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All that Jazz

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

eristwiederda Größeres Bild

Die 39. Leipziger Jazztage sind in der Stadt und haben in diesem Jahr einen thematischen Schwerpunkt, der auch Filmliebhaber anspricht. »Cinematic« ist das Stichwort und in den letzten Tagen gab es Filmmusik und Neuvertonungen zu sehen und zu hören. Heute Abend bringt die New Yorker Formation Sex Mob die explosive Mischung Fellini & Bond auf die Bühne des Schauspielhauses. In Halle gehen derweil die 8. Filmmusiktage zuende. Bis morgen gibt es hier und dort noch die Gelegenheit die Symbiose aus bewegten Bildern und bewegenden Klängen zu feiern.

www.filmmusiktage.de/2015/, www.jazzclub-leipzig.de/jazztage/

Film der Woche: Er ist wieder da, der Führer. Knapp 70 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang erwacht Adolf Hitler im Berlin der Gegenwart. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Angela Merkel und vielen tausend Ausländern startet er, was man am wenigsten von ihm erwartet hätte: eine Karriere im Fernsehen. Denn das Volk, dem er bei einer Reise durch das neue Deutschland begegnet, hält ihn für einen politisch nicht ganz korrekten Comedian und macht ihn zum gefeierten TV-Star. Und das, obwohl sich Adolf Hitler seit 1945 äußerlich und innerlich keinen Deut verändert hat. David Wnendt (»Kriegerin«) schafft einen beachtlichen Spagat zwischen Realität und Fiktion und vermischt seine Adaption des Bestsellers immer wieder mit dokumentarischen Aufnahmen von Hitlers Tour durch Deutschland. Das Ergebnis ist erschreckend und unbedingt sehenswert. Chapeau!

»Er ist wieder da«: ab 8.10., Passage Kinos, Cineplex, CineStar, Regina Palast

kreuzer verlost die Romanvorlage aus dem Eichborn Verlag. eMail an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: »Comeback«)

Als der irische Sportjournalist David Walsh (Lee Pace) den US-Radrennfahrer Lance Armstrong (Ben Foster) kennenlernt, ist der noch weit davon entfernt, jemals die Tour de France zu gewinnen. Armstrong schlägt sich wacker, aber jeder in seinem Umfeld attestiert ihm, dass er nie vorne mitspielen wird. Kein Wunder, dass Walsh überrascht ist, als Armstrong einige Jahre später oben auf dem Treppchen steht – und dass er der einzige ist, der stutzt. Doch die Medien sind geblendet, denn Armstrong hatte gerade erst eine Krebserkrankung überlebt, was die Story einfach zu gut machte. Der ehrgeizige Amerikaner hat sich dem dubiosen Programm des italienischen Sportarztes Michele Ferrari (Guillaume Canet) verschrieben, das eine gefährliche Mischung aus Training und Anabolika vorsieht. Armstrong wird zur lebenden Sportlegende und zum Vorbild vieler Krebspatienten, doch wer so hoch fliegt, wird tief fallen.
Geschickt stellt David Walsh in seinem Buch die Ambivalenz der Handlungen Armstrongs heraus. Walsh geht es bei seiner Aufarbeitung der Fakten auch um die menschliche Komponente. Das Drehbuch von John Hodge (»Trainspotting«) übernimmt den sachlichen Ton. Schon in »The Queen« hielt Regisseur Stephen Frears die Figuren auf Distanz. Der Rhythmus seiner früheren Arbeiten kommt bei »The Program« vor allem am Anfang nicht so recht in den Takt. Walsh wird eingeführt und verschwindet dann erstmal für die nächste Viertelstunde, die das Schicksal Armstrongs beleuchtet, komplett von der Leinwand. Trotzdem entsteht mit jedem Kilometer der Straße eine Spannung und Ben Foster gelingt es, die unmenschlichen Strapazen der Tour und die extremen Auswirkungen des Drogenkonsums eindrucksvoll zu veranschaulichen.

»The Program – Um jeden Preis«: ab 8.10., Passage Kinos

Während ein gewaltiger Sandsturm die Notevakuierung der NASA-Basisstation auf dem Mars erfordert, wird der Botaniker Mark Watney (Matt Damon) fortgerissen und man glaubt, er sei ums Leben gekommen. Da der immer stärker werdende Sturm die Landefähre zu zerstören droht, gibt Commander Lewis (Jessica Chastain) schweren Herzens den Befehl, die Suche nach Watney abzubrechen und mit den verbliebenen vier Crewmitglieder zu starten, bevor es zu spät ist. Aber Watney hat überlebt und versucht nun – vollkommen auf sich allein gestellt – auf dem unwirtlichen Planeten zu überleben. Mit seinem Einfallsreichtum, Überlebenswillen und dem Wenigen, das er hat, findet er einen Weg, der Erde zu signalisieren, dass er noch am Leben ist. Millionen Meilen entfernt arbeiten die NASA und ein Team von internationalen Wissenschaftlern unermüdlich daran, den »Marsianer« heimzuholen; gleichzeitig planen seine Crewmitglieder eine waghalsige, wenn nicht gar aussichtslose Rettungsmission. Während dieses Vorhaben allen Beteiligten unglaublichen Mut abverlangt, rückt die Welt zusammen, um Watneys Rückkehr sicher zu stellen. Ridle Scott inszeniert die Adaption des Romans von Andy Weir recht geradlinig und eine Spur zu glatt, aber visuell beeindruckend.

»Der Marsianer«: ab 8.10., Cineplex, CineStar, Regina Palast

Die Flimmerzeit im September

mit 45 YEARS, EVEREST, LIFE und einem DVD-Tipp zum Gewinnen.

 

Weitere Filmtermine der Woche

Faust
Starke Neuverfilmung des klassischen Goethe-Stoffs durch Alexander Sokurow.
11.10., 18 Uhr Schaubühne Lindenfels (OmU)

Voin – Der Krieger
Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder, die beide als Profi-Kämpfer ihren Unterhalt bestreiten. Die Geschichte erzählt von einer Familie und den Menschen, die viele Jahre lang Narben in ihren Herzen tragen, und schließlich auch von Vergebung. Russische Filmreihe im Original.
11.10., 20 Uhr, Cineplex (OF)

Der Rat der Götter
DDR-Drama von 1950 von Kurt Maetzig, das den Weg des I.G.-Farben-Konzerns von 1930 bis 1947 und die Verstrickung in Rüstungsproduktion und Giftgasherstellung für die Konzentrationslager beleuchtet.
13.10., 20 Uhr, Cineding

50/50 – Freunde fürs (Über)leben
Adam ist 27, als er davon erfährt, dass er an einer seltenen Form von Krebs erkrankt ist. Gemeinsam mit seinem Kumpel Kyle versucht er die Diagnose leicht zu nehmen. Schwarzhumorige Tragikomödie. – Filme vom Abschied
14.10., 19.30 Uhr, Passage Kinos

A world without thieves
Das Schicksal zweier Diebe wird kräftig durcheinandergewürfelt, als sie auf einen naiven jungen Zimmermann treffen. Gangsterdrama mit Hong Kong-Star Andy Lau (»Infernal Affairs«).
14.10., 19 Uhr, Konfuzius-Institut Leipzig (OmeU)

Aufbruch Leipzig – Oktober 89 (D 1990, Dok), Leipzig im Herbst (D 1990, Dok)
Zwei Dokumente zur Wende in Leipzig.
14.10., 20 Uhr, Pöge-Haus

Queen of Montreuil
Französische Komödie von 2013 um eine junge Frau, die nicht über den Tod ihres Ehemannes hinweg kommt, bis sie von einem Rudel Isländer, einem Seelöwen und ihrem begehrenswerten Nachbarn heimgesucht wird.
14.10., 18.30 Uhr, Institut Français (OmfU)

Slow West
Der junge Schotte Jay Cavendish reist im ausgehenden 19. Jahrhundert durch den Wilden Westen, auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe. Der mürrische Kopfgeldjäger Silas Selleck begleitet ihn dabei. Das ungleiche Paar wird von Kodi Smit-McPhee und Michael Fassbender hingebungsvoll gespielt und der ehemalige Beta Band-Frontmann John Maclean hat in seinem Regiedebüt dem Genre des Westerns einige frische Ideen hinzuzufügen.
14.10., 21.15 Uhr, Kinobar Prager Frühling (OmU)

Flowers of freedom
In dem kirgisisch-deutschen Dokumentarfilm fordern Umwelt-Aktivistinnen nach einem Giftmüll-Unfall Gerechtigkeit ein. – globaLE – anschl. Diskussion mit Gästen.
15.10., 20 Uhr, E 35

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