewandhausorchester / Foto: Jens Gerber Größeres Bild

In Hochstimmung gab das Gewandhaus am Mittwoch den Namen des designierten Kapellmeisters bekannt. Mit dem 36-jährigen Letten Andris Nelsons gelang dem Haus ein guter Fang bei dessen künstlerischer Entwicklung ein gewisser Herr Järvi seine Finger im Spiel hatte.

Andris Nelsons gehört zu jenen Dirigenten, die Altbekanntes gleichsam neu und unerhört erscheinen lassen können. Und obwohl es doch so spannend wäre, wenn das Gewandhausorchester in Bezug auf sein Repertoire ein paar mehr Ausbrüche aus seiner Komfortzone wagen würde, freut man sich auf den Mann, der von seiner Mission spricht, die Genien der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Der oft als Klangmagier beschriebene Dirigent ist auch Wunschdirigent des Orchesters, mit dem er bereits seit 2011 in regelmäßigen Abständen als Gast erfolgreich zusammenarbeitete. Tobias Haupt, Vorsitzender des Orchestervorstandes, charakterisierte während der Präsentation das besondere Verhältnis zwischen diesem Dirigenten und den Musikern, das von Vertrauen und tiefen Übereinstimmungen in Fragen der musikalischen Darstellung geprägt sei. Er beschrieb die Zuversicht, die während der Zusammenarbeit mit Nelsons noch aus dem dramatischsten Werk spreche und sogar vom Glauben an das Gute in der Welt, den diese besondere Zusammenarbeit auslösen könne. Aufrichtigkeit im Wesen und im Anspruch an seine Arbeit klang in der emotional aufgeladenen Situation der gestrigen Pressekonferenz auch durch, als Andris Nelsons selbst das Wort ergriff. In seiner entwaffnend humoristisch angereicherten deutsch-englischen Sprachmischung beschrieb er die Bindung an ein Orchester. Für das »Miracle« in der Musik und die Realisierung höchster musikalischer Ansprüche seien neben gegenseitigem Respekt und Disziplin eine tiefe menschliche Verbindung zu den Musikern notwendig. Für ihn sei ein Traum in Erfüllung gegangen. Das deutsche Repertoire habe ihn seit Studienzeiten begleitet und er freue sich sehr darauf, diese Werke gemeinsam mit einem so hochkarätigen und darauf spezialisierten traditionsreichen Spitzenorchester auf die Bühne zu bringen.

Mit seinem Amtsantritt zur Saison 2017/18 vollzieht sich nach der zehnjährigen Amtszeit von Riccardo Chailly auch ein Generationenwechsel am Gewandhaus. Der 36-jährige, in Lettland geborene Nelsons startete seine musikalische Karriere als Trompeter an der Lettischen Nationaloper, bevor er Dirigieren studierte. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählten Neeme Järvi, Vater von MDR-Orchesterchef Kristjan Järvi, und der lettische Dirigent Mariss Jansons. Bereits im Alter von 24 Jahren wurde Nelsons Chefdirigent der Lettischen Nationaloper und arbeitete mit den weltweit wichtigsten Orchestern zusammen. Seit 2014 ist er Music Director des Boston Symphony Orchestra und dort bis zur Saison 2021/22 unter Vertrag. Andris Nelsons wird daher beide Spitzenorchester gleichzeitig leiten und begründet mit seinem Amtsantritt als 21. Gewandhauskapellmeister eine Zusammenarbeit zwischen den Klangkörpern. Konkret wird es Gastspiele geben, auf denen das jeweilige Gastorchester Werke aus dem Kernrepertoire des Gastgeberorchesters spielen wird. Außerdem sind gemeinsame Auftragswerke geplant. Bereits in der laufenden Saison wird Andris Nelsons mit dem Gewandhausorchester in Konzerten zu erleben sein: Am 5. Mai 2016 wird er das Gastspiel des Boston Symphony Orchestra am Gewandhaus leiten. Außerdem sind mit ihm ein Entdecker-Konzert am 25. Mai 2016 sowie Abonnement-Konzerte am 26. und 27. Mai sowie am 2. und 3. Juni 2016 geplant.

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Ein Kommentar

  1. Micha | 10. September 2015 | um 15:00 Uhr

    Wie soll das denn funktionieren? Wie ist man Musikdirektor von zwei so großen Or­ches­t­ren?
    Habe andere Häuser damit schon Erfahrung gemacht? Für mich ist das nichts Halbes und nichts Ganzes.

    Seien wir gespannt.