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Die Sportkolumne zu bewegten Körpern und dem ganzen Drumherum

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Nachdem beim letzten Mal das variantenreiche Drumherum im Fußballstadion zum Imagelabeln und Versenden von politischen Botschaften interessierte, geht es nun um Geräuschelemente bei Ballsportarten.

Beim letzten Heimspiel am Mittwochabend des SC DHfK gegen die SG Flensburg-Handewitt in der ersten Handballbundesliga lag sie wieder auf allen Plätzen: die Klatschpappe. Unerfahrene Besucher konnten daher auch beobachtet werden, wie sie versuchten das Ziehharmonikafaltsystem zu verstehen. Es ist eigentlich ganz einfach – der Effekt ebenso schlicht wie ohrenbetäubend. Dieses beidseitig bedruckte Stück Pappe erhöht die Eventisierung des Spiels um Werbeflächen und einige Dezibel. In einer Hand gehalten kann das Klatschelement entweder gegen den eigenen Körper oder Elemente der Halle gehauen werden. Bei einer großen Besucherzahl gehen durch diesen Klangteppich Rufe oder gar Gesänge komplett unter.

Die Klatschpappe am Mittwoch zeigte zudem die Maskottchen aller Erstligavereine. Und wem sich schon beim Anblick dieser Geschöpfe im Fußball die Augen verdrehen, der sei gewarnt: Die Handballgesellen weisen noch einmal in eine ganz andere ästhetische Richtung. Am allerschlimmsten anzusehen ist – ganz subjektiv geurteilt – Johnny Blue – die Diskokugel vom TV 1898 Stuttgart.

Nun können Anhänger dieser zwangsinfantilen Gestalten einwenden, dass Maskottchen als Zeremonienmeister des Spiels auch in Märchenfilmen oftmals etwas eigenartig manieriert erscheinen. Aber das kann leicht in eine Grundsatzdebatte zum Spektrum von Männlichkeiten in Sporttempeln führen und das wollen wir uns für ein anderes Mal aufheben. Nur soviel an dieser Stelle: Das DHfK-Maskottchen Balleo – ein Leopard im grün-weißen Leibchen – kann bei weitem viel mehr als beispielsweise Bulli von RB. Letzterer reckt ja am liebsten den Daumen gen Himmel und läuft durch das Stadionrund. Balleo dagegen tanzt, liefert einen Spagat ab und schaut sich mit verschränkten Armen das Treiben der Cheerleader an.

Daher ist es auch sehr verständlich, dass beispielsweise die Fancharta des Fußballdrittligisten SG Dynamo Dresden unter Punkt 2.3 »Bewahrung der Ursprünglichkeit eines Fußballspiels« listet: »Ein Maskottchen und/oder Cheerleaders kommen nicht zum Einsatz« sowie einen Punkt weiter »Klatschpappen oder ähnliche akustische Instrumente kommen nicht zum Einsatz.« Denn die Pappen sind nicht nur bei Hallensportarten sehr beliebt, sondern auch im Fußball.

Es gibt sogar eine Facebookgruppe »Klatschpappen kann man kaufen – Stimmung nicht«, die den Einsatz beim Fußball kritisch begleitet. Als stimmungsfördernd verstand beispielsweise der SC Freiburg bereits 2012 den Einsatz von Klatschpappen. Das sahen die Corrillo Ultras allerdings etwas anders und kündigten den Support, wenn Klatschpappen vor dem Spiel verteilt werden. Bei Bayern München wurde gar auf die Pappe geschrieben, wann sie vor dem Falten hochzuhalten sei – beim Einlauf der Mannschaften mit Zeitangabe! Mancher kann dies als fürsorgliche Geste deuten, aber letztlich geht es darum alles schön unter Kontrolle zu halten.

Gewollte Stimmung, Kontrolle und Geräuschkulisse müssen in der Kombination nicht immer funktionieren. Um Stimmung zu erzeugen, wurden für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika die Vuvuzelas in Mode gebracht. Die UEFA verbot sie 2010 für ihre Wettbewerbe. Dabei stand nicht nur die möglichen 120 bis 130 Dezibel in der Kritik, sondern laut UEFA der Schutz europäischer Fankultur: »Die Magie des Fußballs entsteht durch den Austausch von Emotionen zwischen dem Spielfeld und den Tribünen, von denen aus das Publikum den Spielern all seine Gefühle mitteilen kann. Das ständige, monotone Dröhnen der Vuvuzelas würde die Stimmung komplett verändern, die Emotionen der Zuschauer übertönen und vom eigentlichen Erlebnis ablenken.«

So ist das also mit der Fankultur – zumindest jetzt für den Moment. Wir schauen und hören weiter.

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