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Licht und Schatten im Fußball

Der Deutsche Fußball-Bund zu Besuch in seiner Gründungsstadt

Shkodran Mustafi und Kevin Volland bei ihrem Kurzbesuch beim SV Lindenau 1848 Größeres Bild

Zwischen Lichtfest am Freitag und Länderspiel am Sonntagabend: Leipzig befand sich mal wieder zwischen hellen Kerzen. Dass der Lichtfeierreigen nun unbedingt zu einem eher glanzlosen Fußball-Entscheidungsspiel führen würde, wer hätte das ahnen können?

Als am Freitagabend mal wieder zur jährlichen Teelichtzeremonie auf dem Augustusplatz anlässlich der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 geladen wurde, ließ sich der DFB nicht lumpen. Im Vorfeld des EM-Qualifikationsspiels gegen Georgien war DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vor Ort, aus der geplanten Teilnahme von Spielern aus dem aktuellen Kader wurde durch die Niederlage gegen Irland am Vorabend allerdings nichts. Aber so unverrichteter Dinge wollte sich der weltweit größte Fußballverband nicht zufrieden geben. Es blieb dem verbandseigenen Fernsehen (DFB-TV) vorenthalten, den derzeit einzigen Nationalspieler mit Geburtsland DDR beim Entzünden von Teelichtern, die zu einer 89 auf einem Tisch im Westin-Hotel arrangiert waren, zu filmen. Toni Kroos (geboren am 4. Januar 1990 in Greifswald) absolvierte diese Übung mit sehr emotionaler Hintergrundmusik so, als wäre er schon seit Jahren Bestandteil dieser Revolutionsinszenierung.

Am Samstagmittag besuchte Niersbach den SV Lindenau 1848 in der Erich-Köhn-Straße und auch dies hielt DFB-TV im bewegten Bild fest. Grund für die Visite war der vom Lindenauer Sportverein im vergangenen Jahr gewonnene Integrationspreis für seine Arbeit mit Geflüchteten, die im Prospekt »Willkommen im Fußball. Fußball mit Flüchtlingen« des Verbandes auf zahlreichen Fotos zu sehen ist (siehe auch kreuzer-leipzig.de/2015/08/21/ankommen-mit-fussball). DFB-TV erklärt nun im Beitrag, dass sich »Lindenau in der Nähe von Leipzig« befindet. Die Eingemeindung zu Leipzig erfolgte zwar ganze neun Jahre vor der DFB-Gründung in der heutigen Leipziger Büttnerstraße (jetziger Sitz der kreuzer-Redaktion), aber das sind kleine Fehlerdetails. Im Charlottenhof, wenige Meter Luftlinie vom RB-Übungsgelände entfernt, kann das Außenstehenden vielleicht schon einmal passieren. Das Kopfschütteln steigert sich bei der vorgetragenen Botschaft, dass alle Vereine, die Geflüchtete zum Fußballspiel einladen, finanziell unterstützt werden. Da kennt wohl jemand die eigenen Fördermaßnahmen nicht. Denn eine davon besagt, dass die DFB-Stiftung Egidius Braun jährlich lediglich 600 Amateurvereine mit 500 Euro im Rahmen der Aktion »1:0 für ein Willkommen« unterstützt. Das im Frühjahr aufgelegte Programm sollte ursprünglich nur bis Ende 2016 laufen. Jetzt beschloss der DFB eine Weiterführung bis 2019.

Eine kleine Gesprächsrunde von Leipziger Vereinsvertretern mit den Offiziellen – neben Niersbach waren sein Vize Eugen Gehlenberg und der sächsische Fußballpräsident Klaus Reichenbach anwesend, wie auch die örtliche Sportamtsleiterin Kerstin Kirmes – klärte die derzeitige Situation vor Ort, wie Fußball möglichst niedrigschwellig als Integrationsmodell funktioniert. Wie etwa in dem von RB angeführten Bündnis »Willkommen im Fußball«, dem sich bisher 17 Vereine anschlossen. Das kürzlich stattgefundene erste Treffen des Netzwerkes stand im Dienste der lokalen Ressourcenaufstellung.

Zuvor wurden in Lindenau noch schnell zwei Fußballer aus der Mannschaft vorgefahren: Shkodran Mustafi und Kevin Volland, die sich kurz zum Fotografieren und Sitzen in der Kabine einfanden. Denn es ging auch um richtigen Fußball – wenn auch nur um ein Freundschaftsspiel. Dafür hatte der SV 1848 Lindenau die U15 von Leipzig United F.C. geladen. United arbeitet seit zwei Jahren mit Kindern und Jugendlichen, die nach Deutschland geflüchtet sind (siehe kreuzer 11/2015). Vom anfänglichen Straßenfußball in Grünau stehen seit dieser Saison die U15 und die U17 gemeinsam mit den Altersgenossen des Vereins für Körperkultur 1892 auf dem Platz im Ligabetrieb. Mit vier Toren ging die Heimmannschaft vom Platz – beobachtet von Sky bis zur Deutschen Welle.

Am Sonntag feierte der Sächsische Fußballverband (SFV) seinen 25. Geburtstag in der Sportschule Egidus Braun in Abtnaundorf ebenfalls mit Herrn Niersbach. Und zwar in aller Ruhe, denn wegen der Feierlichkeit wurde extra das Heimspiel des Zweitligisten Frauenfußball Verein (FFV) von Abtnaundorf auf den Kunstrasenplatz am Gontardweg – dem derzeitigen Sitz des Sächsischen Mädchen- und Frauenleistungszentrums (siehe kreuzer 10/2014) verlegt. Am möglichen Lärmpegel lag es sicherlich nicht. Die gezählten 120 Gäste kamen fast ohne Fanuntensilien aus – abgesehen von zwei Trommeln bei den Herforder Fans. Sie erklangen ganz dezent bei Toren der Herforder Spielerinnen – insgesamt vier Mal. Der FFV schoss dagegen nur eins und sich damit aus dem Mittelfeld der Tabellen auf den zehnten von zwölf Plätzen.

Beim Qualifikationsspiel konnte die im Kunstfeld typische Floskel »ortsspezifisches Arbeiten« für das Spiel »der Mannschaft« bemüht werden, denn sie orientierte sich an der hiesigen Zweitliga- oder Regionalliga-Heimmannschaft des Vereins, dessen Logo mal für über eine Woche nicht in den Stadtraum leuchtete, und deren Chancenverwertung im Sechzehner. Aber es kann nun wirklich nicht immer nur alles glänzen.

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