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Editorial 12/2016

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Dezember-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Die Verrückten werden immer lauter und man weiß gar nicht mehr, was man da noch machen soll. Ehrlich gesagt, geht vielen von uns hier im kreuzer dieses ewige Legida-Pegida-Thema unglaublich auf den Sack. Spätestens seit dem Dezember 2013, als wir das Januar-Heft 2014 produzierten und dort titelten »Willkommen in Leipzig: Über den Rassismus in der Mitte der Gesellschaft«, beschäftigen wir uns wieder und wieder mit all den angstvollen Bürgern, den Jammerlappen und Rassisten, den Nazis, die nun wieder Morgenluft wittern. Es sind eigenartige Zeiten, in denen wir leben und darum dreht sich unsere Titelgeschichte mal wieder um das Schlechte-Laune-Thema Nummer eins.

Diesmal wollen wir einen ganz besonderen Aspekt näher beleuchten, nämlich die Frage, wie das alles mit dem Internet, den Möglichkeiten der sozialen Netzwerke und den vielen verschwörungstheoretischen, halbwahren oder komplett erfundenen »Nachrichten«, die fern der »Lügenpresse« im Internet kursieren, zusammenhängt. Legida und Pegida als Phänomen des Internet sozusagen.

Der Politikwissenschaftler Robert Feustel beschreibt in seinem Text »Das Volk in der Dauerschleife« einen Effekt, den man technopsychologisch nennen könnte und der dazu führt, dass Gruppen von Menschen in sozialen Netzwerken schnell der Täuschung erliegen, ihre Meinung sei tatsächlich die der Mehrheit. Der Journalist Thomas Datt berichtet anschließend anhand ganz konkreter Beispiele rassistischer Proteste in Sachsen, wie Facebook und Co. zur Mobilisierung und Propaganda genutzt werden – aber auch, dass das alles nur funktioniert, weil es bei vielen Menschen auf fruchtbaren Boden fällt. Unsere Titelstrecke lesen Sie ab Seite 22. Illustriert haben wir unser Cover und auch die Titelgeschichte mit authentischen Kommentaren und Wortmeldungen, die Nutzer auf den Facebookseiten von Pegida, Legida oder ähnlichen Organisationen in der Region abgegeben haben. Die Recherche dazu war eine außergewöhnlich niederschmetternde Erfahrung. Was für ein Dreck und Hass dort ausgeschüttet, welch ekelhafter Gewaltfantasien da öffentlich nachgegangen wird, es lässt einen schaudern. Scham gibt es nicht mehr, offen wird auch unter Klarnamen mit Mord und Totschlag gedroht, werden Genozidwünsche geäußert – siehe zum Beispiel das Zitat auf dem Titelblatt.

Ja, es geht einem ganz schön auf den Sack. Wir müssen es durchstehen und dagegenhalten, es wird irgendwann aufhören. Wenigsten wissen wir jetzt, woran wir sind bei einigen unserer Mitbürger. Es sind schon eigenartige Zeiten, in denen wir leben.

Jo, wat gibts denn noch zu berichten? Ganz viel! Wenn Sie sich also durch die Naziabgründe gequält haben, wartet Erbaulicheres, nicht weniger Interessantes, Lustiges und Ernstes. kreuzer-Autorin Anika Reker zum Beispiel hat Mario Malke aus Grimma besucht und einen schönen Text darüber geschrieben, wie der 36-jährige Analphabet lesen lernt, wie er in der Kaufhalle seine ersten Erfolge feiert (ein Kuchenrezept!) und mit welchen Problemen er so auf seinem Weg zu kämpfen hat. Unsere Redakteurinnen Petra Mewes und Britt Schlehahn besuchten derweil die Leipziger Schneiderin Silke Wagler und luden sie zum großen Interview, in der Musik geht es um Metal und gleich zwei legendäre Leipziger Bands der cooleren Sorte, die nun wieder auftauchen. Ja, und so geht es dann weiter, lesen Sie mal rum im neuen kreuzer, es lohnt sich. Ganz am Ende gibt der begnadete James Turek mal wieder einen ganz hervorragenden Ausgehtipp – wenn der erste Schnee fällt, ab ans Kreuz.

Und vergessen Sie nicht, liebe Leserinnen und Leser: Es ist Weihnachtszeit. Rabimmelrabammel.

Andreas Raabe

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

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